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Aus der Akasha-Forschung. Das Fuenfte Evangelium

On-line since: 6th November, 2007

Kristiania (Oslo), 3. Oktober 1913
Dritter Vortrag

Wenn ich gestern davon gesprochen habe, daß diejenigen Persönlichkeiten, die man gewöhnlich die Apostel des Christus Jesus nennt, eine gewisse Auferweckung erlebt haben in dem Augenblick, der im sogenannten Pfingstfest seinen Ausgangspunkt hat, so ist damit durchaus nicht etwa behauptet, daß dasjenige, wovon ich zu sprechen habe als von dem Inhalt des sogenannten Fünften Evangeliums, gleich dazumal so, wie ich es jetzt erzähle, im Bewußtsein, im vollen Bewußtsein dieser Apostel gewesen sei. Allerdings, wenn sich das hellsichtige Bewußtsein in die Seelen dieser Apostel vertieft, dann erkennt es jene Bilder in diesen Seelen. Aber in den Aposteln selber lebte das dazumal schon weniger als Bild, sondern es lebte, nun, wenn ich sagen darf als Leben, als unmittelbares Erleben, als Gefühl und Macht der Seele. Und dasjenige, was die Apostel dann haben sprechen können, wodurch sie sogar die Griechen in der damaligen Zeit hingerissen haben, wodurch sie den Anstoß gegeben haben zu dem, was wir die christliche Entwickelung nennen, dasjenige, was sie so als Macht der Seele, als Macht des Gemütes in sich trugen, das erblühte aus dem, was in ihrer Seele lebte als lebendige Kraft des Fünften Evangeliums. Sie konnten so reden, wie sie redeten, sie konnten so wirken, wie sie wirkten, weil sie die Dinge, die wir jetzt als Fünftes Evangelium entziffern, lebendig in ihrer Seele trugen, auch wenn sie die Dinge nicht so in Worten erzählten, wie man jetzt dieses Fünfte Evangelium erzählen muß. Denn sie hatten ja empfangen, wie durch eine Auferweckung, die Befruchtung durch die allwaltende kosmische Liebe, und unter dem Eindruck dieser Befruchtung wirkten sie nun weiter. Was in ihnen wirkte, war dasjenige, wozu der Christus geworden ist nach dem Mysterium von Golgatha. Und hier stehen wir an einem Punkte, wo wir im Sinne des Fünften Evangeliums über das Erdenleben des Christus sprechen müssen. Es ist für heutige Begriffe, für Begriffe der Gegenwart, nicht ganz leicht, das in Worte zu fassen, um was es sich dabei handelt. Aber wir können uns mit mancherlei Begriffen und Ideen, die wir schon gewonnen haben durch unsere geisteswissenschaftlichen Betrachtungen, diesem größten Erdengeheimnisse nähern. Wenn man das Christus-Wesen verstehen will, dann muß man manche Begriffe, die wir schon haben durch unsere geisteswissenschaftlichen Auseinandersetzungen, in etwas veränderter Form auf die Christus-Wesenheit anwenden.

Gehen wir einmal, um zu einiger Klarheit zu kommen, aus von demjenigen, was man gewöhnlich nennt die Johannestaufe im Jordan. Sie stellt sich im Fünften Evangelium dar in bezug auf das Erdenleben des Christus wie etwas, was gleich ist wie eine Empfängnis bei einem Erdenmenschen. Das Leben des Christus von da ab bis zu dem Mysterium von Golgatha verstehen wir, wenn wir es vergleichen mit demjenigen Leben, das der Menschenkeim im Leibe der Mutter durchmacht. Es ist also gewissermaßen ein Keimesleben der Christus-Wesenheit, das diese Wesenheit durchmacht von der Johannestaufe bis zum Mysterium von Golgatha. Das Mysterium von Golgatha selber müssen wir verstehen als die irdische Geburt, also den Tod des Jesus als die irdische Geburt des Christus. Und sein eigentliches Erdenleben müssen wir suchen nach dem Mysterium von Golgatha, da der Christus seinen Umgang gehabt hat, wie ich gestern angedeutet habe, mit den Aposteln, als diese Apostel in einer Art von anderem Bewußtseinszustand waren. Das war dasjenige, was der eigentlichen Geburt der Christus-Wesenheit folgte. Und was beschrieben wird als die Himmelfahrt und die darauf folgende Ausgießung des Geistes, das müssen wir bei der Christus-Wesenheit auffassen als dasjenige, was wir beim menschlichen Tode als das Eingehen in die geistigen Welten anzusehen gewohnt sind. Und das Weiterleben des Christus in der Erdensphäre seit der Himmelfahrt oder seit dem Pfingstereignis müssen wir vergleichen mit dem, was die Menschenseele durchlebt, wenn sie im sogenannten Devachan, im Geisterlande ist.

Wir sehen also, meine lieben Freunde, daß wir in der Christus-Wesenheit eine solche Wesenheit vor uns haben, gegenüber welcher wir alle Begriffe, die wir sonst uns angeeignet haben über die Aufeinanderfolge der Zustände des menschlichen Lebens, vollständig verändern müssen. Der Mensch geht nach der kurzen Zwischenzeit, die man gewöhnlich nennt Läuterungszeit, Kamalokazeit, in die geistige Welt über, um sich vorzubereiten zum nächsten Erdenleben. Der Mensch durchlebt also nach seinem Tode ein geistiges Leben. Vom Pfingstereignisse an erlebte die Christus-Wesenheit dasjenige, was für sie dasselbe bedeutete, wie für den Menschen der Übergang ins Geisterland: das Aufgehen in die Erdensphäre. Und anstatt in ein Devachan, anstatt in ein geistiges Gebiet zu kommen, wie der Mensch nach dem Tode, brachte die Christus-Wesenheit das Opfer, ihren Himmel gleichsam auf der Erde aufzuschlagen, auf der Erde zu suchen. Der Mensch verläßt die Erde, um, wenn wir mit den gebräuchlichen Ausdrücken sprechen, seinen Wohnplatz mit dem Himmel zu vertauschen. Der Christus verließ den Himmel, um diesen seinen Wohnplatz mit der Erde zu vertauschen. Das bitte ich Sie im rechten Lichte sich anzuschauen und daran zu knüpfen dann die Empfindung, das Gefühl, was geschehen ist durch das Mysterium von Golgatha, was geschehen ist durch die Christus-Wesenheit, worin das eigentliche Opfer der Christus-Wesenheit bestanden hat, nämlich im Verlassen der geistigen Sphären, um mit der Erde und mit den Menschen auf der Erde zu leben, und die Menschen, die Evolution auf der Erde durch den ihr so gegebenen Impuls weiterzuführen. Das besagt schon, daß vor der Johannestaufe im Jordan diese Wesenheit nicht der Erdensphäre angehörte. Sie ist also hereingewandert aus den überirdischen Sphären in die Erdensphäre. Und dasjenige, was erlebt wurde zwischen der Johannestaufe und dem Pfingstereignis, das mußte erlebt werden, um umzuwandeln die himmlische Wesenheit des Christus in die irdische Wesenheit des Christus.

Es ist unendlich viel gesagt, wenn dieses Geheimnis hier ausgesprochen wird mit den Worten: Seit dem Pfingstereignis ist die Christus-Wesenheit bei den menschlichen Seelen auf der Erde; vorher war sie nicht bei den menschlichen Seelen auf der Erde. Das, was die Christus-Wesenheit durchgemacht hat zwischen der Johannestaufe und dem Pfingstereignis, ist geschehen, damit der Wohnsitz eines Gottes in der geistigen Welt vertauscht werden konnte mit dem Wohnsitz in der irdischen Sphäre. Das ist geschehen, damit diese göttlichgeistige Christus-Wesenheit die Gestalt annehmen konnte, welche notwendig war für sie, um mit den menschlichen Seelen fortan Gemeinschaft zu haben. Warum sind also die Ereignisse von Palästina vollzogen worden? Damit die göttlich-geistige Wesenheit des Christus die Gestalt annehmen konnte, die sie brauchte, um mit den menschlichen Seelen auf der Erde Gemeinschaft zu haben.

Es ist damit zugleich darauf hingewiesen, daß dieses Ereignis von Palästina ein einzigartiges ist, worauf ich ja schon öfter aufmerksam gemacht habe: es ist das Herabsteigen einer höheren, nicht irdischen Wesenheit in die Erdensphäre und das Zusammenbleiben dieser nicht irdischen Wesenheit mit der Erdensphäre, bis unter ihrem Einfluß die Erdensphäre die entsprechende Umgestaltung erfahren haben wird. Seit jener Zeit ist also die Christus-Wesenheit auf der Erde wirksam.

Wollen wir nun das Pfingstereignis im Sinne des Fünften Evangeliums vollständig verstehen, so müssen wir die Begriffe zu Hilfe nehmen, die wir in der Geisteswissenschaft ausgearbeitet haben. Aufmerksam gemacht worden ist darauf, daß es in den alten Zeiten Mysterieneinweihungen gegeben hat, daß die Menschenseele durch diese Einweihung heraufgehoben worden ist zur Teilnahme am spirituellen Leben. Am anschaulichsten wird dieses vorchristliche Mysterienwesen, wenn man ins Auge faßt die sogenannten persischen oder Mithrasmysterien. Da gab es sieben Stufen der Einweihung. Da wurde derjenige, der heraufgeführt werden sollte in die höheren Grade des geistigen Erlebens, zuerst zu dem geführt, was man symbolisch einen «Raben» nannte. Dann wurde er ein «Okkulter», ein «Verborgener». Im dritten Grade wurde er ein «Streiter», im vierten ein «Löwe», im fünften übertrug man ihm den Namen desjenigen Volkes, dem er angehörte. Im sechsten Grade wurde er ein «Sonnenheld», im siebenten Grade ein «Vater». Für die vier ersten Grade genügt es heute, wenn wir sagen, daß der Mensch allmählich immer tiefer und tiefer in das geistige Erleben hineingeführt wurde. Im fünften Grade erlangte der Mensch die Fähigkeit, ein erweitertes Bewußtsein zu haben, so daß dieses erweiterte Bewußtsein ihm die Fähigkeit gab, ein geistiger Behüter des ganzen Volkes zu werden, dem er angehörte. Deshalb übertrug man ihm auch den Namen des betreffenden Volkes.

Wenn jemand in diesen alten Mysterien in den fünften Grad eingeweiht war, dann hatte er eine bestimmte Art der Teilnahme an dem geistigen Leben.

Wir wissen gerade aus einem Vortragszyklus, den ich hier gehalten habe, daß die Erdenvölker geführt werden von dem, was wir in den Hierarchien der geistigen Wesenheiten die Archangeloi oder Erzengel nennen. In diese Sphäre wurde hinaufgehoben der in den fünften Grad Eingeweihte, so daß er teilnahm an dem Leben der Erzengel. Man brauchte solche Eingeweihte in den fünften Grad, man brauchte sie im Kosmos. Daher gab es auf Erden eine Einweihung in diesen fünften Grad. Wenn solch eine Persönlichkeit in die Mysterien eingeweiht wurde und alle die inneren Seelenerlebnisse durchmachte, den Seeleninhalt bekam, der dem fünften Grade entsprach, dann blickte gleichsam der Erzengel des betreffenden Volkes, dem diese Persönlichkeit angehörte, hinab auf diese Seele und las in dieser Seele, wie wir in einem Buche lesen, das uns gewisse Dinge mitteilt, die wir wissen müssen, damit wir diese oder jene Tat vollbringen können. Was einem Volke notwendig war, was ein Volk brauchte, das lasen die Archangeloi in den Seelen derjenigen, die in den fünften Grad eingeweiht worden waren. Man muß, damit die Archangeloi in der richtigen Weise führen können, auf der Erde Eingeweihte des fünften Grades schaffen. Diese Eingeweihten sind die Vermittler zwischen den eigentlichen Volksführern, den Archangeloi, und dem Volke selber. Sie tragen gleichsam hinauf in die Sphäre der Archangeloi dasjenige, was dort gebraucht wird, damit das Volk in der richtigen Weise geführt werden kann.

Wie konnte nun dieser fünfte Grad erlangt werden in alten vorchristlichen Zeiten? Nicht konnte er erlangt werden, wenn die Seele des Menschen im Leibe blieb. Die Seele des Menschen mußte aus dem Leibe herausgehoben werden. Die Einweihung bestand gerade darin, daß die Seele des Menschen aus dem Leibe herausgeholt worden ist. Und außerhalb des Leibes machte dann die Seele durch, was ihr den Inhalt gab, den ich soeben beschrieben habe. Die Seele mußte verlassen die Erde, mußte in die geistige Welt hinaufsteigen, um dasjenige zu erreichen, was sie erreichen sollte.

Wenn nun der sechste Grad der alten Einweihung erreicht wurde, der Grad des Sonnenhelden, dann wurde in der Seele eines solchen Sonnenhelden dasjenige rege, was nicht nur zur Führung, zur Leitung und Lenkung eines Volkes notwendig ist, sondern was höher ist als die bloße Lenkung und Leitung eines Volkes. Wenn Sie den Blick hinwenden auf die Entwickelung der ganzen Menschheit auf der Erde, so sehen Sie, wie Völker entstehen und wieder hinschwinden, wie Völker sich gleichsam verwandeln. Wie die einzelnen Menschen, so werden Völker geboren und sterben. Dasjenige aber, was ein Volk für die Erde geleistet hat, muß fortbewahrt werden für die ganze Entwickelung der Menschheit auf Erden. Es muß nicht nur ein Volk geleitet und gelenkt werden, sondern es muß dasjenige, was dieses Volk als irdische Arbeit leistet, weitergeführt werden über das Volk hinaus. Damit eine Volksleistung herausgeführt werden kann über das Volk hinaus von den Geistern, die höherstehen als die Erzengel, von den Zeitgeistern, waren notwendig die Eingeweihten des sechsten Grades, die Sonnenhelden. Denn in dem, was in der Seele eines Sonnenhelden lebte, konnten die Wesen der höheren Welten dasjenige lesen, was die Arbeit eines Volkes hinübertrug in die Arbeit des ganzen Menschengeschlechtes. So konnte man die Kräfte gewinnen, die in der richtigen Weise die Arbeit eines Volkes herübertragen in die Arbeit der ganzen Menschheit. Über die ganze Erde wurde hingetragen dasjenige, was in dem Sonnenhelden lebte. Und so wie derjenige, der in den fünften Grad in den alten Mysterien eingeweiht werden sollte, aus seinem Leibe herausgehen mußte, um das Notwendige durchzumachen, so mußte derjenige, der ein Sonnenheld werden sollte, herausgehen aus seinem Leibe und zum Wohnplatz während der Zeit seines Herausgegangenseins wirklich die Sonne haben.

Das sind allerdings Dinge, die für das heutige Zeitbewußtsein fast fabelhaft klingen, ja, vielleicht als eine Torheit gelten. Aber dafür gilt auch das Paulinische Wort, daß was Weisheit vor den Göttern, oftmals Torheit ist für die Menschen. Der Sonnenheld lebte also für diese Zeit seiner Einweihung mit dem ganzen Sonnensystem zusammen. Die Sonne ist sein Wohnplatz, wie der gewöhnliche Mensch auf der Erde als auf seinem Planeten lebt. Wie um uns Berge und Flüsse sind, sind für den Sonnenhelden während seiner Einweihung um ihn die Planeten des Sonnensystems. Entrückt auf die Sonne mußte der Sonnenheld während der Einweihung sein. Das konnte man in den alten Mysterien nur außerhalb des Leibes erreichen. Und wenn man zurückkehrte in seinen Leib, erinnerte man sich daran, was man außerhalb seines Leibes erlebt hatte und konnte es verwenden als Wirkenskräfte für die Evolution der ganzen Menschheit, für das Heil der ganzen Menschheit. Die Sonnenhelden verließen also während der Einweihung ihren Leib; hatten sie sich mit diesen Kräften erfüllt, dann traten sie wiederum in ihren Leib zurück. Wenn sie zurückgekehrt waren, dann hatten sie die Kräfte in ihrer Seele, welche die Arbeit eines Volkes herausführen konnten in die ganze Entwickelung der Menschheit. Und was erlebten diese Sonnenhelden während der dreieinhalb Tage ihrer Einweihung? Während sie — wir können es schon so nennen — wandelten nicht auf der Erde, sondern auf der Sonne, was erlebten sie? Die Gemeinsamkeit mit dem Christus, der vor dem Mysterium von Golgatha noch nicht auf der Erde war! Alle alten Sonnenhelden waren so in die Sonnensphäre hinaufgegangen, denn nur da konnte man in den alten Zeiten die Gemeinsamkeit mit dem Christus erleben. Aus dieser Welt, in die hinaufsteigen mußten während ihrer Einweihung die alten Eingeweihten, ist der Christus herabgestiegen auf die Erde. Wir können also sagen: Dasjenige, was durch die ganze Prozedur der Einweihung in alten Zeiten für einzelne Wenige hat erreicht werden können, das wurde erreicht wie durch ein naturgemäßes Ereignis in den Pfingsttagen von denjenigen, welche die Apostel des Christus waren. Während früher die Menschenseelen hatten hinaufsteigen müssen zu dem Christus, war jetzt der Christus zu den Aposteln herabgestiegen. Und die Apostel waren in gewisser Weise solche Seelen geworden, die in sich trugen jenen Inhalt, den die alten Sonnenhelden in ihren Seelen gehabt haben. Die geistige Kraft der Sonne hatte sich ausgegossen über die Seelen dieser Menschen und wirkte fortan weiter in der Menschheitsevolution. Damit dies geschehen konnte, damit das Wirken einer ganz neuen Kraft auf die Erde kommen konnte, mußte das Ereignis von Palästina, mußte das Mysterium von Golgatha sich vollziehen.

Aus was heraus aber ist das Erdensein des Christus erwachsen? Es ist erwachsen aus dem tiefsten Leiden, aus einem Leiden, das hinausgeht über alle menschliche Vorstellungsfähigkeit vom Leiden. Um an dieser Stelle richtige Begriffe über die Sache zu bekommen, sind auch wieder einige Widerstände des gegenwärtigen Bewußtseins hinwegzuräumen. Ich muß nun einmal manche Einschaltung machen in die Erklärung des Fünften Evangeliums.

Vor kurzem ist ein Buch erschienen, das ich recht sehr zur Lektüre empfehlen möchte, weil es von einem sehr geistreichen Manne herrührt und beweisen kann, welchen Unsinn geistreiche Menschen in bezug auf geistige Dinge aussprechen können. Ich meine das Buch Maurice Maeterlincks «Vom Tode». Unter mancherlei unsinnigen Dingen, die darin stehen, ist auch die Behauptung, daß wenn der Mensch einmal gestorben sei, er nicht mehr leiden könne, da er ja dann ein Geist sei, keinen physischen Leib mehr habe. Ein Geist aber könne nicht leiden. Der Leib sei es allein, der leide. — Maeterlinck, der geistvolle Mann, gibt sich also der Illusion hin, daß nur das Physische leiden könne und ein Toter deswegen nicht leiden könne. Er merkt gar nicht den phänomenalen, fast unglaublichen Unsinn, der darin liegt, zu behaupten, daß der physische Leib, der aus physischen Kräften und chemischen Stoffen besteht, allein leidet. Als ob Leiden an physische Stoffe und Kräfte gebunden sei! Stoffe und Kräfte leiden überhaupt nicht. Wenn diese leiden könnten, dann müßte auch ein Stein leiden können. Der physische Leib kann nicht leiden; was leidet, das ist doch eben der Geist, das Seelische. Es ist heute so weit gekommen, daß die Menschen über die einfachsten Dinge das Gegenteil von dem denken, was Sinn hat. Es gäbe kein Kamalokaleiden, wenn das geistige Leben nicht leiden könnte. Weil es entbehrt, wirklich entbehrt den physischen Leib, gerade darin besteht das Kamalokaleiden. Wer nun der Meinung ist, daß ein Geist nicht leiden könne, der wird auch nicht die richtige Vorstellung bekommen können von dem unendlichen Leiden, das der Christus-Geist durchmachte während der Jahre in Palästina.

Bevor ich aber von diesem Leiden spreche, muß ich Sie noch auf etwas anderes aufmerksam machen. Ins Auge fassen müssen wir, daß mit der Johannestaufe im Jordan ein Geist auf die Erde herabgekommen ist, fortan drei Jahre in einem irdischen Leib gelebt und in diesem dann den Tod auf Golgatha durchgemacht hat, ein Geist, der vor der Johannestaufe im Jordan in ganz anderen als irdischen Verhältnissen gelebt hat. Und was heißt das, dieser Geist habe in ganz anderen als irdischen Verhältnissen gelebt? Das heißt, anthroposophisch gesprochen, dieser Geist habe auch kein irdisches Karma gehabt. Was das bedeutet, bitte ich ins Auge zu fassen. Ein Geist lebte drei Jahre im Leibe des Jesus von Nazareth, der diese Laufbahn auf der Erde durchgemacht hat, ohne ein irdisches Karma in seiner Seele zu haben. Damit gewinnen alle irdischen Erfahrungen und Erlebnisse, die der Christus durchgemacht hat, eine ganz andere Bedeutung als die Erfahrungen, die etwa eine Menschenseele durchmacht. Leiden wir, haben wir diese oder jene Erfahrung, so wissen wir, daß Leiden im Karma begründet sind. Für den Christus-Geist aber war es nicht so. Er hatte eine dreijährige Erdenerfahrung durchzumachen, ohne daß ein Karma auf ihm lastete. Was war also das für ihn? Leiden ohne karmischen Sinn, wirklich unverdientes Leiden, ein unschuldiges Leiden! Das Fünfte Evangelium ist das anthroposophische Evangelium und zeigt uns, daß das dreijährige Christus-Leben das einzige Leben in einem menschlichen Leibe ist, das ohne Karma gelebt wurde, auf welches der Begriff von Karma im menschlichen Sinne nicht anwendbar ist.

Aber die weitere Betrachtung dieses Evangeliums lehrt uns noch etwas anders dieses dreijährige Leben erkennen. Dieses ganze dreijährige Leben auf der Erde, das wir betrachtet haben wie ein Embryonalleben, das erzeugte auch kein Karma, das lud auch keine Schuld auf sich. Es wurde also auf der Erde ein dreijähriges Leben gelebt, das nicht durch Karma bedingt war und auch kein Karma erzeugte. Man muß alle diese Begriffe und Ideen, die man damit empfängt, nur im ganz tiefen Sinne aufnehmen und man wird mancherlei gewinnen für ein richtiges Verständnis dieses außerordentlichen Ereignisses von Palästina, das sonst wirklich in mancher Hinsicht unerklärlich bleibt. Vieles muß man zusammentragen zu seinem Verständnis. Denn was alles hat es hervorgerufen an sich widersprechenden Erklärungen, in welcher Weise ist es mißverstanden worden! Und dennoch, wie hat es Impuls auf Impuls bewirkt in der Menschheitsentwickelung! Man nimmt diese Dinge nur nicht immer in der richtigen tiefen Bedeutung. Man wird einmal über diese Dinge ganz anders reden, wenn man das in seiner ungeheuren Tiefe einsehen wird, was wir hier angedeutet haben, indem wir davon sprachen, daß wir hier ein dreijähriges Erdenleben vor uns haben, das ohne Karma gelebt wurde.

Wie gedankenlos geht vielfach der Mensch an Dingen vorbei, die eigentlich tief bedeutsam sind. Vielleicht hat mancher von Ihnen doch auch etwas gehört von dem im Jahre 1863 erschienenen Buche «Leben Jesu» von Ernest Renan. Man liest dieses Buch, ohne auf das Signifikante dieses Buches recht Rücksicht zu nehmen. Vielleicht werden sich später die Menschen wundern, daß unzählige Menschen bis heute dieses Buch gelesen haben, ohne zu empfinden, was eigentlich das Sonderbare, Merkwürdige an diesem Buche ist. Das Merkwürdige an diesem Buche ist, daß es ein Zwischending, ein Gemisch ist einer erhabenen Darstellung und eines Hintertreppenromans. Daß diese zwei Dinge zusammengemischt werden können, eine schöne Darstellung und eine richtige Hintertreppengeschichte, das wird man später einmal als höchste Absonderlichkeit ansehen. Lesen Sie mit diesem Bewußtsein einmal dieses «Leben Jesu» von Ernest Renan, lesen Sie, was er aus dem Christus macht, der für ihn natürlich hauptsächlich der Christus Jesus ist. Er macht einen Helden daraus, der erst ganz gute Absichten hat, ein großer Wohltäter der Menschheit ist, der aber dann gleichsam von der Volksbegeisterung mitgerissen wird und nachgibt immer mehr und mehr dem, was das Volk will und wünscht, was es so gerne hört und so gerne gesagt bekommt.

Im großen Stile wendet Ernest Renan dasjenige auf den Christus an, was man im kleineren Stile oftmals auf uns angewendet findet. Denn es kommt schon vor, daß Leute, wenn sie irgend etwas sich ausbreiten sehen, wie zum Beispiel die Theosophie, dann an dem Lehrer die folgende Kritik üben: Anfangs hatte er ganz gute Absichten, dann kamen die bösen Anhänger, die ihm schmeichelten und ihn verdarben. Da verfiel er in den Fehler, das zu sagen, was die Zuhörer gerne hören möchten. — So behandelt Renan das Christus-Leben. Er entblödet sich nicht, die Auferweckung des Lazarus wie eine Art Betrug darzustellen, den Christus Jesus hat geschehen lassen, damit ein gutes Agitationsmittel da sei! Er entblödet sich nicht, Christus Jesus in eine Arte Rage, eine Leidenschaft hineinzuführen und immer mehr und mehr dem Volksinstinkt verfallen zu lassen! Dadurch ist ein Hintertreppenromanhaftes hineingemischt in die erhabenen Darstellungen, die auch in diesem Buche enthalten sind. Und das Eigentümliche ist, daß eigentlich ein etwas gesundes Empfinden — ja, ich will nur wenig sagen — zurückgeschreckt werden müßte, wenn es geschildert bekommt eine Wesenheit, die anfangs die besten Absichten hat, schließlich aber den Volksinstinkten verfällt und allerlei Schwindeleien geschehen läßt. Renan aber fühlt sich gar nicht abgeschreckt davon, sondern hat schöne Worte, hinreißende Worte für diese Persönlichkeit. Kurios, nicht wahr! Aber es ist ein Beispiel dafür, wie groß die Hinneigung der menschlichen Seelen zu dem Christus ist, ganz unabhängig davon, ob sie Verständnis hat für den Christus oder nicht, wenn sie auch nichts von dem Christus verstehen. Es kann so weit gehen, daß ein solcher Mensch das Leben Christi zu einem Hintertreppenroman macht und dennoch nicht bewundernde Worte genug findet, um die Menschen hinzulenken auf diese Persönlichkeit. Solche Dinge sind nur möglich gegenüber einer solchen Wesenheit, die in die Erdenentwickelung so eintritt wie die Christus-Wesenheit. Oh, es wäre viel Karma geschaffen worden in dem dreijährigen Leben Christi auf der Erde, wenn Christus so gelebt hätte, wie Renan es schildert. Das aber wird man erkennen in künftigen Tagen, daß eine solche Schilderung einfach zerbrechen muß, weil man erkennen wird, daß das Christus-Leben kein Karma mit sich brachte und auch keines geschaffen hat. Das ist die Verkündigung des Fünften Evangeliums.

Es war also das Ereignis am Jordan, das wir als die Johannestaufe bezeichnen, etwas das man vergleichen kann einer Empfängnis beim Erdenmenschen. Das Fünfte Evangelium sagt uns, daß die Worte, so wie sie im Lukas-Evangelium stehen, eine richtige Wiedergabe sind dessen, was dazumal hätte gehört werden können, wenn ein entwikkeltes, hellsichtiges Bewußtsein zugehört hätte dem kosmischen Ausdruck dieses Geheimnisses, das sich da vollzog. Die Worte, die vom Himmel herabtönten, lauteten wirklich: «Dieser ist mein vielgeliebter Sohn, heute habe ich ihn gezeuget.» Das sind die Worte des Lukas-Evangeliums, und das ist auch die richtige Wiedergabe dessen, was damals geschehen ist: die Zeugung, die Empfängnis des Christus in die Erdenwesenheit. Das vollzog sich im Jordan.

Wollen wir vorläufig einmal davon absehen, auf welche irdische Persönlichkeit sich herabgesenkt hat dieser Geist des Christus in der Johannestaufe. Wir wollen in den nächsten Tagen davon sprechen. Halten wir uns heute zunächst nur daran, daß ein Jesus von Nazareth gekommen war, der den Leib gegeben hat der Christus-Wesenheit. Nun sagt uns das Fünfte Evangelium — und das ist, was wir lesen können durch den rückgewendeten hellsichtigen Blick — , daß sich nicht völlig mit dem Leibe des Jesus von Nazareth verbunden hatte, daß die Christus-Wesenheit vom ersten Augenblick an ihres irdischen Wandels zuerst nur eine lose Verbindung hatte mit dem Leibe des Jesus von Nazareth. Die Verbindung war nicht so, wie beim gewöhnlichen Menschen die Verbindung des Leiblichen und der Seele ist, so daß diese vollständig im Leibe wohnt, sondern so, daß jederzeit, zum Beispiel wenn es nötig war, die Christus-Wesenheit den Leib des Jesus von Nazareth wiederum verlassen konnte. Und während der Leib des Jesus von Nazareth irgendwo war wie schlafend, machte die Christus-Wesenheit geistig den Weg da- oder dorthin, wo es eben gerade nötig war.

Das Fünfte Evangelium zeigt uns, daß nicht immer, wenn die Christus-Wesenheit den Aposteln erschienen war, auch der Leib des Jesus von Nazareth dabei war, sondern daß oftmals die Sache so sich vollzogen hat, daß der Leib des Jesus von Nazareth irgendwo geblieben war und nur der Geist, eben der Christus-Geist, den Aposteln erschienen war. Aber er war dann so erschienen, daß sie die geistige Erscheinung verwechseln konnten mit dem Leibe des Jesus von Nazareth. Sie merkten wohl einen Unterschied, aber der Unterschied war zu gering, als daß sie ihn immer deutlich bemerkt hätten. In den vier Evangelien tritt das nicht so sehr hervor; das Fünfte Evangelium sagt es uns klar. Die Apostel konnten nicht immer deutlich unterscheiden: Jetzt haben wir den Christus im Leibe des Jesus von Nazareth vor uns, oder jetzt haben wir den Christus als geistige Wesenheit allein. Der Unterschied war nicht immer klar, sie wußten nicht immer, ob das eine oder das andere der Fall war. Sie hielten diese Erscheinung — sie dachten eben nicht viel darüber nach — zumeist für den Christus Jesus, das heißt für den Christus-Geist, insofern sie ihn als solchen erkannten in dem Leibe des Jesus von Nazareth. Aber was sich nach und nach vollzog im dreijährigen Erdenleben, das war, daß gewissermaßen in den drei Jahren der Geist sich an den Leib des Jesus von Nazareth immer enger und enger band, daß die Christus-Wesenheit immer ähnlicher und ähnlicher wurde als ätherische Wesenheit dem physischen Leibe des Jesus von Nazareth.

Bemerken Sie, wie hier wieder anderes eintrat in bezug auf die Christus-Wesenheit als beim Leibe des gewöhnlichen Menschen. Wenn wir dieses verstehen wollen, sagen wir richtig: Der gewöhnliche Mensch ist ein Mikrokosmos gegenüber dem Makrokosmos, ein kleines Abbild des ganzen Makrokosmos, denn dasjenige, was sich im physischen Leibe des Menschen ausdrückt, was der Mensch auf Erden wird, das spiegelt den großen Kosmos ab. Das Umgekehrte ist bei der Christus-Wesenheit der Fall. Die makrokosmische Sonnenwesenheit formt sich nach der Gestalt des menschlichen Mikrokosmos, drängt sich und engt sich, preßt sich immer mehr und mehr zusammen, so daß sie immer ähnlicher wird dem menschlichen Mikrokosmos. Gerade das Umgekehrte als beim gewöhnlichen Menschen ist da der Fall.

Im Anfang des Erdenlebens des Christus, gleich nach der Taufe im Jordan, war die Verbindung mit dem Leibe des Jesus von Nazareth noch die am meisten lose. Noch ganz außer dem Leibe des Jesus von Nazareth war die Christus-Wesenheit. Da war dasjenige, was beim Herumwandeln auf Erden die Christus-Wesenheit wirkte, noch etwas ganz Überirdisches. Sie vollzog Heilungen, die mit keiner Menschenkraft zu vollziehen sind. Sie sprach mit einer Eindringlichkeit zu den Menschen, die eine göttliche Eindringlichkeit war. Die Christus-Wesenheit, wie nur sich selber fesselnd an den Leib des Jesus von Nazareth, wirkte als überirdische Christus-Wesenheit. Aber immer mehr und mehr machte sie sich ähnlich dem Leibe des Jesus von Nazareth, preßte sich, zog sich immer mehr und mehr zusammen in irdische Verhältnisse hinein und machte das mit, daß immer mehr die göttliche Kraft hinschwand. Das alles machte die Christus-Wesenheit durch, indem sie sich dem Leibe des Jesus von Nazareth anähnlichte, eine Entwickelung, die in gewisser Beziehung eine absteigende Entwickelung war. Die Christus-Wesenheit mußte fühlen, wie Macht und Kraft des Gottes immer mehr und mehr entwich im Ähnlichwerden dem Leibe des Jesus von Nazareth. Aus dem Gotte wurde nach und nach ein Mensch.

Wie jemand, der unter unendlichen Qualen immer mehr und mehr seinen Leib dahinschwinden sieht, so sah schwinden ihren göttlichen Inhalt die Christus-Wesenheit, indem sie immer ähnlicher wurde als ätherische Wesenheit dem irdischen Leibe des Jesus von Nazareth, bis sie diesem so ähnlich geworden war, daß sie Angst fühlen konnte wie ein Mensch. Das ist dasjenige, was auch die anderen Evangelien schildern beim Herausgehen des Christus Jesus mit seinen Jüngern auf den Ölberg, wo die Christus-Wesenheit in dem Leibe des Jesus von Nazareth den Angstschweiß auf der Stirn hatte. Das war die Vermenschlichung, das immer Menschlicher-und-menschlicher-Werden des Christus, die Anähnlichung an den Leib des Jesus von Nazareth. In demselben Maße, in dem diese ätherische Christus-Wesenheit immer ähnlicher wurde dem Leibe des Jesus von Nazareth, in demselben Maße wurde der Christus Mensch. Es schwanden ihm die geistigen Wunderkräfte des Gottes dahin. Und da sehen wir den ganzen Passionsweg des Christus-Wesens, der begann von jenem Zeitpunkte an, wie er bald nach der Johannestaufe im Jordan kam, wo er die Kranken heilte und die Dämonen austrieb durch seine göttlichen Kräfte, wo die staunenden Menschen, die das gesehen hatten, was der Christus vermochte, sagten: Das habe noch nie ein Wesen auf Erden vollbracht. — Das war die Zeit, in der die Christus-Wesenheit noch wenig ähnlich war dem Leibe des Jesus von Nazareth. Von diesem staunenden Aufsehen der ringsherum befindlichen Bewunderer vollzieht sich in drei Jahren der Weg bis dahin, wo die Christus-Wesenheit so ähnlich geworden ist dem Leibe des Jesus von Nazareth, daß sie in diesem siechen Leibe des Jesus von Nazareth, dem sie sich angeähnelt hatte, nicht mehr antworten konnte auf die Fragen des Pilatus, des Herodes und des Kaiphas. So ähnlich war sie geworden dem Leibe des Jesus von Nazareth, dem immer schwächer und schwächer werdenden, immer siecher und siecher werdenden Leibe, daß auf die Frage: Hast du gesagt, daß du den Tempel abbrechen und in drei Tagen wieder aufbauen werdest? — aus dem morschen Leibe des Jesus von Nazareth die Christus-Wesenheit nicht mehr sprach und stumm blieb vor dem Hohenpriester der Juden, daß sie stumm blieb vor Pilatus, der fragte: Hast du gesagt, du wärest der König der Juden? — Das war der Passionsweg von der Taufe im Jordan bis zur Machtlosigkeit. Und bald darauf stand die staunende Menge, die vorher die überirdischen Wunderkräfte der Christus-Wesenheit angestaunt hatte, nicht mehr bewundernd um ihn, sondern stand vor dem Kreuze, spottend über die Ohnmacht des Gottes, der Mensch geworden war, mit den Worten: Bist du ein Gott, so steige herab. Du hast anderen geholfen, jetzt hilf dir selber! — Von der göttlichen Machtfülle bis zur Machtlosigkeit, das war der Passionsweg des Gottes. Ein Weg unendlichen Leidens für den Mensch gewordenen Gott, zu dem hinzukam jenes Leid über die Menschheit, die sich so weit gebracht hatte, wie sie eben war zur Zeit des Mysteriums von Golgatha. Und das war zu der Zeit der hohen intellektuellen Entwickelung der Menschheit, wie es gestern angedeutet wurde.

Dieses Schmerz-Erleiden aber gebar jenen Geist, der beim Pfingstfeste ausgegossen worden ist auf die Apostel. Aus diesen Schmerzen herausgeboren ist die allwaltende kosmische Liebe, die herabgestiegen ist bei der Taufe im Jordan aus den außerirdischen, himmlischen Sphären in die irdische Sphäre hinein, die ähnlich geworden ist dem Menschen, ähnlich einem menschlichen Leibe, und die durchmachte das unendliche Leiden, das sich kein Menschendenken ausdenken kann, die durchmachte den Augenblick der höchsten, göttlichen Ohnmacht, um jenen Impuls zu gebären, den wir dann als den Christus-Impuls in der weiteren Evolution der Menschheit kennen.

Das sind die Dinge, die wir ins Auge fassen müssen, wenn wir den tiefen Sinn verstehen wollen, die ganze Bedeutung des Christus-Impulses, wie sie wird verstanden sein müssen in die Zukunft der Menschheit hinein, was die Menschenzukunft brauchen wird, um auf ihrem Kultur-, auf ihrem Entwickelungspfade weiterzukommen.




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