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Okkulte Untersuchungen uber das Leben zwischen Tod und neuer Geburt

On-line since: 15th February, 2017

DIE MISSION DES ERDENLEBENS ALS DURCHGANGSPUNKT FÜR DAS JENSEITS

Frankfurt, 2. März 1913

Manche Menschen, ja viele Menschen gibt es heute noch, die sagen: Nun ja, es mag ein geistig-seelisches Leben nach dem Tode geben, aber wozu brauchen wir uns jetzt darum zu kümmern? Wir können ja einfach dieses irdische Leben führen mit alledem, was es gibt, mit allem, was es darbietet, und wir können warten, ob sich dann das andere Leben zeigen wird, wenn der Tod kommt!

Die Geisteswissenschaft zeigt uns aber, daß der Mensch in dem Leben zwischen Tod und Geburt gewissen Wesenheiten begegnet. Geradeso, wie er hier vielen Wesen der Naturreiche begegnet, so begegnet er dort den Wesenheiten der höheren Hierarchien und den mehr oder weniger elementaren Wesenheiten. Wenn ein Mensch ohne Urteilsfähigkeit durchs Leben geht, so kommt das daher, daß er zwischen Tod und Geburt den Wesenheiten nicht begegnen konnte, welche ihm die Kräfte hätten geben können, seine Kräfte so zu beleben, daß er moralisch und intellektuell tüchtig sein kann in diesem Leben. Nun aber hängt wieder die Möglichkeit und die Fähigkeit, gewisse Wesenheiten zu treffen zwischen Tod und Geburt, von dem letzten Leben ab. Wenn wir uns im Erdenleben nie beschäftigt haben mit Gedanken, die nach der geistigen Welt hinaufgehen, mit Gedanken, die sich befassen mit dem Übersinnlichen; wenn wir ganz aufgegangen sind im letzten Erdenleben in der äußeren Welt, in der Welt der Sinne, wenn wir nur lebten in dem Verstande, soweit er auf die äußere physische Welt gerichtet ist, dann machen wir es uns unmöglich, zwischen Tod und neuer Geburt an gewisse Wesenheiten heranzukommen und von ihnen Fähigkeiten für das nächste Leben zu bekommen. Es ist gewissermaßen das Gebiet drüben finster und dunkel für uns, und wir können die Kräfte der höheren Hierarchien in der Finsternis nicht finden. Der Mensch schreitet dann einher in dem Leben zwischen Tod und neuer Geburt, ohne die Wesenheiten zu beachten, von denen er Kräfte empfangen müßte für das folgende Erdenleben.

Und woher kommt das Licht, wodurch wir uns die Finsternis zwischen Tod und Geburt erleuchten können? Woher nehmen wir dieses Licht? Zwischen Tod und neuer Geburt gibt uns niemand Licht. Die Wesenheiten sind da, und es handelt sich darum, daß wir mit ihnen zusammenkommen, dadurch daß wir uns im letzten Erdenleben das Licht selbst angezündet haben durch unsere Beschäftigung mit der spirituellen Welt. Wir können nach dem Tode nicht mehr die Finsternis durchleuchten, wenn wir uns das Licht nicht mitgenommen haben, da wir durch die Pforte des Todes geschritten sind.

Wir sehen also daraus, wie unrichtig der Ausspruch ist, daß man sich hier nicht zu kümmern brauche um das spirituelle Leben, sondern abwarten könne, was da kommt. Ja, wenn man abwartet, was da kommt, dann kommt eben die Finsternis.

Das Erdenleben ist also nicht etwa bloß ein Durchgangspunkt, sondern es hat eine Mission, es ist eine Notwendigkeit für das Jenseits wie das Jenseits für das Erdenleben. Die Leuchten für das jenseitige Leben müssen von der Erde aus hineingetragen werden. So also kann es vorkommen, daß der Mensch hier stumpf bleibt gegenüber der übersinnlichen Welt, daß er vorbeitappt an der Möglichkeit, an den Fähigkeiten, sich Instrumente zu schaffen für sein nächstes Leben.

Nun schreitet aber dann der Mensch neuerdings durch die Pforte des Todes nach einem Leben, innerhalb dessen er unzulänglich war in dieser oder jener Beziehung. Sie sehen, es bietet sich fast ein trostloser Überblick. Würde gar nichts anderes eintreten, so müßte ja der Mensch immer unzulänglicher und unzulänglicher werden. Denn wenn der Mensch zuerst in einem Erdenleben durch ein willkürliches Stumpfsein sich gegen die übersinnliche Welt verschlossen hat, so ist er im nächsten Leben noch weniger fähig, sich Organe zu bereiten. Und wenn nichts anderes käme, so müßte er sich so fortentwickeln. Also seine Entwickelung würde immer weiter abwärts gehen.

Nun tritt aber dann etwas anderes ein. Wenn der Mensch durch ein willkürliches Stumpfsein über die Erde geht, dann tritt in dem Leben nach dem zweiten Erdenleben an ihn heran Luzifer mit seiner Macht. Der Mensch würde dann in einem nächsten Leben zwischen Tod und neuer Geburt, wenn Luzifer nicht an ihn herantreten würde, erst recht in Finsternis tappen. Aber weil er durchgegangen ist durch ein Leben wie das eben geschilderte, so kann Luzifer an ihn herantreten, und er beleuchtet ihm jetzt diejenigen Kräfte und Wesenheiten, welche er für das nächste Leben braucht. Die Folge davon ist, daß sie alle von dem Lichte des Luzifer gefärbt sind. Er tritt dann nach dem stumpfsinnigen Dasein und nachdem er von Luzifer geführt wurde durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt in ein neues Erdenleben ein: dann ist er ganz und gar mit Fähigkeiten begabt, die seine Organe so zubereiten, daß sie ihn überall den Versuchungen des Luzifer auf der Erde aussetzen.

Solch ein Mensch kann dann klug und verständig sein, aber sein Verstand wird kalt sein und berechnend, vor allen Dingen durchdrungen sein von Selbstsucht, von Egoismus. Dem Seher zeigt sich bei so vielen Menschen in der Welt, die eigentlich klug und verständig sind, aber kalt und selbstsüchtig in ihrer Betätigung, so daß sie, wenn man mit ihnen zusammenkommt, einen übervorteilen, damit sie selbst möglichst vorwärtskommen und sich in Szene setzen können, — es zeigt sich ihm bei der Betrachtung solcher Menschen, daß sie in ihrem früheren Leben in der geistigen Welt von Luzifer geführt waren und daß sie ein stumpfsinniges Leben in der vorhergehenden Erdeninkarnation geführt haben: ein Tappen in Finsternis in dem weiter zurückliegenden Leben, vorher ein willkürliches Sichverschließen gegen die spirituelle Welt.

Und man muß sagen: Bei einer solchen Erkenntnis eröffnet sich einem eine traurige Perspektive für die materialistische Menschheit. Die Menschen, die in der Gegenwart materialistisch gesinnt sind und ablehnen die Beschäftigung mit der spirituellen Welt, die das Seelenleben als abgeschlossen betrachten durch den Moment des Todes, ihnen steht ein solches Leben bevor, wie ich es jetzt geschildert habe. Wir kommen aber nicht damit aus, daß wir nur in abstrakter Form dieses oder jenes zusammenspintisieren über den Zusammenhang der verschiedenen Leben, sondern der konkrete Überblick zeigt uns die mannigfaltigsten Zusammenhänge zwischen vorhergehenden und kommenden Erdenleben und den aufeinanderfolgenden Leben im Geistigen. Daran müssen wir festhalten, daß das Erdenleben eine große Bedeutung hat für das Leben nach dem Tode.

Und so hat es dann auch noch eine andere Bedeutung. Es hat die Bedeutung, daß wir gewissen Wesenheiten nur eigentlich auf der Erde im vollen Sinne des Wortes so begegnen können, daß wir mit ihnen recht bekannt werden. Und zu diesen Wesenheiten gehört vor allen Dingen der Mensch selbst. Würde das Band von Mensch zu Mensch nicht geknüpft werden können auf der Erde, so würde es auch nicht im Geistgebiet geknüpft werden können. Die Vereinigungen, die zwischen Mensch und Mensch bestehen, sind solche, daß sie sich hier bilden und sich dann in der geistigen Welt fortsetzen. Wir können sie aber nie bilden mit Menschenwesen, die irgendwie prädestiniert sind dazu, auf der Erde verkörpert zu sein, wenn wir auf der Erde die Gelegenheit haben sie kennenzulernen, sie aber nicht benützen; wir können nicht das hier Versäumte in der geistigen Welt ersetzen in der Zeit, die wir durchleben zwischen dem Tod und einer neuen Geburt.

Nehmen wir einmal ein Beispiel: Gautama Buddha. Er war eine solche Menschenwesenheit, die in jenem Leben im sechsten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung als Königssohn lebte und die im 29. Jahre aufgestiegen ist von der Bodhisattva-Würde zur BuddhaWürde. Das heißt: er ist ein Buddha geworden, und ein Buddha braucht sich nicht mehr in einem physischen Menschenleibe zu verkörpern. Der Gautama-Buddha hat also dazumal sein letztes Erdenleben durchgemacht. Eine große Anzahl von Menschen trat damals auf der Erde mit dieser Wesenheit in Berührung. Auch in noch früheren Verkörperungen auf der Erde traten Menschen mit dem Bodhisattva in Berührung. Alle diese Verhältnisse können sich wiederum fortsetzen in die geistige Welt hinein. Diejenigen, die hier auf der Erde mit dem Gautama Buddha in Berührung gekommen sind, können dieses Verhältnis, das sich zwischen ihnen und dem Gautama Buddha, etwa wie das eines Schülers zum Lehrer, angesponnen hat, in die geistige Welt hinein fortsetzen. Aber es gab Seelen im Verlauf der Erdenentwickelung, die nie zu dem Gautama Buddha auf Erden ein Verhältnis gewonnen haben. Diese Seelen können, auch wenn sie eine noch so besondere Reife erlangt haben würden, nun nicht mehr in der geistigen Welt so ohne weiteres mit dem Gautama-Buddha, mit der Seele, die damals im Gautama Buddha verkörpert war, in Berührung kommen. Nur, in bezug auf den Gautama-Buddha tritt eine Art Ersatz ein; es tritt etwas für ihn ein, was wie ein Ersatz wirkt, wenn man zu ihm nicht auf der Erde in eine gewisse Berührung gekommen ist. Denn der Buddha hat ein ganz besonderes Schicksal durchgemacht, nachdem er Gautama Buddha war und nicht mehr zurückzukehren brauchte zur Erde, sondern fortlebt in einer rein geistigen Region. Zunächst ist er ja mit den Erdenverhältnissen in Beziehung geblieben; nur nicht von der Erde aus, auf welche er ja nicht mehr zurückkehrte, sondern von den geistigen Regionen aus wirkte die Wesenheit des Gautama-Buddha herein in das Erdendasein. Wir wissen, daß der Gautama-Buddha seine Wesenheit hineinstrahlen ließ in jenen Jesusknaben, von dem uns das Lukas-Evangelium erzählt. Da strahlte die übersinnliche Wesenheit des Buddha in den Astralleib des Lukas-Jesusknaben hinein, wirkte also von der übersinnlichen Welt in das Erdendasein herein. Aber mit den gewöhnlichen Vorstellungsweisen konnten die Erdenmenschen nicht mehr in Verbindung mit ihm kommen, sondern in Verbindung mit der Seele des Gautama-Buddha konnten nur diejenigen kommen, die von der Erde aus durch eine höhere Entwickelung den Zugang zu ihm fanden, zum Beispiel Franz von Assisi. Bevor dieser eingetreten ist in das Erdenleben, und vor dem Ablauf des letzten Lebens zwischen Geburt und Tod, lebte die Wesenheit des Franz von Assisi in einer im südöstlichen Europa befindlichen Mysterien-Kolonie, in welcher nicht physische Lehrer waren, sondern Lehrer aus der übersinnlichen Hierarchie, welcher der Buddha zugehörte oder besser gesagt die Seele, die einstmals in dem Buddha verkörpert war. Es ist in einer solchen Mysterienstätte so, daß Schüler da sind, die schon die hohen Fähigkeiten für das Schauen der übersinnlichen Welt entwickelt haben. Solche Schüler sind imstande, Lehrer zu haben, die nur aus der geistigen Welt hereinwirken. Und so lehrte denn in jener Mysterienstätte der Buddha; und ein treuergebener Schüler des Buddha war Franz von Assisi in seiner früheren Inkarnation. Und auf nahm dazumal Franz von Assisi alles dasjenige, was ihn befähigte, in dem Leben, in das er dann eintrat, sich selbst zu beleuchten die höheren Hierarchien, die ihn dann in das Dasein treten ließen als den großen Mystiker, der eine so starke Wirkung in seiner Zeit haben konnte. Das alles ist möglich, da ja allerdings diese Seele des Franz von Assisi in eine Beziehung getreten ist durch ihre damaligen höheren Fähigkeiten mit dem Gautama Buddha, auch noch nachdem er von der übersinnlichen Welt aus auf ihn wirken konnte.

Aber für das gewöhnliche Menschenleben, das angewiesen ist auf das Leben, das durch die Sinne und den Verstand entfaltet wird, ist ja eine solche Begegnung nicht möglich. Und dann gilt das, was eben gesagt worden ist: daß wir einem Menschenwesen nicht mehr begegnen können, wenn wir ihm nicht begegnet sind in der physischen Welt.

Die Ausnahme, die wir eben bei Buddha kennengelernt haben, bedingt nun eben weitere Ausnahmen. Und wenn es unmöglich ist, daß der gewöhnliche Mensch in den geistigen Regionen Menschen begegnet, mit denen er hier kein Verhältnis angeknüpft hat, so ist es doch möglich, daß der Erdenmensch, der hier den ChristusImpuls empfangen hat, sich damit durchdrungen hat, zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, wenn auch nicht anderen Menschen, mit denen er hier keine Verbindung angeknüpft hat, so doch dem Buddha drüben begegnet. Denn für ihn ist ja wieder etwas ganz Besonderes vorgesehen.

Beim Beginn des siebzehnten Jahrhunderts, da stand ein anderer Planet als die Erde an dem Punkte einer ähnlichen Entwickelungskrisis, wie die Erde in einer solchen stand, als das Mysterium von Golgatha hereinbrach. Und wie dazumal in diesem Erdendasein aus höheren Regionen der Christus erschienen ist, so erschien in jener Mars-Krisis gegen das siebzehnte Jahrhundert auf diesem Mars der Buddha. Das heißt, nachdem der Buddha durch seine Erdeninkarnationen gegangen war bis zu seiner letzten, war es für ihn nicht mehr notwendig, in ein Erdenleben zurückzukehren; aber er setzte seine Tätigkeit fort in anderen Regionen. Der Buddha wanderte sozusagen von den Erdenverhältnissen hinaus nach dem Mars. Und während der Mars bis dahin der Ursprungsort vorzugsweise war der Kräfte, die der Grieche als den für die Welt fruchtbaren Streit bezeichnet, so war diese Mission des Mars gegen das siebzehnte Jahrhundert abgelaufen, und ein neuer Einschlag war dort notwendig: der Buddha vollbrachte dort die Buddha-Kreuzigung. Nicht verlief für den Mars das Buddha-Mysterium, wie das ChristusMysterium auf Erden verlief, aber der Friedensfürst Buddha, der in seinem letzten Erdenleben überall Frieden und Liebe ausstrahlte, der wurde hineinversetzt in den von Streit erfüllten Mars. Und das Hineinversetztwerden der Wesenheit, die ganz erfüllt ist von Friedenskräften, von Liebekräften, in den Plan des Streites und der Disharmonie, das ist in gewissem Sinne auch eine Kreuzigung gewesen.

Für den Seherblick fügen sich zwei Momente wunderbar zusammen. Wenn man den Blick hinrichtet auf den achtzigjährigen sterbenden Buddha hier auf der Erde, dann ist gerade dieser BuddhaTod etwas seltsam Ergreifendes und Erschütterndes. 483, in einer herrlichen Vollmondnacht, umflossen von dem silbernen Mondenlicht, da starb der Buddha, ausstrahlend Frieden und Milde. Das war der letzte Erdenmoment. Dann wirkte er noch in der Ihnen eben geschilderten Weise auf die Erde hin. Im Beginn des siebzehnten Jahrhunderts sieht der Seher wieder aufleuchten das milde, silberne moralische Licht des Buddha auf dem Mars. Es sind zwei wunderbare Momente, die sich im Weltgeschehen zusammenschließen.

Und die Menschen, die hier auf der Erde den Christus-Impuls in der entsprechenden Weise aufnehmen, die gehen ja dann, wenn sie drüben leben, durch die kosmische Welt durch. Wir gehen alle durch diese Welten des Kosmos hindurch. Wir gehen zunächst durch die Planeten unseres Planetensystems. Wir durchleben eine Mondenzeit, eine Merkurzeit, eine Venuszeit, eine Sonnenzeit, eine Marszeit, eine Jupiterzeit, eine Saturnzeit. Hernach gehen wir hinaus in die Umgebung unseres Planetensystems, um dann wieder zurückzukehren. Und eben dann begegnen wir diesen Kräften und Wesenheiten, von denen wir empfangen müssen dasjenige, was wir zum Aufbau des nächsten Erdenlebens brauchen. Und derjenige, der hier auf Erden den ChristusImpuls aufgenommen hat, kann dann bei seinem Durchgehen durch die Mars-Sphäre das aufnehmen, was ausfließt von dem Buddha. Das ist solch ein Fall, ein Ausnahmefall, wo auch die Seelen, die nicht in ihren früheren Erdeninkarnationen mit dem Buddha zusammengekommen sind, noch jetzt, zwischen Tod und neuer Geburt, diesen Buddha treffen können.

Für den seherischen Blick hat sich ergeben, daß manche Menschen, die im siebzehnten Jahrhundert lebten, ihre merkwürdige Begabung dadurch zeigen, daß sie in der Zeit, die ihrer Geburt voranging, in den geistigen Welten ihre Kraft bekamen von dem Buddha. Gering sind im Grunde genommen noch die Fähigkeiten, diese Kräfte aufzunehmen für die Menschen, weil der Buddha eben noch nicht lange auf dem Mars dieses Mysterium vollbracht hat. In der Zukunft werden die Menschenseelen immer mehr und mehr in der Mars-Sphäre Kräfte aufnehmen von dem Buddha. Aber schon im neunzehnten Jahrhundert haben sich für denjenigen, der so etwas sehen kann, Menschen gezeigt, die ihre Fähigkeiten dadurch hier im Erdenleben entwickeln können, daß sie bei ihrem Durchgang durch die Mars-Sphäre vom Buddha Einflüsse erhalten haben. So kompliziert und so wunderbar verlaufen diese Leben zwischen dem Tod und der neuen Geburt.

Der Mensch muß das Licht, das ihm die Erlebnisse zwischen dem Tod und einer neuen Geburt beleuchten kann, von hier mitnehmen, sonst tappt er im Finstern. Und so ist es auch in diesem besonderen Falle. Der Mensch, der hier von der Erde weggeht durch die Pforte des Todes und hier keinen Christus-Impuls aufgenommen hat, der davon nichts wissen wollte, der kann dann in dem darauffolgenden Leben in der geistigen Welt durch die Mars-Sphäre durchgehen, ohne etwas zu ahnen von den Einflüssen des Buddha. Der Buddha ist für ihn wie nicht da. Denn das müssen wir festhalten: Wir gehen zwar an den Wesenheiten der höheren Hierarchien vorbei; daß wir sie aber bemerken und daß wir das Notwendige mit ihnen zu tun bekommen können, das hängt davon ab, wie wir uns im letzten Erdenleben selbst das Licht angezündet haben, damit wir nicht an ihnen vorbeigehen, sondern von ihnen etwas empfangen können. — So hat der ganz unrecht, der da sagt: Es ist unnötig, sich im Erdenleben mit dem Jenseits zu befassen.

Sie haben nun schon gesehen, daß eigentlich das Erdenleben für eine höhere Betrachtung eine Art spezieller Fall ist. Wir leben hier in der Erdensphäre zwischen Geburt und Tod im physischen Leibe verkörpert. Wir gehen zwischen den Erdenleben durch die geistige Welt. Man kann außer der Erdenverkörperung sprechen von einer «Verkörperung» zwischen Tod und neuer Geburt, oder vielmehr von einer Verseelung. Das, was ich ausgeführt habe für die andere Welt, gilt auch für die Erde. Denken Sie einmal, daß also für die Bewohner des Mars, die besonders zum Mars gehören, ein Mensch, der da lebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, durch das Marsdasein gehen kann, ohne in Berührung zu kommen mit den Marswesenheiten. Er sieht sie nicht, sie sehen ihn nicht. So ist es auch für die Erde. Durch die Erdensphäre gehen fortwährend Wesen, die eigentlich zu anderen Planeten gehören, so wie der Mensch zur Erde gehört. Marsbewohner verleben ihr reguläres Leben auf dem Mars, und zwischen ihrem Erlebnis, das dem Tode entspricht — es ist zwar etwas anders — und ihrem neuen Leben auf dem Mars, vollziehen sie den Durchzug durch die anderen Planeten. So daß tatsächlich Bewohner der anderen Planeten fortwährend durch unsere Erdensphäre durchgehen. Die Erdenmenschen können mit ihnen in kein Verhältnis treten, weil sie eben unter ganz anderen Daseinsbedingungen leben und weil sie unter Umständen eben gar keine Beziehungen angeknüpft haben auf dem Mars mit diesen Wesen.

Was wäre denn notwendig, um diesen Durchzüglern durch die Erdensphäre, die eigentlich anderen Planeten zugehören, zu begegnen? Es wäre nötig, daß man Berührungspunkte mit ihnen entwickelt hätte auf ihren eigenen Planeten. Das kann man nur, wenn man hier auf der Erde schon bewußt durch die Entwickelung übersinnlicher Kräfte mit anderen als Erdenwesen in Beziehung kommen kann.

So stellt sich in der Tat die Möglichkeit ein, daß bei denen, die eine höhere Geistesschulung durchgemacht haben, auch eine Begegnung stattfinden kann mit den Durchzüglern von anderen Planeten. Und so sonderbar es ist, es ist wirklich wahr, was ich Ihnen sage: Für denjenigen, der heute die merkwürdigen Theorien vernimmt, die die Physik und die Astronomie für die Marsbewohner aufstellt für den, der sie kennenlernt als Durchzügler durch unsere Erde und von ihnen erfährt, wie das Marsdasein ist, denn so erfährt man es —, für den sind diese Hypothesen sehr komisch; denn es ist ganz anders. Alle diese Dinge führe ich aus, weil ich möchte, daß Sie Ihren Blick erweitern von dem Erdenleben aus in die anderen Welten, über die sichtbaren Wesenheiten hinaus, von denen wir umgeben sind, zu den Wesenheiten, die nicht wahrgenommen werden, solange der Blick für sie nicht geöffnet ist.

Aber nicht nur, daß wir mit Menschen nicht zusammenkommen können auf den anderen Planeten zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, mit denen wir hier auf der Erde nicht Beziehungen angeknüpft haben, wir können auch nicht mit solchen Verhältnissen in Berührung kommen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, die zu der Erdenmission gehören, die sich hier entwickeln müssen und zu denen wir auf der Erde in keine Beziehungen getreten sind oder mit denen wir nicht auf dem Umweg durch die Erdenverhältnisse in Beziehung treten.

Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zum Beispiel, was ist sie in kosmischer Beziehung? Nun, derjenige, der sich allerlei Theorien macht, könnte leicht glauben: Geisteswissenschaft ist etwas, was durch alle Welten hindurch gelehrt und gelernt werden kann. So ist es aber nicht eingerichtet im Weltenall. Ein jedes Gebiet der Welt hat seine besondere Aufgabe — und nicht wiederholt sich dies in der gleichen Weise im Weltenall. Geisteswissenschaft ist nur auf der Erde möglich, nicht auf einem anderen Planeten oder einem anderen Gebiet. Deshalb ist ja von den schöpferischen Mächten die Erde gemacht worden, damit hier entstehe, was nur auf der Erde entstehen kann. Geisteswissenschaft kann nur auf der Erde entstehen, man kann sie nirgends anders lernen; sie ist eine Offenbarung über die übersinnliche Welt, aber so, wie sie auftritt, kann sie nur hier auftreten.

Nun kann man sagen: Ja, das mag ja alles so sein, aber der Mensch könnte ja über die übersinnliche Welt sich in einer anderen Form unterrichten in der übersinnlichen Welt als in der Form der Geisteswissenschaft! — Ja, denken kann man es, aber wahr ist es nicht. Denn der Mensch ist so veranlagt, daß er einmal, wenn er überhaupt in der für ihn richtigen Weise ein Verhältnis zur höheren Welt gewinnen will, er dies nur durch Geisteswissenschaft gewinnen kann. Wenn der Mensch es versäumt auf der Erde, sich der Geisteswissenschaft oder Anthroposophie zu nähern, dann hilft ihm kein anderes Leben, um sie kennenzulernen. Aber auch hilft ihm kein anderes Leben, um die übersinnliche Welt in richtiger menschlicher Weise kennenzulernen. — Das braucht uns nicht in Verzweiflung zu bringen mit Bezug auf die vielen Menschen, die noch nichts wissen wollen von Geisteswissenschaft: sie werden ja wiederkehren und dann später damit in Berührung kommen. Anthroposophie ist auf der Erde eingerichtet, damit sie den Menschen dasjenige, was nach Menschenart über die übersinnliche Welt gewußt werden muß, vermitteln kann. Nur eine Art von Vermittlung ist möglich, und die ist nur möglich durch Vermittlung der Menschen. Wenn der Mensch durch die Pforte des Todes eingetreten ist in die geistige Welt, ohne daß er hier etwas erfahren hat von Geisteswissenschaft, so kann er davon erfahren dadurch, daß er in Beziehung gestanden hat zu Erdenmenschen, die mit ihr in Berührung sind. Es ist das ein Umweg, aber ein möglicher Weg ist es. Nehmen wir das Beispiel von zwei Menschen, die hier auf Erden tief befreundet waren: der eine steht in Beziehung zur Anthroposophie, der andere nicht; der letztere stirbt, es kann der erstere ihm viel helfen dadurch, daß er ihm vorliest, ihn bekannt macht mit dem, was ihn nach dem Tode umgibt. Der Mensch kann also ein wichtiges Werk der Geistes-Wissenschaft sozusagen lesen mit einem Toten: der Tote hört ihm zu. wie es der Seher konstatieren kann.

Manchmal ist es so, die Tatsachen sprechen so, und wenn auch manches «Warum?» aufgeworfen werden kann, diese «Warum?» haben keine Bedeutung gegenüber der Tatsache, die ich Ihnen anführen kann als eine vollbeobachtete Tatsache: Es kann sein, daß ein einfacher Mensch, der nur in Berührung mit der Geisteswissenschaft kam und der den Toten recht geliebt hat, einem Toten besser vorlesen kann als ein Seher, der zwar den Toten aufsuchen kann, der aber in diesem Leben keine Gemütsbeziehungen hatte zu dem Toten. Zuweilen kann es aber auch sein, daß Seher sich zur Aufgabe machen, Toten vorzulesen, die sie nicht gekannt haben; es zeigt sich jedoch viel häufiger, daß man die Möglichkeit nicht findet, einem Toten, mit dem man früher nicht in Berührung gekommen ist, vorzulesen. Aus dieser Tatsache können Sie die große Bedeutung empfinden, welche geistige Gemeinschaften wie die anthroposophische haben: da wird in einer gewissen Weise das ersetzt, was wir jetzt charakterisieren konnten wie eine Art von Mitleben, In-Berührung-Kommen. Wenn es solche Gemeinschaften nicht gäbe, so würde in der Tat ein jeder Tote darauf angewiesen sein, nur vorgelesen zu bekommen durch ganz nahestehende Leute. Nur solche geistigen Gemeinschaften, wo gemeinsam spirituelle Ideale gepflegt werden, erweitern diese Sache. Und so kann es vorkommen, und es kommt vor, daß das eintritt, daß man da einen Anthroposophen trifft, der in einer gewissen Weise imstande ist, durch das, was er schon gelernt hat, stark konzentriert spirituelle Gedanken vorzulesen oder sie ablaufen zu lassen in seiner eigenen Seele. Dann kann man ihm sagen: Sieh einmal, da ist ein Mensch gestorben, ich zeige dir seine Schriftzüge, er war auch Anthroposoph, er gehört derselben Gemeinschaft an. Dann genügt vielleicht, daß der Betreffende nur Schriftzüge zu sehen bekommt — nicht Photographien —, einen Lieblingsspruch des Toten erfährt, und es kann sein, daß der betreffende schon etwas entwickeltere Anthroposoph auch einem solchen in fruchtbarster Weise vorlesen kann, mit dem er im Leben in keine Berührung gekommen ist. Das wird auch eine schöne Aufgabe einer geistigen Gemeinschaft sein, daß in einer so starken Weise der Abgrund überbrückt werden kann zwischen Lebenden und Toten.

Heute drängen sich die Anthroposophen noch zu mancherlei Aufgaben, die nur auf dem physischen Plane liegen, weil doch noch viel materialistische Denkungsweise in ihnen ist, wenn sie auch theoretisch aufgenommen haben die Wissenschaft der Anthroposophie. Die eigentlichen geistigen Aufgaben werden erst kommen, wenn Geisteswissenschaft noch tiefer in die Seelen eingezogen sein wird: dann werden sich Seelen finden, die das Amt übernehmen, den Toten zu helfen und sie vorwärtszubringen. Innerhalb unserer Gemeinschaft ist in gewisser Weise der Anfang schon seit langer Zeit gemacht worden, so daß dasjenige, was auf diesem Gebiet hat geschehen können, nun zu einer hohen Befriedigung gereichen muß.

Allerdings, wenn ein Anthroposoph durch die Pforte des Todes gegangen ist, also selbst mitgenommen hat spirituelle Gedanken, so kann er, wenn er in der geistigen Welt lebt, unter Umständen dann auch selbst den Toten Dienste leisten, kann ihr Lehrer sein. Aber diese Dinge sind im allgemeinen schwerer als man denkt. Leichter als drüben kann man dieses alles auf Erden tun, weil die Gemeinschaften, die nach dem Tode da sein können, durchaus abhängig sind von den Gemeinschaften, die vor dem Tode da waren.

Wenn zum Beispiel zwei Menschen auf der Erde miteinander gelebt haben, wovon der eine Anthroposoph war, der andere Geisteswissenschaft nicht mochte, nun nach dem Tode aber Sehnsucht hat nach ihr, so kann es vorkommen, daß sich der hier lebende Anthroposoph bis zu seinem eigenen Tode bemüht, dem Weggegangenen vorzulesen. Nach einer gewissen Zeit tritt der Zurückgebliebene, der dem anderen vorgelesen hat, selbst durch die Pforte des Todes; er ist dann mit ihm in der geistigen Welt. Ja, dann tritt ein Nachklang desjenigen Verhältnisses wieder ein, das hier auf der Erde bestand, und das bietet eine Schwierigkeit — während keine Schwierigkeit vorhanden war, als der eine noch auf Erden war und der andere gestorben war. Es treten Dissonanzen hervor, wenn sie unter den gleichen Daseinsbedingungen, die in ihren irdischen Be-Ziehungen bestanden hatten, wieder zusammen sind. Und wie hier die eine Seele nichts wissen wollte von der anderen über Geisteswissenschaft, so ist es auch drüben. Das zeigt uns aber wieder, wie die Verhältnisse drüben abhängig sind von den Verhältnissen hier auf Erden. Die Dinge sind eben sehr kompliziert und können nicht bloß gedanklich konstruiert werden.

Aber das, was in der Mission der Geisteswissenschaft liegt, das tritt durch solche Tatsachen lebendig vor unsere Seelen. Das zeigt uns, wie der Abgrund überbrückt wird zwischen den Lebenden und den Toten. Wir sehen, es können ebenso die Toten unter Umständen in die Erde hereinwirken, wie die Lebenden wirken können in die geistige Welt hinein. Wir können untersuchen, wie die Toten hereinwirken in die physische Welt.

Im Grunde wissen die Menschen hier auf der Erde sehr wenig von dem, was sie umgibt. Wie betrachten die Menschen das Leben eigentlich? Sie betrachten es so, daß sie die Ereignisse, die sich abspielen, wie an einen Faden anknüpfen, daß sie das eine als Ursache, das andere als Wirkung betrachten, aber weiter nicht viel dabei denken. So sonderbar es klingen mag, aber es ist so. Das was geschieht, das ist der allergeringste Inhalt des wirklichen Lebens, nur der äußerliche Inhalt des wirklichen Lebens. Es gibt noch etwas anderes im Leben als das, was so geschieht; etwas, was nicht minder eine Bedeutung hat für das Leben.

Nehmen wir ein Beispiel. Ein Mensch ist gewohnt, jeden Tag pünktlich um acht Uhr aus seinem Hause zu gehen. Er hat täglich einen bestimmten Weg zu gehen über einen Platz. Eines Tages bringen es die Verhältnisse mit sich, daß er drei Minuten später weggeht als sonst; aber er geht denselben Weg. Da nimmt er etwas Sonderbares wahr an dem Platz, über den er täglich gehen muß unter Kolonnaden her: die Decke der Kolonnaden ist herabgestürzt! Wäre er zu der gewohnten Zeit gegangen, so hätte ihn die Decke bestimmt erschlagen.

Solche Dinge gibt es viele im Leben. Wie oft können wir uns sagen, daß etwas ganz anderes möglich gewesen wäre, wenn diese und jene Bedingungen vorhanden gewesen wären, als das, was eingetreten ist. Wir werden eben im Leben vor vielem behütet; vieles geschieht nicht, was geschehen könnte. Wir betrachten nämlich im Leben nur die äußeren Wirklichkeiten, nicht aber die inneren Möglichkeiten; aber diese Möglichkeiten liegen fortwährend hinter dem Leben. Wenn ein gewesener Tag für uns diese oder jene Ereignisse gebracht hat, so ist das eben im Grunde genommen nur das Äußerlich-Wirkliche, und dahinter liegt eine ganze Welt des Möglichen. Denken Sie sich zum Beispiel das Meer, meine lieben Freunde. In dem Meer leben viele, viele Heringe; damit sie haben entstehen können, sind aber nicht nur so viel Keime dagewesen, als dann Heringe entstanden sind. Viele, unendlich viele Keime gehen zugrunde; sie erreichen nicht ihr Ziel; es lebt nur die mögliche Anzahl von Heringen. So ist es aber mit dem ganzen Leben. Das, was wir vom Morgen bis zum Abend erleben, ist nur ein Ausschnitt aus einer großen Zahl von Möglichkeiten. Wir gehen in jedem Augenblick an möglichen, aber nicht geschehenden Dingen vorbei. Wenn etwas Mögliches an uns vorübergegangen ist, dann ist das für uns ein besonderer Augenblick. Denken Sie an das Beispiel des Mannes, der nur wie gewöhnlich hätte aus dem Hause zu gehen brauchen: er wäre von der Decke der Kolonnaden erschlagen worden. So sind aber fortwährend solche Möglichkeiten für uns vorhanden. In einem solchen Moment, wo ein Mensch drei Minuten später vor dem Gebäude ist, das ihn sonst erschlagen hätte, wenn er früher gekommen wäre, da ist der günstige Moment, daß die geistige Welt in ihm aufblitzen kann. Da kann ihm eines dieser Erlebnisse aufgehen, das ihn mit Toten zusammenbringen kann. Heute achtet der Mensch noch nicht auf diese Dinge, weil er eigentlich nur an der Oberfläche der Dinge lebt.

Geisteswissenschaft wird nach und nach Lebenselixier werden, und der Mensch wird nicht nur sehen, was äußere Wirklichkeit ist, sondern er wird achten auf dasjenige, was sich ankündigt in seinem Seelenleben. Und darunter wird oftmals die Stimme der Toten sein, die noch etwas wollen von den Lebenden.

Wie wir am Vorlesen ein Beispiel dafür haben, daß die Lebenden auf die Toten wirken können, so können auch die Toten wiederum auf die Lebenden einwirken. Es wird die Zeit kommen, da werden die Menschen im Geiste mit den Toten reden. Da werden sie zu den Toten reden und werden den Toten gewissermaßen zuhören. Da es so ist, daß der Tod nur die äußere Form des Menschen ändert, seine Seele aber weiter sich entwickelt, so ist es noch ein recht unvollkommener Zustand der Menschheit, den die Menschen jetzt darleben, indem sie keine Gemeinschaft haben mit den Menschen, die nur in anderer Form leben, nur ein andersartiges Leben haben. Wenn Geisteswissenschaft nicht mehr eine Theorie sein wird, sondern die Seelen durchziehen wird, so wird auch eine lebendige Gemeinschaft mit den Toten immer da sein können. Dieses, was jetzt nur in einer gewissen Weise für den Seher da sein kann, das wird nach und nach gemeinsames Menschengut werden.

Sie können sagen: Für den Seher mag das so sein, er kann die Menschen aufsuchen zwischen dem Tod und einer neuen Geburt. Aber es ist dies heute sehr schwierig, weil der Unglaube an die geistige Welt, das Nicht-in-Beziehung-Stehen zur geistigen Welt Hindernisse schafft auch für diejenigen, die sich verbinden können mit der geistigen Welt. — Es gibt eben gewisse Dinge, die nur dann ungehindert sich abspielen können, wenn sie Gemeingut der Menschen sein können. Es kann ein Mensch ein noch so bedeutender Baumeister sein, wenn niemand etwas von ihm bauen läßt, kann er eben nicht bauen. So kann es auch für den Seher sein. Er kann die Fähigkeiten haben, in eine geistige Welt hinaufzusteigen zu den Toten: aber wenn das erschwert wird dadurch, daß die Gemeinschaft mit den Toten für die meisten Menschen unmöglich ist, kann es auch für den Seher nur in Ausnahmefällen gelingen.

Meine lieben Freunde, ich wollte Ihnen zeigen, wie Geisteswissenschaft Leben wirken kann. Und vielleicht besser noch als dasjenige, was wir theoretisch lernen, ist dieses Gefühl, diese Empfindung zu pflegen von der Aufgabe der Geisteswissenschaft in der Menschenzukunft. Dadurch bekommt ein jeder, der zu dieser anthroposophischen Bewegung gehört, einen Eindruck von dem, was er eigentlich tut. Er bekommt einen Eindruck davon, was für ein Unermeßliches geleistet werden soll gerade durch die Geisteswissenschaff oder Anthroposophie. Und man lernt dadurch mit vollem Ernst und in voller Würde an ihr hängen, man lernt, sie nicht als etwas Leichtes, was uns nur erbauen soll, zu nehmen, sondern sie zu nehmen als etwas, was der Menschheit gegen die Zukunft hin notwendiger und notwendiger wird. Davon wollte ich durch die heutigen Betrachtungen eine Empfindung in Ihnen hervorrufen.




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