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Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken

On-line since: 31st December, 2016

ACHTER VORTRAG

Dornach, 12. September 1924

Meine lieben Freunde! Wenn wir die Hauptzentren, in denen der Apokalyptiker die Darstellung seiner Anschauungen kulminieren läßt, vor unsere Seelen stellen, wie wir das bisher mit einigem getan haben, so wird sich uns dann die ganze Komposition und der fortlaufende Inhalt der Apokalypse in aller Kürze ergeben. Deshalb ist es notwendig, daß wir in dem Betrachten dieser Hauptpunkte, dieser Hauptzentren heute noch fortfahren und morgen wirklich den fortlaufenden Inhalt auseinanderzusetzen beginnen.

Ich habe gestern darauf aufmerksam gemacht, wie dem Apokalyptiker in einer gewissen Weise vor Augen steht, wie über die Christenheit - die er dabei als die wirkliche Christenheit empfindet - etwas hereinbricht, das sie hinlenken will zum Abfall vom Christus-Prinzip und sie zurücklenken will zu dem Vater-Prinzip, das ja, wenn es siegt, in diesem Zeitraum nur materialistischnaturalistische Formen annehmen kann.

Der Apokalyptiker sieht die Dinge und Vorgänge nach dem Geheimnis der Zahl - man könnte besser sagen: er schaut und empfindet nach dem Geheimnis der Zahl. Und wie der Musiker die Tonzusammenklänge nach dem Geheimnis der Zahl empfindet, sich dessen aber höchstens an gewissen Stellen bewußt wird, so empfindet der Apokalyptiker mehr oder weniger bewußt schauend solche Geheimnisse, wie sie mit einer Zahl wie 666 verbunden sind.

Nun handelt es sich darum, daß wir in den Kosmos selber hineinschauen, um diese Geheimnisse von 666 noch weiter aus dem Kosmos herauszuholen. Bedenken wir doch, daß die ganze christliche Offenbarung eigentlich eine Sonnenoffenbarung ist, daß Christus das Wesen ist, das aus der Sonne kommt, und daß der Christus gewissermaßen vor sich hersendet Michael mit seinen Scharen - so wie in anderer Weise in der alten Zeit Jehova Michael vor sich hersandte. Stellen wir uns vor die Seele, daß wir selbst im Michaelzeitalter leben, dann wird sich uns doch dasjenige, was zusammenhängt mit dem Christus-Impuls als Sonnenmysterium, in einer ganz tiefen Weise vor die Seele stellen können.

Und immer werden wir uns tief vor die Seelen stellen müssen, daß bei der Bekämpfung des Christentums es darauf ankommt, gerade das zu bekämpfen, daß das eigentliche Geistige des Christentums mit der Sonne zusammenhängt. Es könnte ja sozusagen den Gegnern des Christentums nichts wichtiger sein als dieses, daß die Menschen vollständig verlören die Anschauung von der Sonne als Geistwesen und nur behielten die Anschauung von der Sonne im physischen Dasein, wie ich das ja an anderer Stelle in diesen Vorträgen charakterisiert habe. Tatsächlich lag im Hereinbrechen des Arabismus die große Gefahr vor, das Geheimnis der Sonne als das Geheimnis des Christus selber zu vergessen und der ganzen Evolution der Menschheit eine andere Richtung zu geben, als es die Michael-Richtung ist, die ja nur für die Menschheit überall sozusagen die Christus-Evolution vorzubereiten hat für das menschliche Verständnis.

Für den Apokalyptiker, der hinter die Kulissen der äußeren geschichtlichen Entwickelung schaut, spielt sich dasjenige, was äußerlich in der Weltordnung geschieht, auf dem Grunde übersinnlicher Vorgänge ab. Und so wollen wir einmal sehen, wie diese übersinnlichen Vorgänge ausschauen, die der Apokalyptiker hinter den äußeren Ereignissen schaut.

Wenn wir die Sterne unseres Planetensystems einschließlich der Sonne ins Auge fassen, so haben wir in jedem dieser Planeten gewissermaßen eine Versammlung von Wesenheiten. Auf der Erde haben wir eben die Versammlung der Menschen in ihrer Evolution. Und wenn wir uns eine uns tief in die Seele gehende Vorstellung von den Menschen auf der Erde machen wollen, so können wir ja einmal einen späteren Zeitpunkt der Entwickelung ins Auge fassen, in dem die Menschheit eine viel höhere Stufe erreicht haben wird als die heutige. Wir können uns zum Beispiel einmal die Vulkanentwickelung, die auf die Erdenentwickelung folgen wird, vor die Seele stellen.

Meine lieben Freunde, Ihr könnt Euch vorstellen, was jemand von der Erde für eine geistige Vorstellung bekommen müßte, wenn er sie vor sich hätte als einen Weltenkörper, der die Versammlung von Vulkanmenschen enthält. Und dennoch wäre es die Erde mit ihren Menschen, nur in einem anderen Stadium. Es ist ja von großer Bedeutung für die Menschenseele, daß sie sich die Erde in dieser Weise als ein Ganzes vorstellt, daß sie nicht nur den heutigen Zustand der Menschheit auf der Erde nimmt, sondern auch das, was im Keime schon in diesem heutigen Zustand enthalten ist, daß sie hinschaut auf das, was der Mensch in sich trägt und was er daher auch ist: der Mensch im Vulkanzustand. Wenn wir die anderen Planeten anschauen, haben wir überall eine solche Versammlung von Wesenheiten. Wir müssen sagen, die Erde ist bestimmt, die eigentliche Entwickelungsstätte des Menschen zu sein, deshalb liegt sie in der Mitte. Wir haben die anderen Planeten, zum Beispiel einen solchen wie den heutigen Jupiter, der uns durchaus zeigt, wie seine Wesen ganz anderer Art sind. Wir kommen ja mit diesen Wesenheiten zusammen, wenn wir unser Karma ausarbeiten zwischen dem Tode und einer neuen Geburt. Wenn wir uns diese Gesamtheit der Wesen vorstellen, die walten im Zusammenhang mit den einzelnen Planeten einschließlich der Sonne, dann bekommen wir dasjenige, was als die Geistigkeit jedes einzelnen dieser Planeten bis ins 14. Jahrhundert, selbst von den katholischen Kirchenlehrern, als die Intelligenz der Planeten angeschaut wurde. Wir können durchaus von der Intelligenz der Planeten als von einer Realität sprechen, so wie wir von der Erdenmenschheit sprechen können als der Intelligenz der Erde. Und jeder solche Planet hat nicht nur seine Intelligenz, sondern auch seinen Dämon; und das wußten, wie gesagt, die Kirchenlehrer bis ins 14., 15. Jahrhundert. Die Gesamtheit der Gegner der Intelligenzen auf einem Planeten sind Dämonen. Und so ist es auch auf der Sonne.

Wenn wir nun in dem Christentum vorzugsweise eine Evolution im Sinne des Sonnengenius sehen, der Sonnenintelligenz, so müssen wir in dem, was der Evolution des Christentums widerstrebt, den Sonnendämon sehen. Und das sah der Apokalyptiker. Er sah hinter die Kulissen desjenigen, was geschah, indem das Christentum aus Rom nach dem Osten flüchtete, und er sah das Christentum andere Formen des Erkennens annehmen. Er sah hereinbrechen in dieses nach zwei Seiten hin vom Schein bedrohte Christentum das mächtige Gegenprinzip des Arabismus. Und indem er hinter die Kulissen der äußeren arabischen und mohammedanischen Taten sah, war es ihm klar: da arbeitet gegen den Sonnengenius, gegen die Sonnenintelligenz, der Sonnendämon. Den Sonnendämon mußte er daher hinstellen als dasjenige, was gegen das christliche Prinzip im Menschen so wirkt und lebt, daß der Mensch, wenn er sich diesem Sonnendämon ergibt, nicht erreichen will den Anschluß an die Göttlichkeit Christi, sondern im Untermenschlichen bleiben will. «Dem Sonnendämon ergebene Menschen» ihrer Seelenart nach, so würde der Apokalyptiker, wenn er darum gefragt worden wäre, die Vertreter des Arabismus in Europa genannt haben. Und ihm war es klar, daß aus diesem Arabismus alles aufsteigt, was den Menschen an die Tierheit heranbringt, in den Anschauungen, aber nach und nach ja auch in den Willensimpulsen. Wer könnte verkennen, daß das auch in den Willensimpulsen lebt. Die Dinge, die in der Welt als Realitäten geschehen, sind so, daß man nicht immer Ursache und Wirkung nebeneinander sieht; man sieht nicht die Absicht und das, was die Absicht im Auge hat.

Deshalb darf man sich fragen: Was würde denn geschehen, wenn der Arabismus, die Lehre des Sonnendämons, vollständig siegen würde? - Dann würde die Menschheit herausgeworfen aus dem Erleben solcher Zustände, wie sie von den Menschen erlebt werden müssen, wenn das Wirken des Karma aus früheren Inkarnationen oder die Transsubstantiation erfaßt werden soll. Letzten Endes war das, was aus dem Arabismus herausfloß, gegen das Verständnis der Transsubstantiation gerichtet. Gewiß, die äußerlichen Tatsachen schauen nicht so aus, aber der Sonnendämon, er hat die Absicht, indem er nur das alte Vater-Prinzip, die natürlichen Zusammenhänge, gelten läßt, hinwegzufegen von der menschlichen Anschauung jene Art des Zusammenhanges, die in allerhöchstem Maße tätig ist bei einem Sakrament wie der Transsubstantiation.

Und so war für den Apokalyptiker der Sonnendämon ganz besonders am Werke um dieses Jahr 666. Er beschreibt ihn ja so, daß jeder Initiierte ihn wiedererkennt. Denn jede dieser geistigen Wesenheiten, die man die Intelligenzen der Planeten, die Intelligenzen der Sonne, die Dämonen der Planeten und die Dämonen der Sonne nennt, sie haben innerhalb der Mysterien, in denen sie wesenhaft bei wichtigen Angelegenheiten anwesend sind, ihre Schlüsselzeichen, und der Sonnendämon hat dieses Zeichen:

Tafel 6

Diagram 1

Der Apokalyptiker beschreibt den Sonnendämon als das zweihörnige Tier. In der lateinischen Zeit, in der man in der Mysteriensprache verknüpfte das Griechisch-Lateinische, hatte man ja jene Art von Lesen, die in den Zahlen las, schon etwas veräußerlicht, aber man las noch in den Zahlen. Der Apokalyptiker bediente sich der besonderen Lesart, die zu seiner Zeit üblich war. Er schreibt die Zahl 666. Er schreibt sie mit hebräischen Buchstaben.

Diagram 2

Diese Buchstaben schreibt er in ihrem Zahlenwert, und er hat sie von rechts nach links zu lesen. Die Konsonanten, zu denen man die entsprechenden Vokale zu sprechen hat, ergeben den Namen des Dämons, der dieses Zeichen des Sonnendämons hat: Sorat. Sorat hieß in dieser Zeit der Sonnendämon, und der Apokalyptiker beschreibt dieses Zeichen und wir erkennen es genau. Der Apokalyptiker sieht alles dasjenige, was in dieser Art dem Christentum entgegenwirkt - wie der Arabismus - als einen Ausfluß jenes Spirituellen, das repräsentiert wird durch Sorat, den Sonnendämon.

Aber, meine lieben Freunde, die Zahl 666 ist einmal da in jener Zeit, in welcher der Arabismus hineinschießt in das Christentum, um der abendländischen Kultur das Siegel des Materialismus aufzudrücken, sie ist ein zweites Mal da, nachdem wieder 666 Jahre verlaufen sind: 1332, im 14. Jahrhundert (Tafel 6). Und da haben Tafel 6 wir ein neues Erheben des Tieres aus den Fluten des Weltgeschehens heraus. Es erscheint demjenigen, der so schaut wie der Apokalyptiker, das Weltgeschehen wie ein fortwährendes Fluten einer Epoche von 666. Das Tier erhebt sich, bedrohend das Christentum mit seinem Suchen nach dem wahren Menschentum, geltend machend gegen das Menschentum das Tiertum; es regt sich Sorat. Im 14. Jahrhundert sehen wir wieder sich erheben den Sorat, den Widersacher.

Es ist die Zeit, in welcher aus tiefen Seelenuntergründen heraus, viel mehr als aus dem Orientalismus heraus, der Tempelherren-Orden in Europa stiften wollte eine Sonnenansicht des Christentums, eine Ansicht vom Christentum, die wiederum hinaufschaute zu dem Christus als einem Sonnenwesen, als einem kosmischen Wesen, die wiederum etwas wußte von den Geistigkeiten der Planeten und der Sterne, die wußte, wie im Weltengeschehen zusammenwirken die Intelligenzen weit auseinanderliegender Welten, nicht bloß die Wesenheiten eines Planeten, und die auch etwas wußte von den mächtigen Oppositionen, die stattfinden durch solche widerspenstigen Wesenheiten wie den Sonnendämon Sorat, der einer der mächtigsten Dämonen innerhalb unseres Systems ist. Im Grunde ist es Sonnendämonie, welche im Materialismus der Menschen wirkt.

Es ist heute natürlich von einem gewissen Gesichtspunkt aus schwierig, davon zu sprechen, was aus der europäischen Zivilisation geworden wäre, wenn der so mächtige, auch äußerlich mächtige Tempelherren-Orden - man hat ihm seine Schätze ja genommen - seine Absichten hätte ausführen können. Aber in den Herzen und Seelen derjenigen, die nicht früher ruhen konnten, als bis dieser Orden 1312 untergegangen war und Jakob von Molay 1314 den Tod gefunden hatte, in den Herzen derjenigen, die die Widersacher des kosmischen, des in den Kosmos hinausschauenden Christus waren, lebte Sorat wieder auf, und nicht zum geringsten Teile so, daß er sich der damaligen Gesinnung der römischen Kirche bediente, um gerade die Templer zu töten. Damals war ja das Hervortreten dieses Sorat schon anschaulicher, denn es umschwebt ein grandioses Geheimnis den Untergang dieses Tempelherren-Ordens. Wenn man in das hineinschaut, was in diesen Menschen, die dazumal als Templer hingerichtet worden sind, vorging während ihrer Folterungen, dann bekommt man schon eine Vorstellung davon, wie das von Sorat angestiftet war, was in den Visionen der gefolterten Templer lebte, so daß sie sich selbst verleumdeten und man eine billige Anklage gegen sie hatte, die aus ihrem eigenen Munde kam. Das furchtbare Schauspiel stand vor den Menschen, daß diejenigen, die etwas ganz anderes vertraten, während ihrer Folterung nicht davon sprechen konnten, sondern daß die verschiedenen Geister aus den Heerscharen des Sorat aus ihnen sprachen und über den Orden selbst die schändlichsten Dinge aus dessen eigenen Angehörigen sprachen.

Zweimal ist 666 erfüllt worden. Es ist jetzt die Zeit, in der in der geistigen Welt von Sorat und den anderen Gegendämonen alle Anstalten gemacht werden, um das Sonnenprinzip nicht auf die Erde hereinzulassen, um das aber, vorbereitend seine neue Herrschaft, Michael kämpft mit seinen Scharen, Michael, der der Erdenregent war vor dem Mysterium von Golgatha, etwa zur Alexanderzeit, und der dann abgelöst wurde von anderen Erzengeln, von Oriphiel, Anael, Zachariel, Raphael, Gabriel, und der seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wiederum die Erdenherrschaft hat, um in seiner Art weiterzuarbeiten für den Christus, für den er gearbeitet hat, bis seine vorige Herrschaft zu Ende war, ungefähr bis zum Ende der Alexanderherrschaft. Jetzt ist Michael wieder da auf der Erde, jetzt aber, um auf der Erde dienstbar zu werden in der Vorbereitung des Christus und des tieferen Verständnisses für den Christus-Impuls.

Nun habe ich im Laufe der Zeit hier und an verschiedenen anderen Orten ausgeführt, wie durch Michael in geistiger Beziehung das Christentum eingeleitet worden ist. Ein Stück davon habe ich neulich im Vortrag erwähnt, wo ich hingewiesen habe darauf, wie unter der Regentschaft Michaels zur Zeit von Aristoteles und Alexander schon ein wirklicher christlicher Impuls eingeleitet worden ist, und wo ich hingewiesen habe auf das Jahr 869, in dem eine Art von übersinnlichem Konzil sich abgespielt hat. Das hat sich ja weiter fortgesetzt. Und im Beginne des neuen Zeitalters, wo die Bewußtseinsseele eingreift - das habe ich ja ausgeführt -, haben wir, wenn wir hinaufschauen in das dem physischen Geschehen parallelgehende, zur Erdenmenschheit gehörende Geistgeschehen, den großartigen Anblick einer übersinnlichen Schule mit Michael als Lehrer. Diejenigen, die für eine wirkliche christliche Fortentwickelung tätig sein sollen, sind in großen Scharen - seien sie nun in dieser Zeit nichtverkörperte Seelen, seien sie andere geistige Wesenheiten - um Michael wie in einer großen übersinnlichen Schule versammelt seit dem 14. bis 16. Jahrhundert, wo vorbereitet werden diejenigen Seelen, die dann zu der Zeit der Michael-Herrschaft zu Anfang des 20. Jahrhunderts auf Erden erscheinen sollen. Hinschauend auf das, was da vorbereitet worden ist, ist es ja die anthroposophische Weltanschauung, die im Sinne dieser Evolution arbeiten will.

Aus dem, was da in den Anschauungen der alten Mysterienweisheit und in dem prophetischen Schauen künftiger Mysterienweisheit lebte, folgt, daß die Menschen, die das sozusagen innere Christentum annehmen, das vergeistigte Christentum, die hinschauen in bezug auf den Christus zum Sonnengenius, daß diese Menschen mit einer Beschleunigung ihrer Evolution am Ende dieses 20. Jahrhunderts wiedererscheinen werden. Und alles das, meine lieben Freunde, was wir jetzt in diesem Zeitalter tun können, indem wir die Spiritualität der Lehre ergreifen, ist von großer Bedeutung, denn wir tun es für die Menschen in diesem Zeitalter sub specie aeternitatis. Es ist eine Vorbereitung für dasjenige, was, zunächst in großen, umfassenden, intensiven Geistestaten, geschehen soll am Ende des Jahrhunderts, nachdem viel vorangegangen ist, was einer Spiritualisierung der modernen Zivilisation widersetzlich ist. Im Zeichen des zweiten Auftretens der 666 standen jene großen Umwälzungen in Europa, die durch die Kreuzzüge eingeleitet wurden, und im Untergang der Tempelritter fand diese Tatsache ihren äußeren Ausdruck. Immer weiter arbeitet Sorat dem entgegen, was vom Sonnengenius aus sich bemüht, für ein wahres Christentum zu wirken.

Wir haben jetzt bevorstehend das Zeitalter der dritten 666: 1998. Zum Ende dieses Jahrhunderts kommen wir zu dem Zeitpunkt, wo Sorat wiederum aus den Fluten der Evolution am stärksten sein Haupt erheben wird, wo er sein wird der Widersacher jenes Anblickes des Christus, den die dazu vorbereiteten Menschen schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben werden durch die Sichtbarwerdung des ätherischen Christus. Es wird nur noch zwei Drittel des Jahrhunderts dauern, bis Sorat in mächtiger Weise sein Haupt erheben wird.

Meine lieben Freunde, beim Ablauf der ersten 666 war Sorat noch hineingeheimnißt in den Evolutions gang der Ereignisse; man sah ihn nicht in äußerlicher Gestalt, er lebte in den Taten des Arabismus drinnen und der Initiat konnte ihn sehen. Als die zweiten 666 Jahre abgelaufen waren, zeigte er sich schon in dem Denken und Fühlen der gefolterten Templer. Und noch vor Ablauf dieses Jahrhunderts wird er sich zeigen, indem er in zahlreichen Menschen auftreten wird als diejenige Wesenheit, von der sie besessen sind. Man wird Menschen heraufkommen sehen, von denen man nicht wird glauben können, daß sie wirkliche Menschen seien. Sie werden sich in einer eigentümlichen Weise auch äußerlich entwickeln. Sie werden äußerlich intensive starke Naturen sein mit wütigen Zügen, Zerstörungswut in ihren Emotionen. Sie werden ein Antlitz tragen, in dem man äußerlich eine Art Tierantlitz sehen wird. Die Soratmenschen werden auch äußerlich kenntlich sein, sie werden in der furchtbarsten Weise nicht nur alles verspotten, sondern alles bekämpfen und in den Pfuhl stoßen wollen, was geistiger Art ist. Man wird es erleben zum Beispiel in dem, was gewissermaßen konzentriert ist auf engem Raume in seinen Keimen im heutigen Bolschewismus, wie das eingefügt werden wird in die ganze Erdenentwickelung der Menschheit.

Darum ist es so wichtig, daß alles, was nach Spiritualität streben kann, das auch wirklich tut. Denn das, was der Spiritualität widerstrebt, das wird da sein, denn das arbeitet sozusagen nicht unter der Freiheit, sondern unter der Determination. Diese Determination geht dahin, daß am Ende dieses Jahrhunderts Sorat wieder los sein wird, und daß das Streben, alles Geistige hinwegzufegen, in den Absichten einer großen Anzahl von Erdenseelen sitzen wird, wie es prophetisch der Apokalyptiker vorausschaut in dem tierhaften Antlitz und in der tierhaften Stärke in bezug auf die Ausführung der Widersachertaten gegen das Spirituelle. Sind ja doch heute schon wahrhafte Wutentfaltungen vorhanden gegen das Spirituelle. Aber das sind nur die ersten Keime.

So sehen wir, wie der Apokalyptiker das alles voraussah. Er sah die wahre Entfaltung des Christentums als eine Sonnenangelegenheit, aber er sah auch voraus diese Entsetzlichkeit der Entwickelung der Sonnendämonie. Das alles schwebte ihm vor. Auf das Hineintreten des Michael in die geistige Evolution der Menschheit mit dem Ende des 19. Jahrhunderts und des ätherischen Christus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird folgen das Hereintreten des Sonnendämons vor Ablauf dieses Jahrhunderts. Wir haben in diesem unserem Michael-Zeitalter, in dem wir leben, gerade wenn wir auf dem Gebiete des Theologischen, der Religion, arbeiten wollen, allen Grund, vor allem an der Apokalypse zu lernen, selbst apokalyptisch zu denken und zu empfinden, nicht kleben zu bleiben an dem, was bloß äußere Tatsachen sind, sondern uns zu erheben zu den dahinterstehenden spirituellen Impulsen.

Gebahnt wird ja der Weg für das Hereintreten der Dämonen, die Anhänger des großen Soratdämons sind. Man braucht nur mit denjenigen verständigen Menschen zu sprechen, die zum Beispiel etwas wissen über den Ausgangspunkt des Weltkrieges. Man wird nie Unrecht bekommen, wenn man sagt, daß die etwa 40 Menschen, die schuldig sind am Ausbruch dieses Weltkrieges, fast alle im Augenblick des Kriegsausbruches herabgedämpftes Bewußtsein hatten. Das ist aber immer das Eingangstor für ahrimanische Dämonenmächte, und einer der größten dieser Dämonen ist Sorat. Das sind die Versuche von Sorats Seite, zunächst wenigstens temporär in menschliche Bewußtseine einzudringen und Unheil, Verwirrung zu bewirken. Nicht der Weltkrieg, aber das, was folgte und das furchtbarer ist und immer noch furchtbarer werden wird, zum Beispiel die gegenwärtige Verfassung Rußlands, das ist dasjenige, was durch die in die Menschenseelen eindringenden Soratgeister angestrebt wird.

Daß das so ist, das müssen wir wissen. Denn was hat in den Zeiten, in denen wahrhafte Spiritualität auf der Erde war, Priesterwirken bedeutet? Nie etwas anderes, meine lieben Freunde, als ein Wirken nicht bloß innerhalb der Erdenereignisse, sondern ein Wirken mit vollem Bewußtsein des Darinnenstehens in der geistigen Welt, des Verkehrs mit der Götterwelt. Und in keinem anderen Geiste hat der Apokalyptiker seine Apokalypse verfaßt. Der, der die Menschen ins Geistige führen will, muß in das Geistige hineinschauen. Jedes Zeitalter muß das auf seine Art tun. Wir brauchen nur die innere Gesetzmäßigkeit anzuschauen, mit der - ja wohl etwas veräußerlicht - die Reihenfolge der ägyptischen Pharaonen so logisch erscheint, und wir werden begreifen, daß diese Pharaonen in der Tat nicht zufällig aufeinander gefolgt sind, sondern daß in uralten Schriften ihnen vorgeschrieben war, was jeder, der einem anderen folgte, als seine Aufgabe zu betrachten hatte, und daß der Impuls zum Formulieren seiner Aufgabe eben ausging von dem, was dann später die hermetische Offenbarung, die Offenbarung des Hermes genannt wurde. Nicht die hermetische Offenbarung ist gemeint, wie man sie heute mit einiger Verballhornung kennt, sondern diese alte Hermesweisheit, die eben auch zu den großen Mysterien gehört, in denen man von der Offenbarung als einer dreimal heiligen sprach: einer Offenbarung vom Vater, einer Offenbarung vom Sohn, einer Offenbarung vom Heiligen Geiste. Das alles weist darauf hin, daß es sich bei dem Priestertum überall handelte um ein Herauswirken aus dem Spirituellen in die materielle Welt, und daß das Priestertum auch überall so verstanden worden ist.

Das muß aber wieder Priesterimpuls werden, nachdem es eine Zeitlang gar nicht als Wahrheit empfunden werden konnte: aus der spirituellen Welt heraus zu wirken. Bei der Bildung der Menschheit, die im Zeitalter der Bewußtseinsseele allmählich auf allen Gebieten materialistische Formen angenommen hat, ist man eben weit davon entfernt, so etwas wie das Mysterium der Transsubstantiation und damit die spirituellen Geheimnisse des Christentums erfassen zu können. Für den einzelnen, der priesterlich zu wirken hat, bedeutet es gegenüber dieser heutigen Zeitbildung schon eine Art von Unwahrheit, über die tiefen Mysterieninhalte zu sprechen, die mit der Transsubstantiation verbunden sind. Daher diese rationalistischen Diskussionen über die Transsubstantiation, wie sie eintraten mit dem zweiten Soratangriff und wie sie sich fortpflanzen bis zum dritten Soratangriff. Es hat gar keine Bedeutung, die Apokalypse so zu nehmen, daß man sie lediglich kommentiert. Es hat einzig und allein einen Sinn, wenn man an der Apokalypse selbst zum Apokalyptiker wird und aus diesem Apokalyptiker-Werden seine Zeit so verstehen lernt, daß man die Impulse dieser Zeit zu Impulsen des eigenen Wirkens machen kann.

Da aber steht der Mensch der Gegenwart auch mit dem priesterlichen Wirken gerade drinnen, daß er hinschauen muß auf den Aufgang der Michaelszeit in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, auf die Erscheinung Christi in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und auf den bedrohlichen Aufstieg des Sorat und der Soratanhänger am Ende des 20. Jahrhunderts. Richten wir als verstehende Menschen, die die Zeichen der Zeit zu deuten wissen, unser Leben ein im Sinne dieser drei Mysterien unserer Zeit: des Michael-Mysteriums, des Christus-Mysteriums und des SoratMysteriums, dann werden wir auf dem Gebiete, das uns unser Karma angewiesen hat, in der richtigen Weise wirken und der Priester auf seinem priesterlichen Gebiete. Daran wollen wir dann morgen anknüpfen.




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