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Rudolf Steiner Archive Section Name Rudolf Steiner Archive



Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken

On-line since: 31st December, 2016

DREIZEHNTER VORTRAG

Dornach, 17. September 1924

Meine lieben Freunde! Von einem bestimmten Gesichtspunkt aus habe ich ja bereits gezeigt, wie die Apokalypse auf dem Prinzip der Zahl, einem der okkulten Prinzipien, aufgebaut ist. Nun haben Sie vielleicht gerade in der heutigen Auseinandersetzung über die fundamentalen rhythmischen Zahlen des Weltalls und des Menschen wiederum gesehen, wie tief begründet die Zahl, insofern sie Rhythmisches zur Offenbarung bringen kann, begründet ist im Weltall.

Nun ist es mit den okkulten Offenbarungen, welche so gehalten sind wie die Apokalypse des Johannes, so, daß der Aufbau nach der Zahl eigentlich ganz selbstverständlich ist. Sehen Sie, diese Schauung, von der der Apokalyptiker spricht, die ergibt sich nach dem modernen Initiationsprinzip dann, wenn in die Imaginationen, die man vor sich hat, hereinspricht die Inspiration. Man hat dann die Schauung so, daß sich ausbreitet die Bildhaftigkeit der Imagination, und daß durch die Imagination hindurch die Inspiration spricht. Dann aber, wenn das eintritt, geschieht es nach dem Prinzip der Zahl - wobei für alle Okkultisten immer die Sieben die vollkommenste Zahl ist; es ist geradezu ein Satz des Okkultismus: Sieben ist die vollkommenste Zahl -, und man hat die Möglichkeit, nach dem Prinzip der Zahl die Dinge zu verfolgen. Sie müssen sich dabei nicht vorstellen, daß diese Zahl Sieben von so großer Bedeutung ist für den Inhalt, den man empfängt. Sie ist aber von einer unermeßlich großen Bedeutung dafür, die Inspirationen zu hören. Wenn man selber in der Siebenzahl lebt, kann man in der verschiedensten Weise die Inspirationen verstehen. Ich will Ihnen ein Beispiel sagen. Nehmen wir an, jemand empfindet für seine eigene Zeit wichtige geistige Hintergründe. Das ist natürlich in bezug auf das ganze Weltbild mehr oder weniger willkürlich, wenn man gerade für seine eigene Zeit die geistigen Hintergründe empfindet; menschlich ist das ja natürlich, aber es ist doch mehr oder weniger willkürlich. Nehmen wir also an, ich bin der Beobachter im Jahre 1924, so ist das Beobachtungsjahr nur 1924; ein anderer ist der Beobachter im Jahre 1903, da ist das Beobachtungsjahr nur 1903.* Wenn ich aber als Beobachtender unabhängig davon bin, wann meine Beobachtung stattfindet und ich sehe richtig ein, was ich da in die Beobachtung nehme, und ich habe die Fähigkeit, um sieben Eindrücke zurückzugehen, ganz gleichgültig, von wo aus, so ist nach den Gesetzen der geistigen Welt immer das, was den siebten Eindruck macht, wieder aufklärend für den ersten, das vierzehnte wiederum aufklärend für die beiden. Es ist also mehr ein methodisches Prinzip, sich hineinzufinden in das, was einem etwas sagen kann. Nicht, wahr, so, wie man, wenn man eine Sprache versteht, den anderen Menschen verstehen kann, der in dieser Sprache redet, so ist es hier eigentlich die Hauptsache, daß man in der Siebenzahl leben kann. Und so muß man die Dinge auch auffassen. Denn dieses Offenbaren der Siebenzahl ist ja außerordentlich kompliziert. Es ist sozusagen alles mögliche im Weltenall nach der Siebenzahl geordnet, in geringerem Maße nach der Zwölfzahl und wiederum nach anderen Zahlen, und man kann von jedem Punkte aus im Vielfachen von Sieben die Ereignisse aufklärend verfolgen.

Als ich im Jahr 1908 in Nürnberg versuchte, die Apokalypse des Johannes zu interpretieren, war das ja für die ganze anthroposophische Bewegung eine andere Zeit. Da kam es vor allen Dingen darauf an, gewissermaßen die Anthroposophie selber an der Hand der Apokalypse zu interpretieren. Man kann aus der Apokalypse heraus vieles interpretieren, weil auch die weltgeschichtlichen Ereignisse, die zu erwähnen zunächst damals wichtig war, an der Apokalypse schon abgeschaut werden können. Aber für Sie ist es, wie ich schon wiederholt angedeutet habe, heute notwendig, sich in Ihrem Ich mit der Apokalypse zu identifizieren und ganz konkret auf das Wirkliche zu schauen, daß die Apokalypse eine ganze Fülle, eine Vielfalt von in der Siebenzahl vorrükkenden Ereignissen zeigt. Indem ich vom Gesichtspunkte des Erlebens der Bewußtseinsseele hingedeutet habe auf jene Ereignisse, die da zusammenhängen mit dem «Weib, mit der Sonne bekleidet, ... den Drachen unter ihren Füßen» werden Sie selbst sehen, in welchem Zeitpunkt der apokalyptischen Rechnung wir jetzt leben. Wir leben jetzt in bezug auf die Bewußtseinsseele im Zeitalter der Posaunenklänge - nicht in bezug auf die Entwickelung des Astralleibes und nicht in bezug auf die Entwickelung der Menschheit im allgemeinen, das ist mehr in meinen Vorträgen von 1908 enthalten -, aber in bezug auf die eigentliche Entwickelung der Bewußtseinsseele, die nicht den anderen Entwicklungsprozessen parallel geht, sondern sich wie hineinschiebt in diese, leben wir jetzt im Zeitalter der Posaunenklänge.

* Siehe Hinweis

Nun ist es so, daß wir am Anfang der Entwickelung der Bewußtseinsseele - wir stehen ja erst am Anfang der Bewußtseinsseelenentwickelung -, daß wir zunächst nur dann, wenn die Bewußtseinsseele sich erhebt zu übersinnlichen Schauungen, die Posaunenklänge wahrnehmen, weil von den Menschen der Gegenwart eben das, was unten im Irdischen vorgeht, nicht in übersinnlichem Sinn gedeutet wird. Das ist ja das Bedeutsame, daß die Dinge nicht im übersinnlichen Sinn heute gedeutet werden, sondern eben durchaus in einem gleichgültigen Sinn hingenommen werden. Ich habe ja des öfteren bei anthroposophischen Betrachtungen auf einen gewissen Zeitpunkt im 19. Jahrhundert hingewiesen, auf den Anfang der vierziger Jahre. Ich sagte, dieser Anfang der vierziger Jahre stellt, geistig gesehen, einen wichtigen, einen bedeutungsvollen Einschnitt in der Entwickelung der zivilisierten Welt dar. Er ist sozusagen die Kulmination des Materialismus.

Alles in bezug auf den Materialismus war eigentlich 1843/44 schon entschieden. Das weitere war im Grunde genommen Auswirkung und wird noch weiter Auswirkung sein. Aber für das, was über die zivilisierte Menschheit Europas und ihres amerikanischen Anhangs gekommen ist, ist schon der Zeitpunkt im Beginn der vierziger Jahre von einer unendlich großen Bedeutung, weil damals das Hereinbrechen der ahrimanischen Mächte in die Menschheitsangelegenheiten ein ungeheuer intensives war. Sie können sagen: Ja, nach den Jahren 1843/44 sind ja noch schlimmere Ereignisse gekommen. - Aber sehen Sie, das ist nur scheinbar. Sie müssen nur denken, daß Ahriman gescheiter ist als die Menschen. Im Jahre 1843/44 handelte im wesentlichen Ahriman. Der stellte die Dinge so, wie er es nach seiner Intelligenz macht. Das ist der Tiefpunkt oder meinetwillen der Kulminationspunkt des materialistischen Weges. Dann haben die Menschen weitergewirtschaftet, und das, was die Menschen weitergewirtschaftet haben, ist zwar äußerlich scheinbar manchmal viel häßlicher, aber für die Gesamtheit der menschlichen Evolution nimmt es sich nicht so gräßlich aus; und wenn man es vom Gesichtspunkt des Spirituellen betrachtet, ist es Auswirkung dessen, was projektiert war im Beginn der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts durch Ahriman.

Mit diesem Beginn der vierziger Jahre beginnt der sechste Posaunen-Engel zu blasen, und er wird blasen, bis am Ende des 20. Jahrhunderts diejenigen Ereignisse eintreten, von denen ich gestern gesprochen habe, wo der siebente Posaunenengel zu blasen beginnt. Wir stehen also durchaus schon drinnen im Gebiet der Wehen. Es ist das zweite Wehe, (Jas wir im Gebiet der Bewußtseinsseele als zivilisierte Menschheit haben und dem schon etwa anderthalb Jahrhunderte dasjenige voranging, was die fünfte Posaune war. Und wenn wir die Posaunen mit Bezug auf die Siebenzahl im Bewußtseinsseelenzeitalter zurückverfolgen, so kommen wir auf einen etwas früheren Zeitpunkt. Hier unten auf Erden beginnt das Bewußtseinsseelenzeitalter 1413. Aber die Dinge verschieben sich, frühere Zeiten wirken herein; wir kommen zurück mit den Posaunenklängen etwa bis in das Zeitalter der Kreuzzüge. Ja, an wirklichen okkulten Stätten hat man diese Zeit von dem Zeitalter der Kreuzzüge bis in unsere Zeit herein auch immer als das Zeitalter der Posaunenklänge aufgefaßt. Und Sie werden die Etappen desjenigen, was in der Apokalypse geschildert ist, auch darin finden können. Sie werden finden können, wie unter dem Hereinbrechen des Materialismus, sagen wir zum Beispiel, als der Kopernikanismus heranrückte, ein Drittel der Menschen eigentlich geistig getötet wurde, das heißt, aufhörte, volle Geistigkeit zu entwickeln. Und wirklich furchtbar erschütternd ist ja die in der Apokalypse geschilderte Heuschreckenplage.

Da kommen wir aber auf eine Sache, die man, ich möchte sagen, nicht gern sagt, die aber natürlich zu den Dingen gehört, die gerade in das Priesterwirken hereinschlagen. Diese Heuschrekkenplage ist ja, vom reinen Bewußtseins Standpunkt aus gesehen, im allereminentesten Sinne schon eingetreten, nicht wahr, wenn wir theoretisch sprechen. Wenn wir zu Menschen sprechen, wo ja immer Gesundungen eintreten können bei kranken Verhältnissen, dann dürfen solche Dinge nicht erörtert werden; aber wenn es sich um priesterliches Wirken handelt, dann muß man doch wissen, mit wem man es bei den Menschen in der Regel zu tun hat.

Es ist ja so, daß in der Regel ungeheure Fröhlichkeit besteht bei denen, die sich heute liberale oder demokratische Menschen nennen, wenn sie wieder und wieder anführen können, daß sich die Menschheit in einem bestimmten Gebiet der Erde so ungeheuer vermehrt. Bevölkerungszunahme ist ja das, was so stark ersehnt wird besonders von demokratisch-liberalen Menschen, ich meine im politischen Sinn, auch von allen, wie sie meinen, geistig frei Denkenden.

Nun, sehen Sie, erstens ist das nicht ganz richtig, weil die Statistiken auf Irrtümern beruhen; man nimmt bei den statistischen Vergleichsrechnungen nicht die ganze Erde, man nimmt immer nur ein Stück der Erde und denkt nicht daran, daß die anderen Teile der Erde zu anderen Zeiten eben dichter bevölkert waren als heute. Es ist also im einzelnen nicht immer ganz richtig, aber im ganzen ist es schon richtig, daß in unserer Zeit eine Art überzähliger Menschen erscheinen, die ichlos sind, die keine Menschen in Wirklichkeit sind. Das ist eine furchtbare Wahrheit. Sie gehen herum, sie sind keine Inkarnationen eines Ich, sie werden hereingestellt in die physische Vererbung, bekommen Ätherleib und Astralleib, sie werden in gewissem Sinne innerlich ausstaffiert mit einem ahrimanischen Bewußtsein; sie machen den Eindruck von Menschen, wenn man nicht genau hinsieht, aber sie sind nicht im vollen Sinne des Wortes Menschen.

Das ist eine schreckliche Wahrheit, das ist vorhanden, das ist eine Wahrheit. Und direkt auf Menschen selber weist der Apokalyptiker hin, wenn er in der fünften Posaunenepoche von der Heuschreckenplage spricht. Und wiederum kann man den Apokalyptiker in seinem Schauen erkennen. Denn in ihrem astralischen Leib erscheinen solche Menschen durchaus so, wie sie der Apokalyptiker beschreibt: als ätherische Heuschrecken mit Menschengesichtern. Es ist durchaus so, daß man über solche übersinnlichen Dinge so zu denken hat, daß der Priester solche Dinge wissen muß. Denn er ist der Seelsorger. Er muß also auch die Worte finden können für alles das, was in einer solchen Seele vorgeht. Es brauchen durchaus nicht immer böse Seelen zu sein, es können eben Seelen sein, die bis zum Seelischen kommen, aber des Ichs entbehren. Man wird schon darauf kommen, wenn man auf diese Menschen stößt. Der Priester muß dies wissen, denn das beeinflußt ja die Gemeinschaft unter den Menschen. Und vor allen Dingen leiden diejenigen Menschen, die echt beseelt sind, von solchen Personen, die eigentlich als Menschen-Heuschrecken durch die Welt gehen. Und es kann und muß sogar die Frage entstehen: Wie hat man sich solchen Menschen gegenüber zu verhalten?

Solchen Menschen gegenüber hat man oftmals eine recht schwierige Aufgabe, weil sie durchaus tief fühlend sind; sie können außerordentlich tief fühlend sein, man merkt aber, es steckt nicht eine eigentliche Individualität in ihnen. Nur hat man ihnen das natürlich sorgfältig zu verbergen, daß keine Individualität in ihnen steckt, denn sonst wäre ja die notwendige Folge der Wahnsinn. Aber trotzdem man ihnen das zu verbergen hat, handelt es sich darum, daß man für solche Seelen - Seelen sind es ja doch, wenn auch nicht Geister -, alles so einrichtet, daß diese Menschen den Anschluß finden an andere Menschen, in deren Gefolge sie sich entwickeln können, daß sie also gewissermaßen Mitgehende dieser anderen werden. Diese Menschen zeigen eigentlich ziemlich genau die Natur und Wesenheit des Menschen bis zum zwanzigsten Lebensjahr. Denn beim zwanzigsten Lebensjahr wird ja erst die Gemüts- oder Verstandesseele geboren und damit die Möglichkeit des irdischen Auslebens des Ich gegeben.

Derjenige, der behaupten wollte, solchen ichlosen, individualitätslosen Menschen gegenüber solle man sich nicht teilnahmsvoll verhalten, da sie eine künftige Inkarnation nicht hätten, weil ja keine Individualität da sei, der irrt gar sehr. Er müßte dann auch behaupten, man solle sich den Kindern gegenüber nicht teilnahmsvoll verhalten. Es ist in jedem einzelnen Fall zu entscheiden, was eigentlich in einem solchen Menschen steckt. Manchmal stecken postume Seelen in solchen Menschen, postum gegenüber den Menschenseelen, die in einem bestimmten Zeitalter der Entwickelung entstanden sind und sich als Menschen immer wiederholt verkörperten. Aber es können auch zurückgebliebene Seelen sein, solche, die später von einem anderen Planeten wieder zurückgekommen sind, wohin in einem bestimmten Zeitalter fast die ganze Menschheit gegangen war. Auch solche Seelen können in solchen Menschenleibern stecken. Wir müssen also mit vollem Bewußtsein diese Menschen wie bleibende Kinder erziehen.

Sehen Sie, das alles ist eigentlich schon in die Apokalypse hineingeheimnißt. Und wenn man so diese Vorstellungen nimmt, die ja als Imaginationen sich ergeben - in der Apokalypse sind sie ja manchmal furchtbar ins Herz schneidend; schrecklich, wenn da geredet wird von allem möglichen Leid, das über die Erdenmenschheit kommt -, da müssen wir sagen: In unserem Zeitalter ist viel von dem wirklich vorhanden, in geistigen Aspekten allerdings.

Nun gibt es aber natürlich auch, ich möchte sagen mild-großartige Vorstellungen in der Apokalypse, wie zum Beispiel die Engel, die mit dem Räucherwerk herabkommen, mit dem Rauchfaß (Apk. 8, 3). Auf den Opferrauch wird hier hingewiesen. Und dort fällt dann unser Blick auf vieles, was zur Zeit der Kreuzzüge stattgefunden hat. Mit den ersten Posaunen werden wir zurückversetzt zu den Kreuzzügen; bis in die Kreuzzugsepoche hinein kommen wir ja, wenn wir die Bewußtseinsseelenentwickelung der Menschheit überblicken. Und da sehen wir, daß da einzelne Persönlichkeiten auftreten im Zeitalter der Kreuzzüge und der damit zusammenhängenden Zeit, die tatsächlich ungeheuer starke Impressionen hatten von ihrem Miterleben der geistigen Welt. Wir treffen da tatsächlich auf, ich möchte sagen, die Genies der Frömmigkeit. Das ist außerordentlich wichtig, daß wir uns darüber klar sind. Wir treffen da auf die Genies der Frömmigkeit.

Kommen wir weiter zurück, so finden wir zurückschauend vor unserem Bewußtseinsfeld die Zeit von dem Mysterium von Golgatha bis zum Zeitalter der Kreuzzüge und alle dem, was damit zusammenhängt und können dieses Zeitalter als eine kleinere Epoche der Sieben-Siegel-Eröffnung ansehen. Man versteht das vollständig eben erst dann, wenn man sich über folgendes klar ist. Denken Sie nur, wieviele Persönlichkeiten gerade im Zeitalter der Kreuzzüge auftreten, die fast alle ihre Religiosität nach innen leiten in die Tiefe, in die Intensität des Gefühls, in das innere mystische Erleben. Das beginnt ja damals, während vorher im Grunde genommen noch hinaufgeschaut wurde in das ganze Weltall, wenn man die Welt des Göttlichen wahrnehmen wollte jedenfalls von den maßgebenden Menschen, wenn auch unter dem fortwährenden Kampf mit der von Rom ausgehenden Strömung. Es war das Verständnis vorhanden für den Gott, der in der sinnlichen Erscheinung, zu der man aufblickte, lebt und webt und wirkt. Dann aber wird alles mehr oder weniger nach innen geleitet. Die großen Genies der Mystik erscheinen. Vorher haben wir ein Anschauen des Weltalls als einer Offenbarung des Göttlichen; nachher haben wir ein Erfühlen dessen, was das Menschenherz erfühlen kann als inneres Licht-Entzünden, so daß vom Inneren des Menschen aus das Göttliche beleuchtet werden kann.

Und diese Etappen, die die Apokalypse beschreibt, sind ja durchaus auch in der Ausbreitung des Christentums vorhanden. Wir haben da das erste still-sieghafte Vordringen des Christentums, wobei die Ausbreitung des Christentums eigentlich in der Kraft des siegenden Geistes, des siegenden Wortes liegt. Es wird das Christentum ausgebreitet, ich möchte sagen, in den Untergründen des damaligen sozialen Lebens. Wir haben dann eine zweite Epoche, in welcher die Ausbreitung des Christentums viel von dem von der Erde wegnimmt, was man nennt: Friede. Es nimmt das Christentum an dem Streit in der zweiten Epoche ganz wesentlich teil. Wir sehen dann auch das Zeitalter, wo nach und nach ein Ersterben des inneren Impulses des Christentums eintritt, wo das Christentum zur Staatsreligion wird, was natürlich ein Ersterben des wirklichen ursprünglichen christlichen Impulses ist. Wir haben dann aber die Epoche, die man aufzufassen hat als diejenige des vierten Siegels, wo in der Weise, wie ich es geschildert habe, der Mohammedanismus hereinbricht. Und so wird weiter Siegel für Siegel eröffnet, und dasjenige, was dann unter dem Einfluß der Kreuzzüge geschieht, geschieht ja dennoch unter dem Einfluß bedeutender religiöser Genies, das kann man ja beobachten, wenn man genauer verfolgt, was eigentlich geschehen ist. In dieser Beziehung ist die ganze Geschichtsschreibung eigentlich durch und durch Geschichtsfälschung.

Denn sehen Sie, vor den Kreuzzügen ist ja eigentlich alle Verbreitung des Christentums, ich möchte sagen, im Guten geschehen. Und das, was da durch zahllose Mitglieder des Mönchtums wieder und wieder geschehen ist, auch das im äußeren Sinne Schlimme, ist ja, als das Christentum sich verbreitet hat, bis zu den Kreuzzügen, in Europa im Grunde genommen mehr oder weniger in unmittelbarer Anlehnung an die palästinensischen Erzählungen geschehen. Die Evangelien waren allerdings nicht die Lektüre der Laien, sie waren Beschäftigung der Priester. Aber das, was dazumal geschah, stand durchaus unter dem Einfluß dessen, was die Priester ersehen konnten aus dem Evangelium. Die Priesterschaft hatte Evangelium und Kultus. Der Kultus war das, in dem sich die übersinnliche Welt auf sinnliche Weise spiegelte. Die Messe, das Meßopfer selber, war für die Priester dasjenige, in dem sie die unmittelbaren Tore zum Übersinnlichen sahen. Deshalb sahen sie allmählich immer mehr und mehr ab von einem Hinaufblicken zur Offenbarung des Göttlich-Geistigen durch den Sternenhimmel und alle die alten wunderbaren Weissagungen, die noch im Zusammenhang mit dem geblieben waren, was ich heute morgen - gegenüber der heutigen Astronomie und Astrologie Astrosophie genannt habe, alle diese alten Weistümer wurden allmählich fast ganz verhüllt, bis zu dem Zeitalter der Kreuzzüge.

Im Zeitalter der Kreuzzüge sehen wir plötzlich überall Menschen auftreten, die nun auch von Osten nach Westen wandern, entweder solche, die unmittelbar von den Kreuzzügen zurückkommen, oder solche, die etwas später kamen und bei denen deshalb Dinge Wurzel gefaßt hatten, die Geheimnisse des Orients waren. Da sind nach Europa eine Fülle von Schriften aus dem Osten gebracht worden, die später zugrunde gegangen sind; es ist das dem Umstand zuzuschreiben, daß man nicht mit solchen Argusaugen gewacht hat über all dasjenige, was man schriftlich hatte, wie man heute darüber wacht. Dadurch ist kaum viel geblieben von dem, was schriftlich da war. Viel mehr ist durch die Tradition des Mündlichen wieder verbreitet worden vom Sinne eines kosmischen Christentums, und das hat Wurzel gefaßt gerade zur Zeit der Kreuzzüge.

Da wird eine Art siebentes Siegel eröffnet. Und man könnte sagen, was den Respekt vor dem Geschriebenen betrifft, soll man sich nur einmal vorstellen: Wenn das wahr ist, daß ein italienischer Professor die Livius-Handschriften entdeckt hat, was für ein Sturm da vom heutigen italienischen Staat gemacht wird trotzdem alles ungewiß ist -, um diese Livius-Handschriften in die Hand zu bekommen. Man braucht gar nicht weit in der Zeit zurückzugehen und dem Staat wäre es höchst gleichgültig gewesen, ob das oder jenes gefunden worden ist. Das Interesse, Geschriebenes aufzubewahren, ist etwas, was erst später aufgekommen ist.

Ich selbst habe ein gelungenes Stückchen gesehen in dieser Beziehung, als ich im Goethe-Schiller-Archiv war. Da bekamen wir einen Brief Goethes, der sonderbar aussah: dreckig, furchtbar zerrissen. Zu der Zeit, als ich im Goethe-Schiller-Archiv war, war das schon eine Sünde. So behandelt man Goethes Briefe nicht.

Wir forschten nach, was dahinter war. Siehe da, der Brief war einmal im Besitz von Kuno Fischer gewesen, und der hatte einfach Goethes Brief in die Druckerei gegeben, hat ihn aber nicht abgeschrieben, sondern den Originalbrief mit seinen Notizen und Randbemerkungen an den Drucker geschickt. Es ist nur ein Wunder gewesen, daß der Brief sich trotzdem erhalten hat, da man damals im allgemeinen Manuskripte nicht behielt.

So braucht man sich nicht über die Tatsache zu wundern, daß in der Zeit, in der das Christentum sich durch die Kreuzzüge mit dem Orientalismus berührte, Wahrheiten sich verbreiteten im Christentum, die wir heute kabbalistische Wahrheiten nennen würden. Und mancher lebte in dieser Zeit, der vielleicht mehr wußte als Jakob Böhme, ohne daß das Aufsehen machte, während es in der Zeit Jakob Böhmes schon Aufsehen machte, daß so ein Mensch da war wie Jakob Böhme.

Es ist die Zeit der Kreuzzüge - wobei wir nicht so sehr auf die äußeren Ereignisse, die in den Geschichtsbüchern beschrieben werden, hinweisen wollen, als auf das, was im Bewußtsein der Menschen vor sich geht -, es ist die Zeit der Kreuzzüge das Zeitalter, wo sich die Siegel-Zeit verwandelt in die Posaunen-Zeit. Tiefer fühlende Naturen haben die Zeit von den Kreuzzügen bis heute immer so gefühlt, daß sie sagten: Ach, es ist furchtbar, was da im Zeichen der Posaunenklänge - wenn ich es vom übersinnlichen Gesichtspunkte betrachte - in den Menschenseelen vor sich geht. Aber die Menschen auf Erden hören nicht auf die Posaunenklänge.

Dieses Bewußtsein müßten eigentlich recht viele Menschen gerade von dieser Zeit haben, die wir eben jetzt als das Zeitalter der sechsten Posaune durchleben, von der Sie ja wissen, was ihre wesentlichsten Eigenschaften und was ihre wesentlichsten Auswirkungen sind. Ein Drittel der Menschen, so wird da angeführt (Apk. 9,15), wird getötet werden. Das geschieht natürlich erst im Lauf der Zeit. Mit «Töten» ist hier aber gemeint dieses Nichtvorhandensein des Ichs in denjenigen Menschen, die schon vorher vorbereitet waren durch die Heuschreckengestalt.

Das sind die Dinge, die gerade den Priester zwingen, tiefer hineinzuschauen in das Gefüge desjenigen, was eigentlich geschieht. Der Priester soll es ja zu tun haben mit dem Übersinnlichen. Wir sind ja nach allen Richtungen hin vom Übersinnlichen umgeben. Dasjenige, was an den Menschen beobachtet werden kann, insoweit sie einen physischen Leib haben, ist ja nur ein Ausschnitt aus dem Menschenleben. Sobald wir beginnen, in das Übersinnliche einzudringen, dann sehen wir ja die wirklichen Taten der Menschen, und wir sehen, daß sie sich deren Folgen oft gar nicht bewußt sind. Man kann manchmal gar nicht wissen, was ein Mensch im Leben eines anderen anrichtet, wenn er an ihm vorbeigeht, ohne sich um ihn zu kümmern, obwohl es eigentlich in seinem Karma gelegen hat, sich ihm gegenüber in diesem Erdenleben in einer bestimmten Weise zu verhalten. Später einmal wird dieses Karma allerdings einen größeren Zwang ausüben, es wird schon ausgeglichen werden, aber eigentlich hätte es in diesem Leben ausgeglichen werden müssen. Das braucht man im äußeren physischen Leben nicht zu bemerken. Es ist eigentlich nichts gegen den betreffenden Menschen einzuwenden, er hat vom äußeren, bürgerlichen Gesichtspunkt aus alle seine Pflichten getan, aber er hat vielleicht im Sinne des Zusammenhanges mit der Weltevolution etwas getan, was furchtbar tiefe Wunden geschlagen hat. Man kann nicht sagen, daß es sich dabei um überirdische Dinge handelt, sondern es handelt sich um übersinnliche Dinge, denn innerhalb des Irdischen geht das Übersinnliche fortwährend vor sich.

Sehen Sie, die Apokalypse in diesem Ernst zu verstehen, das wird ja eine Notwendigkeit sein in dem Maße, wie das, was ich den ätherischen Christus genannt habe, innerhalb der Menschheit sichtbar werden wird. Daher entspricht es schon einer ganz gesunden Empfindung, die aus dem tiefsten Unterbewußtsein heraufkam, daß Sie, meine lieben Freunde, gerade die Apokalypse zum Gegenstand dieser Betrachtungen machen wollten. Vielleicht hatten Sie sich das etwas anders vorgestellt, was ich gerade in der jetzigen Zeit über die Apokalypse geben kann, aber daß Sie von mir Betrachtungen über die Apokalypse hören wollten, das war durchaus die Stimmung der Zeit in Ihren Herzen. Und man könnte schon sagen: Daß in Ihnen das Bedürfnis entstand, die Apokalypse zu verstehen, daß Ihr auch als Priesterschaft, die zusammengehört, Euch vereinigt in solchen Tendenzen, das zeigt, daß Ihr schon in gewissem Sinn Verwandtschaft habt mit dem Apokalyptiker, mit Johannes. Und so wird das, was vor allen Dingen für Euch notwendig ist, dieses Sichdurchdringen mit dem Geiste der Apokalypse, keinen Widerspruch darin finden, daß man bestimmte Epochen nach dem Prinzip der Siebenzahl unterscheiden kann, daß man damit im Grunde genommen überall anfangen kann und daß sich dann findet, wie die Dinge gehen. Man wird überhaupt nicht die Zusammenhänge in der Weltenevolution finden, wenn man nicht das Prinzip der Zahl als Methode der Betrachtung anwendet. Sehen Sie, damit haben wir die Seite der Apokalypse berührt, die gerade für unsere Zeit wesentlich und fruchtbar ist.

Nun finden wir ja eingestreut in die Apokalypse, gewöhnlich an den Stellen, wo die Siebenzahl in andere übergeht, auch andere Ereignisse. Da tritt uns wiederum etwas entgegen, was ja sehr einer Aufklärung bedarf. Denken Sie nur, daß einem da in Zahlen entgegentritt: In einem bestimmten Zeitraum sind soundsoviele Menschen da, die das Siegel Gottes an ihrer Stirne tragen, die also zu den Glücklichen gehören, die gewissermaßen gerettet oder erlöst werden oder wie man es nennen will (Apk. 7, 4-8); die anderen aber können gar nicht zu einer Erlösung kommen. Wenn man so äußerlich die Apokalypse liest, ist es etwas, was beim Lesen zunächst etwas Bedrückendes haben kann.

Nun muß man aber sich klar darüber sein, daß überall in alten Schriften ein Unterschied gemacht wird zwischen Rassenentwikkelung und individueller Entwickelung der Menschen. Man muß sich durchaus darüber klar sein, daß kein einzelnes Individuum sich irgendwie bedrückt fühlte in früheren Zeiten, wenn man davon sprach, von einer Rasse würden einmal soundsoviele gerettet, die anderen würden untergegangen sein. Denn keiner rechnete sich dazu, weil man real dachte, ganz genau in derselben Weise, wie heute, wenn ein Mensch sich dazu drängt, daß ihm sein Leben versichert wird. Dabei wird ja ausgerechnet, wie lange man wahrscheinlicherweise noch leben wird. Die Versicherungsanstalten, nicht wahr, nehmen Leute nicht an, die wahrscheinlich bald sterben; denn würden sie lauter Leute assekurieren, die bald sterben, so würden sie bald ihre Kassen leer haben. Sie wollen Leute haben, die lange leben und lange einzahlen; daher müssen sie mit einer Wahrscheinlichkeitsrechnung, die ja eine ganz interessante Rechnungsmethode ist, bei dem, der zu versichern ist, aus den verschiedensten Antezedenzien heraus seine wahrscheinliche Lebensdauer berechnen. Ich habe noch nie gefunden, daß jemand sich deshalb verpflichtet fühlte, in dem Moment zu sterben, den die Assekuranzgesellschaft als seinen wahrscheinlichen Tod nach ihrer gewiß richtigen Methode berechnet hat. Das gibt es nicht; man fühlt sich nicht verpflichtet, gerade dann zu sterben. Und da liegt auch eine Realität zugrunde. Sobald man in die Zahl hineinkommt, erfaßt man nicht diejenige Stufe der Geistigkeit, auf der die menschliche Individualität steht.

Sehen Sie, wenn man solche Dinge sagt, berührt man eben ein gewisses Mysterium, ein okkultes Geheimnis. Es beruht darauf, daß man glaubt, wenn man eins, zwei, drei, vier, fünf Individualitäten abzählt und dann diese Zahl anwendet auf Geistiges, dieses Zählen müsse auch für die geistige Welt eine Bedeutung haben. Das hat es aber nicht in derselben Weise. Das Prinzip der Zahl tritt in dem Moment auf, wo die geistige Welt durchbricht und sich offenbart, sich offenbart meinetwillen im platonischen Weltenjahr oder in der Zahl der Atemzüge und so weiter, überhaupt da, wo die geistige Welt durchbricht. So daß man, wenn man zum Geistbewußtsein aufsteigt, an der Grenze, an der Schwelle in die geistige Welt hinein die Zahl braucht. Da kommt man nicht weiter, wenn man die Zahl oder etwas der Zahl Ähnliches nicht hat. Aber wenn man drüben im Geistigen ist und will mit den Zahlen etwas anfangen, dann paßt alles nicht. Daher kann sehr wohl ein solcher okkult Schreibender wie der Apokalyptiker, wenn er von der auf der Erde sich abspielenden Rassenentwickelung spricht, sagen: Soundsoviele sind da, die werden errettet und soundsoviele werden untergehen - wir werden das nächste Mal sehen, was diese Zahlen bedeuten -, aber es kann dadurch sich nicht die einzelne Menschenindividualität betroffen fühlen, denn diese Zahlen sind wohl auf die Entwickelung der Rassen, nicht aber auf die Individualität des Menschen zu beziehen.

Wie das dann im Genaueren möglich ist zu verstehen, das werde ich dann noch das nächste Mal auseinandersetzen.



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