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Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken

On-line since: 31st December, 2016

BEGRÜSSUNG

Dornach, 5. September 1924

Johannes Werner Klein: Weil Herr Dr. Rittelmeyer auf seine Krankheit Rücksicht nehmen muß, ist mir der Auftrag zugefallen, aus unserem Kreise heraus einige Worte zu sprechen und auszudrücken, wie wir das Schicksal dankbar empfinden, wiederum vor Sie hintreten zu dürfen, und wie wir uns empfinden müssen als eine Schar von Menschen, die in den Untergangswogen und in den Sturmeswellen der Zeit wie in einem Schiff zusammenstehen und immerdar die Gefahr des Ertrinkens vor sich sehen, und die sich weder hinwenden können zu der Repräsentanz des äußeren, noch zu der des sogenannten geistigen Kulturlebens unserer Zeit. Wir müssen es als besondere Gnade betrachten, hier in Dornach vor Sie hintreten zu dürfen und empfinden es besonders dankbar, daß Sie uns hergerufen haben und daß Sie hier zu uns sprechen wollen.

Es ist jetzt zwei Jahre her, daß wir das letzte Mal als Kreis hier vor Ihnen standen, in jener gewaltigen Zeit, wo der Lebensauftrag sich heruntergesenkt hat auf uns. Die meisten von uns sehen zum ersten Male seitdem die Stätte wieder, wo dies geschah, sehen mit Erschütterung die letzten physischen Reste des Goetheanums und können nicht anders, als mit ihren Gedanken jenen Ort aufsuchen des weißen Saales, wo das Schicksal des Lebens so stark zu ihnen gesprochen hat, jenen Ort, wo da draußen jetzt am tiefsten die Erde aufgerissen ist.

Und doch lebt als das Größte, als das Stärkste in unserem Bewußtsein der Abglanz der Tatsache, die sich seitdem hier abgespielt hat: Das Herüberklingen jener Botschaft der Weihnachtstagung. Es lebt die Freude in uns, die in jener Zeit uns gegeben wurde: Es gibt wiederum eine Mysterienstätte auf der Erde. - Und deshalb ist es unser erstes, wenn wir jetzt wiederum als Kreis vor Sie hintreten, zum Ausdrucke zu bringen, wie sehr es unser Wunsch ist, so intensiv und so stark wie möglich Anschluß zu finden und uns hineinzustellen in die Impulse, die seit jener Zeit ausgehen von dieser Stätte hier. Es haben die Freunde jetzt ausnahmslos alle ihr Gesuch eingereicht aus persönlicher Initiative um Aufnahme in die Hochschule für Geisteswissenschaft. Wir wollen damit als Kreis zum Ausdruck bringen, daß wir uns denkbar innigst und tiefst als Kreis hineinstellen wollen in das Werk von Dornach.

Nun haben wir inzwischen wieder ein Jahr lang draußen gearbeitet. Unsere Arbeit ist in den Grenzen von Deutschland geblieben, aber wir haben als Kreis doch einen ziemlichen Zuwachs erfahren dürfen; und wenn Sie es erlauben, werden wir jetzt Ihnen die neuen Freunde unseres Kreises vorstellen. (Es werden elf Persönlichkeiten vorgestellt, die sich nach der im Herbst 1922 erfolgten Begründung der Christengemeinschaft dem Priesterkreis angeschlossen haben.)

Die Tagungen, die wir in dem letzten Jahre miteinander gehabt haben, sie betrachten wir nicht als das wesentlichste, was wir geleistet haben. Aber dennoch konnten diese Tagungen für uns der klarste Spiegel dafür werden, daß die geistige Welt ein Interesse gewonnen hat an unserem Arbeiten, daß wir einen Platz erhalten durften in den geistigen Welten, für den eine Führung da ist. Aber dieses Bewußtsein kann uns jetzt die Plattform abgeben, daß das Vertrauen zu unserer Sache mehr und mehr keimend vom Kopfe auch herunter in unsere wirklichen Tiefen wirken kann. Und mit diesem heraufragenden Vertrauen zu unserer Sache treten wir vor Sie hin, da Sie uns die Stimme der wahren Verkündigung der geistigen Welt sind und möchten Sie bitten, das zu geben, was uns ermöglichen kann, weiter durch die Zeit den Weg zu finden.



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