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Vorträge und Kurse über christlich-religiöses Wirken

On-line since: 31st December, 2016

TEILNEHMERFRAGEN

Die folgenden Fragen wurden Rudolf Steiner am 18. September 1924 vor dem Vortrag in schriftlicher Form übergeben.

In Handschrift von Johannes Werner Klein:

Der Quell mancher Schwierigkeiten, die im Kreise sich gelegentlich bemerkbar machen, ist unsere Unklarheit über die spirituellen Aufgaben und Hintergründe der sieben Ämter, damit zusammenhängend über die irdische Führung unserer Bewegung. Als Sonderfragen über den Fortgang der gesamten Arbeit beschäftigen uns jetzt besonders:

  1. ob wir gut daran tun, weiterhin den Schwerpunkt auf das extensive Element zu legen, oder ob es im Interesse der besseren Vorbereitung auf die zukünftigen Aufgaben richtig ist, dem Bedürfnis nach intensiver Vertiefung unserer eigenen Persönlichkeiten in erster Linie eine Zeitlang zu folgen. - Diese Frage wird uns nahe gelegt durch den Abbau der physischen und seelischen Kräfte mancher im Kreise seit Herbst 1922, der uns zu Sorgen Anlaß gibt;

  2. welche Wege wir einzuschlagen haben zur Begründung geistiger Kolonien in anderen Ländern;

  3. wie wir in den Gemeinden die Mitgliedschaft und im Zusammenhang damit die Austeilung der Kommunion handhaben müssen. Bis jetzt haben die meisten in diesem Punkte sehr freie Formen gehandhabt. An der allsonntäglich stattfindenden Gemeindekommunion haben in manchen Städten alle Anwesenden teilnehmen können.

Wir haben uns in den Zusammenkünften der letzten Wochen viel beschäftigt mit den karmischen Bedingungen, die den einzelnen in den Kreis führten, um uns gegenseitig in unserer karmischen Differenziertheit und den Kreis als ganzen in seinem Aufgabenumfang zu erkennen. Durch die Offenbarungen Ihrer Vorträge stehen wir erneut vor der Frage der Wesenheit und karmischen Gliederung unseres Kreises. Im Zusammenhang damit steht vor uns die Frage nach dem Karma der bisherigen christlichen Kirchen und des Hereinspielens dieses Karmas durch einzelne Persönlichkeiten in unseren Kreis.

Im apokalyptischen Teil des Evangeliums (Markus 13,20) steht der Satz: «Und so der Herr diese Tage nicht verkürzt hätte, würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen, die er auserwählet hat, hat er diese Tage (der Wehen) verkürzt.» - Wie ist dieser Satz zu verstehen im Hinblick auf die kommenden Zeitereignisse, etwa des Krieges aller gegen alle? Dies sind die Fragen, die den ganzen Kreis bewegen. Wir bitten aber wegen einiger auf diese Fragen bezüglicher Dinge, sowie wegen der Städtefragen und weniger, ganz kurzer Anliegen um die Möglichkeit, als Kreis der sieben Oberlenker und Lenker vor Sie einmal hintreten zu dürfen.

LA. Joh. Werner Klein

In Handschrift von Friedrich Doldinger:

  1. In der Katholischen Kirche werden bei der Weihe des Kirchenraums vom Bischof die Buchstaben in die Asche auf den Boden gezeichnet. Ist ein entsprechendes Ritual zur Weihe einer Kirche bei uns nötig? Von wem (Lenker?) würde es vollzogen werden müssen? (praktisch für Eröffnung eines nur Weihezwecken dienenden eigenen Raumes in Freiburg i. Br. zu Michaeli).

  2. Verwendung von Kerzen zu Casualien. Kann der brennende siebenarmige Leuchter außerhalb der Menschenweihehandlung überhaupt verwendet werden, etwa wenn z. B. nahe beim Altar eine Taufe o. a. stattfindet?

  3. Brevier.

Beim ersten Dornacher Kurs, wo das Brevier gegeben wurde, waren viele, die dann nicht Priester wurden. Es hat sich herausgestellt, daß wohl hauptsächlich durch diese Persönlichkeiten, aber auch durch zunächst unklare Auffassungen in unserem Kreise, das Brevier an Menschen kam, die nie daran denken, Priester zu werden, zum Teil uns sogar praktische Schwierigkeiten bereiten in der Arbeit. Einige dieser Persönlichkeiten, die das Brevier als «liebevolles Geschenk» erhalten hatten und nicht wußten, daß es Meditationen für Priester sind, haben es nach Bekanntgabe des Sachverhaltes sogleich abgegeben. Der Priesterkreis möchte nun an alle, welche das Brevier besitzen, ohne die Angelobung geleistet zu haben, herantreten mit der Bitte um Aushändigung. Es herrschen aber im Kreise zum Teil noch Unklarheiten darüber, ob das bei allen unrechtmäßigen Besitzern, z. B. den Ehefrauen, möglich ist. - Beinahe alle von uns glauben sich aber darüber klar zu sein, daß nur durch eine radikale ausnahmslose Aufrollung des unrechtmäßigen Brevierbesitzes die notwendige Sauberkeit in dieser Sache erreicht werden kann, da ja das Brevier klar und deutlich nur für solche gegeben war, die sich unmittelbar zu priesterlichem Wirken vorbereiten.

Die Tatsache der unsachlichen Verbreitung des Breviers beunruhigt viele von uns. Vor allem ist - im Zusammenhang der Handhabung der Klassensprüche - die Frage entstanden, ob nicht das Brevier durch die Art der Verbreitung unwirksam geworden sei oder ob durch eine nunmehr erfolgende Einziehung der wünschenswerte Zustand noch hergestellt werden kann.



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