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Die Geheimnisse der biblischen Schöpfungsgeschichte

Schmidt-Nummer: S-2261

Online seit: 15th October, 2013

DRITTER VORTRAG

München, 18. August 1910

Bei mancherlei von dem, was in diesem Vortragszyklus gesagt werden muß und was überhaupt im Verlaufe unserer anthroposophischen Unterredungen zur Sprache kommt, könnte es scheinen, namentlich der Außenwelt, die noch wenig bekannt ist mit den Empfindungen, die in unseren Kreisen herrschen, als ob es mir eine gewisse Befriedigung und Freude machte, wenn ich gedrängt bin, dieses oder jenes scheinbar im Gegensatz zu der modernen Wissenschaft zu sagen. Ich möchte wirklich gerade in diesem Punkt nicht gern mißverstanden sein. Sie dürfen alle überzeugt davon sein, daß es mich stets eine harte Überwindung kostet, mich in Gegensatz zu stellen zu dem, was man heute wissenschaftliche Behauptung nennt, und daß ich es an keinem anderen Punkte jemals tun würde als da, wo es mir genau möglich ist, selbst das wirklich zu entwickeln, was Wissenschaft heute zu sagen hat in bezug auf das jeweilig in Rede Stehende. Ich fühle das Verantwortlichkeitsgefühl, nichts vorzubringen im Gegensatz zur modernen Wissenschaft, wo es mir nicht auch möglich wäre, überall anzuführen, was diese moderne Wissenschaft in dem betreffenden Punkte zu sagen hat. Und man kann sich, wenn man von diesem Gesichtspunkte ausgeht, solch wichtigen Kapiteln wie das, was wir in diesen Tagen zu besprechen haben, nur nähern, wenn man es tut mit einer gewissen heiligen Scheu und eben mit einem entsprechenden Verantwortlichkeitsgefühl.

Es muß ja leider gesagt werden, daß in bezug auf Fragen, die dabei berücksichtigt werden müssen, moderne Wissenschaft ganz und gar versagen muß, daß moderne Wissenschafter nicht einmal in der Lage sind, zu wissen, warum ihre Ausgangspunkte versagen müssen, daß sie nicht in der Lage sind einzusehen, warum den wirklichen, großen Fragen des Lebens und des Daseins gegenüber gerade moderne Wissenschaft so intensiv dilettantisch sein muß, wie nur irgend möglich ist. Also ich bitte Sie recht sehr, das, was gesagt wird, immer so aufzunehmen, daß im Hintergrunde ein volles Bewußtsein von alledem steht, was in dem betreffenden Punkte moderne Wissenschaft zu sagen hätte. Nur kann natürlich in einer kurzen Vortragsreihe nicht verlangt werden, daß etwa polemisch in den Einzelheiten alles berücksichtigt werde, was zur Widerlegung dieser oder jener modernen Anschauung über den betreffenden Punkt zu sagen wäre. Ich muß mich so viel als irgend möglich auf das Positive beschränken und darauf vertrauen, daß in einem Kreise von Anthroposophen die Voraussetzung, die ich eben gemacht habe, wirklich auch in allen Einzelheiten gemacht wird.

Ich versuchte Ihnen gestern zu zeigen, wie jene urgewaltigen Worte, die am Ausgangspunkte der Bibel stehen und die uns in einer Sprache vorliegen, die ganz anderer Natur ist als die modernen Sprachen, wie diese urgewaltigen Worte nur dann richtig gedeutet werden können, wenn wir versuchen, alles das zu vergessen, was in unseren Empfindungen, in unseren Gefühlen auflebt bei den gebräuchlichen Übersetzungen und Übertragungen dieser Worte in moderne Sprache. Denn die Sprache, in der ursprünglich diese urgewaltigen Schöpfungsworte uns gegeben sind, hat wirklich die Eigentümlichkeit, daß sie durch den Charakter ihrer Laute Herz und Sinn hinlenkt zu den Bildern, die vor dem Seherauge auftauchen, wenn es sich hinrichtet auf den Punkt, wo aus dem Übersinnlichen das Sinnliche unserer Welt hervorquillt. Und es liegt eine Gewalt und eine Kraft in allen einzelnen Lauten, in denen, wenn wir so sagen dürfen, der Urbeginn unseres Erdendaseins vor uns hingestellt wird. Wir werden noch öfter im Verlaufe dieser Vorträge gerade auf den Charakter dieser Sprache hinzuweisen haben. Heute aber möchte ich auf einiges für uns zunächst notwendige Sachliche eingehen.

Sie wissen ja, daß in der Bibel nach den Worten, die ich gestern versuchte ein wenig im Bilde vor Ihre Seele hinzumalen, Eigenschaften von dem einen Komplex stehen, der da auftauchte aus dem göttlichen Sinnen, aus dem produktiven Sinnen heraus. Ich sagte Ihnen, daß wir uns vorzustellen haben, daß wie aus einer kosmischen Erinnerung heraus zwei Komplexe auftauchten. Der eine war ein Komplex, der sich etwa vergleichen läßt mit dem Vorstellungscharakter, der in uns auftauchen kann, der andere war ein Komplex, der mit einem Begierden- oder Willenscharakter verglichen werden kann. Der eine enthält alles das, was sich nach außen offenbaren, ankündigen will, gleichsam nach außen hin kraften will, haschamajim. Der andere Komplex, ha'arez, enthält das innerlich Regsame, das innerlich von Begehren Durchdrungene, das innerlich Belebende, sich Regende. Von diesem innerlich Belebenden, sich Regenden werden uns dann Eigenschaften angeführt, und diese Eigenschaften werden in der Bibel angedeutet mit charakteristischen Lautcharakteren. Es wird uns gesagt, daß dieses sich innerlich Regende in einem Zustand war, der bezeichnet wird als tohu wabohu, was in der deutschen Sprache gewöhnlich ja wiedergegeben wird mit «wüste und wirr». Verstehen aber können wir es nur dann, wenn wir uns wiederum genau den bildhaften Charakter dessen vor Augen malen, was eigentlich mit dem tohu wabohu gemeint ist. Und wir kommen nur darauf, was gemeint ist, wenn wir aus unserer geisteswissenschaftlichen Erkenntnis heraus uns vergegenwärtigen, was da eigentlich, sagen wir, im Räume durcheinanderwogte, als alles das, was früher durchschritten, hatte das Saturn-, Sonnen- und Monden-dasein, als das Erdendasein, als planetarischer Erdenzustand wieder auftauchte.

Ich machte Sie gestern darauf aufmerksam, daß das, was wir den festen Zustand nennen, also was einen Widerstand auf unsere Sinne ausübt, während des Saturn-, Sonnen- und Monden-zustandes noch nicht vorhanden war, daß da nur das Element des Feurigen oder der Wärme, das Element des Gasigen oder Luftförmigen und das Element des Wässerigen vorhanden war. Und im Grunde genommen fügt sich erst mit dem Aufgehen des planetarischen Erdenzustandes das Feste zu den früheren elementarischen Zuständen hinzu. Also in jenem Moment, wo das ins Dasein trat, was wir gestern charakterisiert haben, wo auch sozusagen die Tendenz auftritt, daß sich das Sonnenhafte von dem Erdhaften abspaltet, da haben wir, wenn wir das elementarische Weben ins Auge fassen, es mit einem sich gegenseitig Durchdringen der Elemente Wärme, Luft und Wasser zu tun. Das wogte und webte durcheinander. Wie das zunächst durcheinanderwogte und -webte, wie wir es uns vorzustellen haben, wenn wir es uns vor den geistigen Sinn hinmalen, das deuten uns diese Worte an, die im Deutschen etwa wiedergegeben werden mit «wüste und wirr», aber natürlich nur in ganz ungenauer Weise, und die prägnant bezeichnet werden durch das, was die Lautzusammenfügung ist tohu wabohu. Denn was bedeutet dieses tohu wabohu? Wenn wir uns bildhaft vor die Seele führen, was in der Seele angeregt werden kann durch diese Laute, dann ist es etwa das Folgende. Der Laut, der da unserem T sich vergleichen läßt, der regt an ein Bild des Auseinanderkraftens von einem Mittelpunkt nach allen Seiten des Raumes, nach allen Richtungen des Raumes. Also in dem Augenblick, wo man den T-Laut anschlägt, wird angeregt das Bild von einem aus dem Mittelpunkt nach allen Richtungen des Raumes Auseinanderkraften, ins Unbegrenzte hin Auseinanderkraften. So daß wir uns also vorzustellen haben das Ineinandergewobensein der Elemente Wärme, Luft und Wasser und da drinnen ein Auseinanderkraften wie von einem Mittelpunkt aus nach allen Seiten, und wir würden dieses Auseinanderkraften haben, wenn nur der erste Teil des Lautgefüges da wäre, tohu. Der zweite Teil, was soll er ergeben? Er ergibt nun genau das Entgegengesetzte von dem, was ich eben gesagt habe. Der regt an durch seinen Lautcharakter — durch alles das, was wach wird in der Seele bei dem Buchstaben, der sich mit unserem B vergleichen läßt, Bet —, der regt an alles das, was Sie im Bilde bekommen, wenn Sie sich eine mächtig große Kugel, eine Hohlkugel denken, sich selbst im Inneren vorstellen und nun von allen Punkten, von allen inneren Punkten dieser Hohlkugel wiederum Strahlen nach innen sich denken, nach dem Mittelpunkt hereinstrahlend. Also Sie denken sich dieses Bild, einen Punkt inmitten des Raumes, von da aus Kräfte nach allen Richtungen des Raumes ausstrahlend, tohu; diese Strahlen sich gleichsam an einem äußeren Kugelgehäuse verfangend, zurückstrahlend in sich selber, von allen Richtungen des Raumes wieder zurück, dann haben Sie das bohu. Dann, wenn Sie sich diese Vorstellung machen und sich all die Kraftstrahlen erfüllt denken von dem, was gegeben ist in den drei elementarischen Wesenheiten Wärme, Luft und Wasser, wenn Sie sich diese Kraftstrahlen denken, wie sie sich gleichsam in diesen drei durcheinanderwogenden Elementen bilden, dann haben Sie die Charakteristik dessen, was das innerlich Regsame ist. So also wird uns durch diese Lautzusammenstellung die Art angedeutet, wie das elementarische Dasein dirigiert wird durch die Elohim.

Was ist denn aber mit dem Ganzen jetzt überhaupt gesagt? Wir werden nicht den ganzen großartigen dramatischen Vorgang der sieben Schöpfungstage verstehen, wenn wir uns diese Einzelheiten nicht vor die Seele führen. Führen wir sie uns vor die Seele, dann wird uns das Ganze als ein wunderbares, gewaltiges kosmisches Drama erscheinen. Was soll eigentlich gesagt werden? Da erinnern wir uns noch einmal daran, daß wir es in all dem, was zum Beispiel durch das Zeitwort bara gemeint ist — in den Urbeginnen «schufen» die Götter —, mit einer seelisch-geistigen Tätigkeit zu tun haben. Ich verglich das gestern damit, daß innerhalb der Seele Vorstellungskomplexe heraufgerufen werden. So denken wir uns in den Raum hineingelagert die Elohim, und wir denken uns das, was angedeutet ist mit «schuf», bara, als eine kosmisch-seelische Tätigkeit eines Ersinnens. Was sie ersinnen, das ist dann angegeben mit haschamajim und ha'arez, das nach außen Strahlende und das innerlich Regsame. Aber jetzt wird auf etwas anderes Bedeutsames hingewiesen. Versetzen Sie sich, damit Sie einen möglichst guten Vergleich haben, in den Zustand des Aufwachens. Es dringen in Ihre Seele herauf Vorstellungskomplexe. So dringen in der Seele der Elohim herauf haschamajim und ha'arez.

Nun wissen wir aber, das haben wir ja schon gestern hervorgehoben, daß diese Elohim herüberkamen in ihrer eigenen Entwickelung von dem Saturn-, Sonnen- und Monden-zustand. So war das, was sie ersannen, wirklich in einer ähnlichen Lage wie Ihre Vorstellungskomplexe, wenn Sie aufwachen und sie in Ihre Seele heraufrufen. Dann können Sie sie gleichsam seelisch-geistig anschauen, Sie können sagen, wie sie sind. Sie können sagen: Wenn ich am Morgen aufwache und wiederfinde, was früher in meiner Seele sich gelagert hat und was ich mir heraufrufe, dann kann ich beschreiben, wie es ist. — So konnte für die Elohim beschrieben werden, was sich jetzt ergab, nachdem sie etwa, wenn ich es sehr grob ausdrücken würde, sich sagten: Wir wollen jetzt einmal ersinnen, was in unsere Seele tritt, wenn wir uns alles das zurückrufen, was während des alten Saturn-, Sonnen- und Monden-zustandes sich zugetragen hat. Wir wollen sehen, wie das in der Erinnerung sich ausnimmt. — Und es nahm sich so aus, daß es bezeichnet wird mit den Worten tohu wabohu, daß es bezeichnet werden konnte durch ein Bild, wie ich es eben jetzt schilderte mit den Strahlen, die von einem Mittelpunkt ausgehen in den Raum hinaus und wieder zurück, so daß die Elemente in diesen Kraftstrahlen ineinanderwogen. Also konnten die Elohim etwa sagen: So also nimmt es sich aus, nachdem wir es bis zu diesem Punkt geführt haben. So hat es sich wieder hergestellt.

Nun aber, um das Folgende zu verstehen, was in den modernen Sprachen gewöhnlich so ausgedrückt wird: «Finsternis war über den flutenden Stoffen» oder «über den Wassern», um das zu verstehen, müssen wir uns noch ein anderes vor Augen führen. Wir müssen den Blick wiederum zurückwenden auf den Hergang der Entwickelung, bevor das Erdendasein gekommen war.

Da haben wir zuerst das Saturndasein hereinwebend im feurigen Element. Dann kommt dazu das Sonnendasein mit dem luftartigen Element. Sie können es aber in meiner «Geheimwissenschaft» nachlesen, daß mit diesem Hinzukommen der Luft noch ein anderes verknüpft ist. Es kommt ja nicht nur zu dem Wärmeelement das gasige oder luftförmige Element hinzu. Das ist sozusagen die Vergröberung des Wärmeelementes. Das feine Wärmeelement des alten Saturn vergröbert sich zu dem gasigen Elemente. Aber ein jedes solches Vergröbern ist verbunden mit dem Hervorgehen eines Feineren. Wenn das Vergröbern zu dem gasigen Element gleichsam ein Heruntersteigen ist, so ist auf der anderen Seite das Hinaufsteigen zu dem Lichtelement gegeben. So daß, wenn wir von dem alten Saturn zur alten Sonne herüberkommen, wir sagen müssen: Der alte Saturn ist noch ganz im Wärmeelement webend; während des Sonnenzustandes kommt dazu etwas Verdichtetes, das Gasige, dann aber auch das Lichtelement, das da macht, daß sich die Wärme und das Gasige nach außen hin erstrahlend offenbaren kann.

Wenn wir nun den einen der Komplexe nehmen, die da auftreten, denjenigen, der angedeutet wird mit ha'arez, das, was gewöhnlich übersetzt wird mit «Erde», und beachten, daß die Elohim, nachdem sie sich erinnert hatten, ihn ins Seelenauge faßten, dann müssen wir uns fragen: Wie mußten sie ihn bezeichnen? — Sie konnten ihn nicht so bezeichnen, daß in ihm jetzt wieder aufgelebt hat, was schon in der alten Sonne war. Es fehlte das Lichtelement. Das hatte sich abgesondert. Dadurch war ha'arez einseitig geworden. Es hatte das Licht nicht mitgenommen, sondern nur die dichteren Elemente, das wäßrige, das luftförmige und das Wärmeelement. Es fehlte das Licht allerdings nicht in dem, was mit haschamajim angedeutet wird, aber haschamajim ist das Sonnenhafte, das sich herausbewegt aus dem anderen Komplex. In diesem anderen Komplex fehlten die Verfeinerungen der Elemente, fehlte das Licht. So daß wir sagen können: In dem einen der Komplexe wogten so, wie wir es eben mit dem tohu wabohu bezeichnet haben, durcheinander die Wärme-, Luft- und Wasserelemente. Und sie waren entblößt; ihnen fehlte, was im alten Sonnendasein in die Entwickelung eingetreten ist, das Lichtelement. Sie waren also dunkel geblieben, sie hatten nichts Sonnenhaftes. Das war mit dem haschamajim herausgezogen aus ihnen. So bedeutet also der Fortschritt zur Erdenentwickelung nichts anderes als: Dasjenige, was als Licht in dem alten Sonnenhaften enthalten war, solange dieses noch mit dem verbunden war, was wir Erde nennen, das war herausgezogen, und ein dunkles Gewebe der Elemente Wärme, Luft und Wasser war als das ha'arez zurückgeblieben.

Damit haben wir also das, was die Elohim ersannen, noch genauer vor unsere Seele hingestellt. Wir werden es uns aber niemals in der richtigen Weise vorstellen können, wenn wir uns nicht immer bewußt bleiben, daß alles das, was wir als elementarisches Dasein bezeichnen, Luft, Wasser und auch Wärme, im Grunde genommen auch die äußere Ausdrucksform von geistigen Wesenheiten ist. Es ist nicht ganz richtig, zu sagen das Kleid, man muß es vielmehr als eine äußere Kundgebung auffassen. Also alles, was man so bezeichnet als Luft, Wasser, Wärme, ist im Grunde genommen Maja, Illusion, ist zunächst nur für den äußeren Anblick, auch des Seelenauges, vorhanden. In Wahrheit, wenn man auf seine eigentliche Wesenheit eingeht, ist es Seelisch-Geistiges, ist es äußere Ankündigung des Seelisch-Geistigen der Elohim. Wenn wir aber diese Elohim betrachten, dann dürfen wir sie uns noch nicht irgend menschenähnlich vorstellen, denn das war ja gerade ihr Ziel, den Menschen zu gestalten, den Menschen ins Dasein zu rufen in seiner eigenartigen Organisation, die eben jetzt von ihnen ersonnen ist. Menschlich also dürfen wir sie uns nicht denken. Wohl aber müssen wir in gewisser Beziehung bei diesen Elohim schon eine Art von Scheidung in ihrer Wesenheit ins Auge fassen. Wenn wir heute vom Menschen sprechen, so können wir ihn ja gar nicht verstehen, wenn wir seine Wesenheit nicht scheiden in ein Leibliches, ein Seelisches und ein Geistiges. Und Sie wissen ja, wie sehr es uns gerade auf dem anthroposophischen Felde beschäftigt, die Wirksamkeit und Wesenheit dieser Trinität des Menschen, dieses Leiblichen, Seelischen und Geistigen, genauer kennen zu lernen. So zu unterscheiden, in dieser Dreiheit eine Wesenheit zu erkennen, dazu sind wir allerdings erst beim Menschen genötigt, und wir würden natürlich den größten Fehler machen, wenn wir die Wesenheit der Vormenschheit, die also in der Bibel als die Elohim bezeichnet wird, in ähnlicher Weise uns denken würden wie den Menschen. Aber wir müssen bei ihnen doch schon unterscheiden eine Art Leibliches und eine Art Geistiges.

Nun werden Sie, wenn Sie beim Menschen den Unterschied machen zwischen seinem Leiblichen und seinem Geistigen, sich ja durchaus bewußt sein, daß auch in der äußeren Gestalt, als die sich Ihnen der Mensch darbietet, seine Wesenheit in verschiedener Weise wohnt. Wir werden zum Beispiel nicht versucht sein, in der Hand oder in den Beinen das eigentlich Geistige des Menschen zu lokalisieren, sondern wir sagen: Im wesentlichen ist das Leibliche zum Beispiel im Rumpfe, in den Beinen, in den Händen. Das Geistige hat seine Organe im Kopf, im Gehirn; da hat es seine Werkzeuge. — Wir unterscheiden also innerhalb der äußeren Gestalt des Menschen so, daß wir gewisse Teile mehr als den Ausdruck des Leiblichen, gewisse Teile mehr als den des Geistigen begreifen.

Ein solches müssen wir nun auch in bezug auf die Elohim, wenn auch nicht in gleicher, doch in ähnlicher Weise tun. Im Grunde genommen ist das ganze Gewebe und Gewoge, von dem ich gesprochen habe, nur dann richtig verstanden, wenn wir es auffassen als die Leiblichkeit des Geistig-Seelischen der Elohim. Also alles das, was sich als elementarisches Weben des Luftigen, des Wärmehaften, des Wäßrigen dargestellt hat, ist die äußere Leiblichkeit der Elohim. Aber wir müssen die Teile der Elohim wieder in verschiedener Weise an diese elementarischen Glieder verteilen, wir müssen an das Wäßrige und an das Luftförmige mehr das Leibliche, das Gröbere der Elohim geknüpft denken. Und in alledem, was als Wärmeelement das Gasige und das Wäßrige durchsetzte, was dieses tohu wabohu als das Wärmeelement durchdrang, was es durchwogte als wogende Wärme, in dem wirkte das, was wir nennen können das Geistige der Elohim. Ebenso wie wir sagen, im Menschen wirkt das mehr Leibliche in seinem Rumpf, in den Beinen und den Händen, das mehr Geistige in seinem Kopfe, so können wir sagen, wenn wir den ganzen Kosmos auffassen als eine Leiblichkeit der Elohim: In dem Luft- und in dem Wasserelemente lebte das mehr Leibliche der Elohim, und in dem Wärmeelemente webte das Geistige. — Damit haben Sie dann den Kosmos selbst aufgefaßt als eine Leiblichkeit der Elohim. Und nachdem das äußerlich Leibliche charakterisiert ist als etwas, was ein tohu wabohu der elementarischen Wesenheiten war, haben Sie in dem, was als Wärme diese elementarischen Wesenheiten durchdrang, den webenden Geist der Elohim lokalisiert.

Nun gebraucht die Bibel ein merkwürdiges Wort, um das Verhältnis dieses Geistigen der Elohim zu den Elementen auszudrücken: «Ruach Elohim m'rachephet.» Ein merkwürdiges Wort, auf das wir näher eingehen müssen, wenn wir verstehen wollen, wie der Geist der Elohim die anderen Elemente durchwebte. Dieses Wort, racheph, wir können es nur verstehen, wenn wir sozusagen alles zu Hilfe nehmen, was in der damaligen Zeit durch die Seele zog, wenn dieses Wort ausgesprochen wurde. Wenn man sagt: «Und der Geist der Götter webte auf sich ausbreitenden Stoffmassen» oder «auf den Wassern», so ist damit gar nichts gesagt. Denn zu der richtigen Deutung dieses Zeitwortes, racheph, kommen wir nur, wenn Sie sich denken — ich muß es durch einen etwas, ich möchte sagen groben, anschaulichen Vergleich charakterisieren —, ein Huhn sitzt auf den Eiern, und die Brutwärme von dem Huhn strahlt aus über die Eier, die darunter sind. Und wenn Sie sich nun denken die Tätigkeit dieser Brutwärme, die von dem Huhn in die Eier strahlt, um da die Eier zum Ausreifen zu bringen, diese Tätigkeit der Wärme, dieses Strahlen der Wärme von dem Huhn in die Eier hinein, dann haben Sie einen Begriff von dem Zeitwort, das da steht und uns sagt, was der Geist im Wärmeelemente tut. Es wäre natürlich durchaus ungenau ausgedrückt, wenn man sagen würde, der Geist der Elohim «brütet», weil nicht das gemeint ist, was man sich heute unter der sinnlichen Tätigkeit des Brütens vorstellt; es ist vielmehr die Aktivität der ausstrahlenden Wärme damit gemeint. So wie die Wärme vom Huhn strahlt, so strahlte in die anderen elementarischen Zustände, in den luftförmigen und den wäßrigen, durch das Wärmeelement der Geist der Elohim hinein. Wenn Sie sich das denken, dann haben Sie das Bild dessen, was gemeint ist, wenn gesagt wird: «Und der Geist der Elohim brütete über den Stoffmassen, über den Wassern.»

Nun haben wir aber auch bis zu einem gewissen Grade uns das Bild konstruiert, das vor der Seele des althebräischen Weisen schwebte, wenn er an diesen Urzustand dachte. Wir haben uns konstruiert einen Komplex, der in der Art, wie ich Ihnen das tohu wabohu charakterisiert habe, sozusagen kugelig ineinanderwogende Wärme, Luft und Wasser hatte, von dem sich abgesondert hatte alles lichtartige Element in dem haschamajim, und wir haben dieses Ineinanderwogen der elementarischen drei Zustände von Finsternis innerlich durchsetzt. Wir haben in dem einen Element, in dem Wärmehaften, wogend und webend das Geisthafte der Elohim, das nach allen Seiten mit der sich verbreitenden Wärme wie wogend sich selber verbreitet und zur Reifung bringt, was zunächst unreif ist in dem finsteren Elemente.

So stehen wir, wenn wir bis zum Ende dieses Satzes kommen, der gewöhnlich angedeutet wird mit den Worten: «Und der Geist der Elohim brütete über den Wassern», sozusagen innerhalb einer Charakteristik dessen, was im ersten Vers der Bibel in dem ha'arez angedeutet wird mit dem Worte «Erde». Wir haben charakterisiert, was da sozusagen zurückgeblieben ist, nachdem das haschamajim abgezogen war.

Fassen wir jetzt noch einmal die früheren Zustände ins Auge. Wir können zurückgehen von der Erde zum Mondenzustand, zum Sonnen- und zum Saturnzustand. Gehen wir einmal zum alten Sonnenzustand zurück. Wir wissen, daß damals von einer Trennung des heute Erdenhaften von dem Sonnenhaften noch nicht die Rede sein konnte, also auch nicht davon, daß das Erdenhafte von außen vom Lichte bestrahlt wird. Das ist ja das Wesentliche unseres Erdenlebens, daß das Licht von außen kommt, daß die Erde von außen bestrahlt wird. Sie müssen sich die Erdkugel eingeschlossen in die Sonne denken, einen Teil der Sonne selber bildend und also nicht Licht empfangend, sondern selber zu demjenigen Wesen gehörend, das Licht in den Raum hineinstrahlt, dann haben Sie den alten Sonnenzustand. Dieser alte Sonnenzustand ist nur dadurch zu charakterisieren, daß man sagt: alles Erdenhafte ist nicht ein Lichtempfangendes, es gehört zu dem Lichtverbreitenden, es ist selber eine Lichtquelle.

Fassen Sie jetzt den Unterschied ins Auge! Der alte Sonnenzustand: die Erde beteiligt sich an der Ausstrahlung des Lichtes; der neue Zustand, der Erdenzustand: die Erde beteiligt sich nicht mehr daran. Die Erde hat aus sich herausgehen lassen alles das, was lichtverbreitend ist. Sie ist darauf angewiesen, von außen das Licht zu empfangen. Das Licht muß in sie einstrahlen. Das ist der charakteristische Unterschied des neuen Erdenzustandes im Laufe der Entwickelung von dem alten Sonnenzustand. Mit der Abtrennung des Sonnenhaften, des haschamajim, ist mitgegangen das Lichthafte. Das ist jetzt außerhalb der Erde. Und das elementarische Dasein, das im ha'arez durcheinanderwogt als tohu wabohu, das hat keinen eigenen Lichtzustand, das hat nur etwas, was man nennen kann «durchbrütet sein von dem Geist der Elohim». Aber das machte es nicht in sich selber hell, das ließ es in sich dunkel.

Fassen wir jetzt das Ganze des elementarischen Daseins noch einmal ins Auge. Sie wissen ja aus früheren Vorträgen: Wenn wir das, was wir die elementarischen Zustände nennen, innerhalb unseres Erdendaseins aufzählen, so fangen wir mit dem Festen an, gehen dann nach dem Wäßrigen, nach dem Gas- oder Luftförmigen und nach dem Wärmeelemente. Damit haben wir sozusagen die dichtesten Stoffzustände angegeben. Aber damit sind diese Zustände noch nicht erschöpft. Wenn wir weiter hinaufgehen, so finden wir feinere Zustände, die nicht viel charakterisiert sind, wenn man sie als «feinere Stofflichkeit» bezeichnet. Es kommt darauf an, daß wir sie als feinere Zustände gegenüber den gröberen des Gasigen, Wärmehaften und so weiter erkennen. Man nennt sie gewöhnlich ätherische Zustände. Und wir haben ja immer unterschieden in diesen feineren Zuständen als erstes das Lichthafte. Wenn wir also von der Wärme hinuntergehen ins Dichtere, kommen wir zum Gasigen, wenn wir weiter hinaufgehen, zum Lichthaften. Wenn wir noch weiter hinaufgehen von dem Lichthaften, so kommen wir zu einem noch feineren Ätherzustand; dann kommen wir schon zu etwas, was eigentlich in der gewöhnlichen Sinneswelt nicht unmittelbar gegeben ist. Es ist uns in der Sinneswelt nur ein äußerer Abglanz gegeben von dem, was wir bezeichnen können als einen feineren Ätherzustand gegenüber dem Lichtäther. Okkultistisch kann man davon sprechen, daß die Kräfte in diesem feineren Äther dieselben sind, welche das chemische Anordnen, das Ineinanderfügen der Stoffe dirigieren, das Organisieren des Stoffes in der Art, wie man es etwa ausdrücken kann, wenn man auf eine Platte feinen Staub legt, die Platte dann mit einem Violinbogen streicht und so die sogenannten Chladnischen Klangfiguren bekommt. Was der grobe sinnliche Ton da bewirkt in dem Staub, das geschieht überhaupt im Raum. Der Raum ist in sich differenziert, wird durchwogt von solchen Kräften, die feiner sind als die Lichtkräfte und die im Geistigen das darstellen, was im Sinnlichen der Ton ist. So daß wir von einem chemischen oder Klangäther als einem feineren Elemente sprechen können, wenn wir aufwärtsgehen von der Wärme zum Licht, von da zu diesem feineren Äther, der die Kräfte enthält, die den Stoff differenzieren, trennen und zusammenfügen, der aber in Wirklichkeit tonartige, klangartige Wesenheit hat, von dem der sinnliche Klang, den das sinnliche Ohr hört, nur ein äußerer Ausdruck, nämlich ein durch die Luft hindurchgegangener Ausdruck ist. Das bringt uns nahe diesem feineren Elemente, das oberhalb des Lichtes liegt. Wenn wir also davon sprechen, daß mit dem haschamajim das sich äußerlich Offenbarende herausgetreten ist aus dem ha'arez, dann müssen wir uns nicht nur das durch das Lichthafte sich Offenbarende denken, sondern auch das, was sich offenbart durch das feinere Ätherhafte des Klanghaften, des Tonhaften, das dieses Licht wiederum durchsetzt.

Ebenso wie wir von der Wärme abwärtsgehen zu dem Gasigen und von da zum Wässerigen, so können wir nach aufwärts von der Wärme zum Licht, vom Licht zum Tonhaften, zum chemisch Ordnenden gehen. Und vom Wässerigen können wir nach abwärts schreiten zum Erdigen. Wohin kommen wir nun, wenn wir von dem Klanghaften zu noch feinerem, höherem Ätherischen steigen, das also wiederum mit dem haschamajim hinausgegangen ist? Da kommen wir zu etwas, was sozusagen als der feinste ätherische Zustand wiederum webt in dem eben beschriebenen Ton- oder Klanghaften, in dem chemisch Ordnenden. Wenn Sie das geistige Ohr richten nach diesem Ätherzustand, den ich eben beschrieben habe, dann hören Sie natürlich nicht einen äußeren Luftklang, aber Sie hören den Ton, der den Raum differenziert, der ihn durchsetzt und die Materien ordnet, wie der Ton, der durch den Bogen an der Platte hervorgerufen wird, die Chladnischen Klangfiguren ordnet. Aber in dieses Dasein hinein, das durch den Klangäther geordnet ist, ergießt sich eben der höhere Ätherzustand. Der durchdringt, durchsetzt das Klangätherische so, wie in uns den Klang, den unser Mund ausspricht, der Sinn des Gedankens durchdringt, das was den Klang zum Worte macht. Das fassen Sie ins Auge, was den Klang zum sinnvollen Worte macht, dann bekommen Sie eine Vorstellung von dem, was den Klangäther durchwebt als das feinere ätherische Element, was kosmisch durchwebt und Sinn gibt dem ordnenden Weltenklang: das den Raum durchwogende Wort. Und dieses den Raum durchwogende Wort, das sich hineinergießt in den Klangesäther, das ist zu gleicher Zeit der Ursprung des Lebens, das ist wirklich webendes, wogendes Leben. Das also, was mit dem haschamajim herausgezogen ist aus dem ha'arez, was in das Sonnenhafte gegangen ist gegenüber dem anderen, Niederen, dem Erdenhaften, gegenüber dem tohu wabohu, das ist etwas, was sich äußerlich ankündigen kann als Lichthaftes. Hinter diesem steht aber ein geistig Klanghaftes, hinter diesem das kosmische Sprechen. Deshalb dürfen wir sagen: In der brütenden Wärme lebt sich zunächst aus das niedrige Geistige der Elohim, so wie etwa unsere Begierden sich in unserem niederen Seelenhaften ausleben. Das höhere Geistige der Elohim, das ist hinausgegangen mit dem haschamajim, das lebt im Lichthaften, geistig Klanghaften, geistig Worthaften, in dem kosmischen Worte. Alles das, was in dieses Sonnenhafte hinausgegangen ist, das kann allein von außen wieder hereinstrahlen in das tohu wabohu.

Versuchen wir jetzt, uns das Ganze bildhaft vor Augen zu führen, was vor der Seele des althebräischen Weisen schwebte als das ha'arez, das haschamajim. Was da als geistig Lichthaftes, Klanghaftes, Sprechendes, Wortbildendes hinausgezogen ist, wenn das wiederum hereinstrahlt, wie wirkt es dann? Es wirkt wie ein aus dem Sonnenhaften heraus sich sprechendes Licht, als ein Licht, hinter dem das kosmische Sprechen steht. Also denken wir uns alles das, was wir im tohu wabohu gegeben haben in seiner Finsternis, in seinem Durcheinanderwogen des Wärmehaften, des Gasigen, des Wässerigen, denken wir es in seiner sozusagen lichtverlorenen Finsternis. Und nun denken wir uns aus der Tätigkeit der Elohim heraus von außen einstrahlen durch das schöpferische Wort, das als die höchste Äther-Entität zugrunde liegt, von außen hereinstrahlen mit dem Licht das, was aus dem Wort herausströmt. Wie soll man das bezeichnen, was da vorgeht? Man kann es nicht treffender bezeichnen, als wenn man das monumentale Wort hinstellt, das besagt: Die Wesenheiten, die mit dem haschamajim ihr Höchstes in das Ätherische hinausgetrieben hatten, erstrahlten zurücksprechendes Licht aus dem Weltenraum in das tohu wabohu hinein! — Damit haben Sie den Tatbestand dessen gegeben, was in den monumentalen Worten liegt: Und die Götter sprachen: Es werde Licht! und es ward Licht in dem, was Finsternis war, in tohu wabohu. — Da haben Sie das Bild, das dem althebräischen Weisen vorschwebte.

So müssen wir uns die Wesenheit der Elohim über den ganzen Kosmos ausgedehnt denken, diesen ganzen Kosmos uns wie den Leib denken; das, was das elementarische Dasein ist in dem tohu wabohu als die niedrigste Gestalt des Leiblichen, das Wärmehafte als etwas höhere Gestalt, als die Gestalt des höchsten Geistigen das haschamajim, das hinausgegangen ist und jetzt von außen herein schaffend wirkt in die ganze Gestaltung des tohu wabohu.

Nun können Sie sagen: Damit führst du uns eigentlich vor, daß durch das kosmisch gesprochene lichtstrahlende Wort das tohu wabohu, das Durcheinanderwogen des Elementarischen, geordnet wurde, zu dem gemacht wurde, was es später wurde. Von wo aus wird nun aber die menschliche Gestalt organisiert? — Es kann keine solche menschliche Gestalt geben, wie wir sie haben, die auf zwei Beinen aufrecht geht, die die Hände gebraucht, wie wir sie gebrauchen, ohne daß sie von den im Gehirn veranlagten und von dort ausstrahlenden Kräften organisiert wird. Von den höchsten geistigen Kräften, die da ausstrahlen von unserem Geistigen, wird unsere Gestalt organisiert. Immer wird das Niedrige von dem Höheren organisiert. So wurde das ha'arez gleichsam als der Leib der Elohim, als das Niedrige, von dem höheren Leiblichen, von dem haschamajim und dem darin wirkenden Geistigen der Elohim organisiert. Also von dem, was hinausgegangen ist, nimmt das höchste Geistige der Elohim Besitz und organisiert es, wie es sich ausdrückt in den Worten: «Das durch das kosmische Sprechen sich offenbarende Licht strömt ein in die Finsternis.» Dadurch wird das tohu wabohu organisiert, aus der Unordnung der Elemente herausgehoben. Wenn Sie sich also denken in dem haschamajim gleichsam den Kopf der Elohim und in dem Elementarischen, das zurückgeblieben ist, den Rumpf und die Gliedmaßen, und durch die Macht des Kopfes nunmehr organisiert Rumpf und Gliedmaßen, das Elementarische, dann haben Sie den tatsächlichen Vorgang, dann haben Sie gleichsam den Menschen vergrößert zum Kosmos; und in diesem Kosmos wirkt er organisierend von den Organen des Geistes aus, die im haschamajim liegen. Einen sich organisierenden makrokosmischen Menschen, das dürfen wir uns als ein Bild vor die Seele malen, wenn wir uns all die Kräftestrahlungen denken, die von dem haschamajim nach dem ha'arez herunterströmen.

Und jetzt fassen wir einmal unseren heutigen Menschen auf, um uns das Bild noch genauer vor die Seele malen zu können. Fragen wir uns einmal: Ja, wodurch ist denn der Mensch für die Geisteswissenschaft — nicht für die dilettantische Wissenschaft von heute — so geworden, wie er heute ist? Wodurch hat er denn die bestimmte Gestalt, die ihn ja doch unterscheidet von allen übrigen Lebewesen in seiner Umgebung; was macht ihn denn eigentlich zum Menschen? Was webt denn da durch diese menschliche Gestalt hindurch? — Es ist ungeheuer leicht, wenn man sich keine Binde vor die Augen legt, zu sagen, was den Menschen zum Menschen macht. Dasjenige, was er hat und alle übrigen Wesen um ihn herum im irdischen Dasein nicht haben, die Sprache, die in Lauten zum Vorschein kommt, das macht ihn zum Menschen. Denken Sie sich die tierische Gestalt. Wodurch kann sie zur Menschengestalt herauforganisiert werden? Was muß hineinschlagen in sie, damit sie zur menschlichen Gestalt wird? Stellen wir die Frage so: Denken wir uns eine tierische Gestalt, und wir müßten sie mit etwas durchströmen, mit einem Hauch durchströmen — was müßte dieser Hauch enthalten, daß dadurch diese Gestalt anfangen würde zu sprechen? — Sie müßte innerlich sich so organisiert fühlen, daß sie Lauthaftes von sich ausstrahlte! Das Lauthafte schafft aus der tierischen Gestalt die menschliche Gestalt.

Wie kann man daher den Kosmos sich bildhaft vorstellen, innerlich erfühlen? Wie kann man alles das, was ich Ihnen in Bildern vor die Seele geschrieben habe, in umständlicher Weise Bild für Bild aus dem Elementarischen herauskonstruiert habe, wie kann man das erfühlen, wie kann man die Gestalt des makrokosmischen Menschen gleichsam innerlich erfühlen? Wenn man anfängt zu fühlen, wie der Laut in die Gestalt schießt! Man lerne fühlen am Laut A, wenn er dahinsaust durch die Luft, nicht bloß den Ton, man lerne fühlen, wie sich dieser Laut gestaltet, so wie sich der Staub gestaltet durch den Ton des Fiedelbogens, der die Platte streicht. Man lerne fühlen das A und lerne fühlen das B, wie sie durch den Raum hinweben! Man lerne sie nicht bloß als Lautstrahl fühlen, sondern als sich Gestaltendes, dann fühlt man so, wie der althebräische Weise fühlte, wenn er sich in Lauten anregen ließ zu den Gestalten der Bilder, die ich Ihnen hingestellt habe vor das geistige Auge. So wirkte der Laut. Deshalb mußte ich sagen: Das Bet regte an etwas sich Umschließendes, etwas wie ein Gehäushaftes, etwas sich Abschließendes und im Inneren einen Inhalt Einschließendes. Dasjenige, was mit dem Resch angedeutet wurde, das regte an etwas, was man fühlte, wie man sich fühlt, wenn man sein Haupt fühlt. Und das Schin regte etwas an, was ich bezeichnete mit dem Aufstacheln. — Das ist eine durchaus objektive Sprache, eine Sprache, die in ihrer Lauthervorbringung sich zum Bilde kristallisiert, wenn die Seele sich von ihr anregen läßt. Daher liegt auch in diesen Lauten selber die hohe Schule, die den Weisen hinführte zu den Bildern, die sich vor die Seele des Sehers drängen, wenn er ins Übersinnliche hineintritt. So setzt sich Laut in Geistgestalt um und zaubert vor die Seele Bilder, welche sich so zusammenfügen, wie ich es Ihnen beschrieben habe. Das ist das ungeheuer Bedeutsame an dieser alten Urkunde, daß sie in einer Sprache erhalten ist, welche in ihren Lauten gestaltenschaffend ist, deren Laute sich in der Seele kristallisieren zu Gestalten. Und diese Gestalten sind die Bilder, die man gewinnt, wenn man zum Übersinnlichen vordringt, aus dem sich das Sinnliche unseres physischen Erdenplanes herausentwickelt hat. Wenn man das ins Auge faßt, dann gelangt man dazu, jene tiefe, ungeheure Scheu und Ehrfurcht zu empfinden vor dem, wie die Welt sich entwickelt, und man lernt empfinden, wie es wahrhaft kein Zufall ist, daß dieses große, dieses urgewaltige Dokument des Menschendaseins gerade in dieser Schrift uns übermittelt ist, in einer Schrift, die in ihren Charakteren selber imstande ist, den Geist in der Seele bildhaft zu erwecken und uns hinzuführen zu dem, was der Seher in unserer Zeit wiederum herausholen soll. Das ist die Empfindung, die der Anthroposoph sich aneignen sollte, wenn er sich dieser alten Urkunde nähert, die am Ausgangspunkte des Alten Testamentes steht.




Zuletzt aktualisiert: 05-Oct-2019
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