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Die soziale Frage

Online seit: 15th November, 2017

WELCHEN SINN HAT DIE ARBEIT

DES MODERNEN PROLETARIERS?

Konzept für den öffentlichen Vortrag vom 8. März 1919 in Zürich

1.   Als dieser Vortrag angekündigt wurde, wird mancher gefragt haben: woher kommt dieser, der da reden will? Und aus der Antwort, die aus verschiedenen Gesichtspunkten darauf gegeben wurde, könnte die Meinung entstanden sein: von dieser Seite hat man genug gehört.

2.    Ich werde nicht von Verständigung reden. Denn ich bin mit denen einverstanden, die nichts von dem halten, was von vielen Seiten jetzt um der Verständigung willen geredet wird.

3.    Durch mehr als ein halbes Jahrhundert konnten die bisher herrschenden Menschenklassen sehen, wie sich eine Bewegung gestaltete, die in sich Menschen vereinigte, welche ihnen zuriefen: ihr habt im Laufe der neueren Zeit die Führung gehabt, was da ist als soziale Ordnung: ihr habt es gemacht. Doch wir sagen euch: so geht es nicht weiter. Doch die so gerufen haben: sie haben wenig Verständnis gefunden. Und jetzt: der sogenannte Weltkrieg. Er hat diese Bewegung in einem neuen Lichte gezeigt. Er hat aber auch das Unvermögen gezeigt, mit den Gedanken, welche sich die herrschenden Klassen über die Gesellschaft gebildet haben, weiter zu wirtschaften. Die soziale Bewegung während dieser Katastrophe.

4.    Es sind Bewegungen innerhalb dieser führenden Klassen entstanden. Unter den verschiedensten Namen. Doch ihnen allen konnten diejenigen, welche durch ihre soziale Lage selbst zur Entwickelung einer sozialen Bewegung gekommen waren, kein Vertrauen entgegenbringen. Sie mußten ihnen sagen: ihr denkt aus eurer Klasse heraus. Was gedacht werden muß zur Gesundung der Zustände, kann nicht von denen gefunden werden, welche an der Gestaltung dieser Zustände mitgewirkt haben. Nur diejenigen können eine Vorstellung von dem haben, was zu geschehen hat, die nicht von euren Vorurteilen angesteckt sind, die belehrt sind durch dasjenige, was ihnen ihre soziale Lage lehren kann.

5.    Wie sich die Verhältnisse gebildet haben. Der moderne Proletarier hat sich eine Wissenschaft ausgebildet. Die leitenden Kreise haben sich nur langsam zu manchem bequemt.

6.     Die Frage nach der Bedeutung der menschlichen Arbeitskraft steht hinter allem. Sie steckt so dahinter, daß sie eine Frage der Menschenwürde ist. Die Arbeitskraft als Ware.

7.    Allein da muß die Sache in der richtigen Weise angesehen werden. Es muß gesehen werden, daß die Arbeitskraft niemals eine Ware sein kann. Und weil man sie dazu gemacht hat, steckt man in einerLebenslüge. — Der Arbeiter sieht sich dem Kapitalbetrieb gegenüber und einem Wirtschaftsleben, das seine Arbeitskraft zur Ware macht.

8.     Es ist, um diese Lebenslüge aufrecht zu erhalten, oft davon gesprochen worden: Thron und Altar müssen die soziale Ordnung erhalten. Aber wird dem, was bedrückt, abgeholfen, wenn an die Stelle tritt: Maschine und Kontor?

9.    Wird ein Gedeihliches kommen, wenn dem modernen Staate als Rahmen ein anderes Wirtschaftssystem eingefügt wird?

9a. Alles Vertrauen wird der Organisierung des Wirtschaftslebens entgegengebracht. Man frägt nur: wie soll dieses sozialisiert werden?

10.    Es kann nur helfen: die Gliederung des sozialen Organismus. Nicht die Verschmelzung. Eingesehen muß werden: die Tatsache, daß Geistesleben nur gedeihen kann, wenn es befreit ist. Rechtsleben, wenn es nicht von den Interessen des Wirtschaftskreislaufes bestimmt wird. Wirtschaftsleben nur, wenn es nicht Gewalt entwickeln kann, weil es auf sich selbst angewiesen ist.

11.    Das Kapital kann nur in einem freien Geistesleben wirken. Denn es ist nicht durch das Wirtschafts- oder das Rechtsleben zu dem geworden, was es ist, sondern durch die individuellen Fähigkeiten der Menschen. Die Arbeitskraft kann nur von dem Rechtsstaate aus geregelt werden, denn sie wird zur Beute der Gewalt, wenn nur das Wirtschaftsleben sie regelt.

12.     Es kommt darauf an zu verstehen: umzudenken ist notwendig. —

 



Zuletzt aktualisiert: 30-Aug-2020
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