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Das Initiaten-Bewußtsein

Schmidt-Nummer: S-5872

Online seit: 31st May, 2010

SECHSTER VORTRAG
Torquay, 16. August 1924

Initiationserkenntnisse

Das Tagwachen und das Traumbewußtsein

Tafel 7, 16. August 1924

Von verschiedenen Bewußtseinszuständen, die aus den Kräften der Menschenseele heraus zu entwickeln möglich sind, habe ich Ihnen gesprochen. Und dasjenige, was man Initiationserkenntnis nennt, hängt davon ab, daß durch die verschiedenen Bewußtseine Erkenntnisse von der Welt geschaffen werden.

Nun wollen wir uns heute eine Vorstellung davon verschaffen, wie der Mensch durch diese verschiedenen Bewußtseine in Verbindung stehen kann mit der Welt. Stellen wir uns zunächst noch einmal vor das Auge, daß für das heutige Zivilisationsleben, für alles dasjenige, was die Menschheit heute anerkennt in bezug auf Wirklichkeit, in bezug auf Dasein, eigentlich nur ein Bewußtseinszustand besteht, das ist derjenige des wachen Tageslebens. Es sind außer diesem wachen Tagesleben für den Menschen heute in unserem Weltenzyklus, können wir sagen, ja noch zwei andere Bewußtseinszustände vorhanden. Die aber können zunächst nicht als unmittelbar maßgebend für irgendeine Erkenntnis angesehen werden. Es ist der Zustand des Traumbewußtseins, in dem der Mensch heute nur Reminiszenzen an das Tagesleben erlebt oder auch kleine Durchbrüche aus dem geistigen Leben heraus. Aber im gewöhnlichen Traumleben sind sowohl die Reminiszenzen an das Tagesleben, wie auch die Durchbrüche, die Offenbarungen aus der geistigen Welt heraus so entstellt, so in einzelne ungleiche Bilder und Symbole getaucht, daß daraus keine Erkenntnis zu gewinnen ist.

Wenn wir uns mit Hilfe der Initiationswissenschaft die Frage beantworten wollen: Worinnen lebt denn der Mensch eigentlich, wenn er träumt? — so stellt sich eine solche Antwort folgendermaßendar: Der Mensch, wie er im gewöhnlichen Leben dasteht, trägt in sich erstens seinen physischen Leib, denjenigen, den heute die Sinne sehen, den die Wissenschaft der Anatomie, der Physiologie, der Biologie betrachtet (siehe Zeichnung, hell). — Das ist das erste Glied der Menschennatur, das jeder zu kennen glaubt, aber — wie wir noch sehen werden — heute eigentlich am wenigsten wirklich kennt.

Als zweites Glied der Menschennatur — Sie können es genauer in meinen Büchern, namentlich in der «Theosophie» lesen —, als zweites Glied hat der Mensch den Ätherleib, den Bildekräfteleib, eine feine Organisation, die nicht mit Augen gesehen werden kann, die erst gesehen werden kann, wenn der Mensch das erste Bewußtsein ausbildet, von dem ich in diesen Tagen gesprochen habe, das folgen kann dem Toten in den nächsten Jahren nach dem Tode. Dieser Ätherleib oder Bildekräfteleib (orange), der steht in einer viel innigeren Verbindung mit dem Kosmos als der physische Leib, der in seiner ganzen Organisation mehr selbständig ist.

 Abbildung 1
Abbildung 1
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Dann hat aber der Mensch ein drittes Glied in seiner Organisation, das man selbstverständlich nennen kann, wie man will; aber mit Anlehnung an alte Terminologien nennen wir es astralischen Leib(grün). Das ist eine Organisation, die nicht mit Sinnen wahrgenommen werden kann, die aber auch nicht so wahrgenommen werden kann, wie der Ätherleib wahrgenommen wird. Wenn man mit denjenigen Erkenntniskräften, mit denen man die äußere, heute angeschaute Natur wahrnimmt, und auch mit den Erkenntniskräften, die ich als die des nächsthöheren Bewußtseins beschrieben habe, mit dem man den Toten folgt, wenn man mit alledem den astralischen Leib wahrnehmen wollte, so würde man da, wo der astralische Leib des Menschen ist, nichts anderes als die Leere, das Nichtsein wahrnehmen.

So kann man also [zur Tafel gewendet] sagen: Der Mensch trägt in sich seinen physischen Leib, er ist sinnlich wahrnehmbar. Der Mensch trägt in sich seinen Ätherleib (orange); er ist imaginativ wahrnehmbar, er ist wahrnehmbar durch die Kräfte, die wir uns in der geschilderten Weise durch die Meditation, durch die Konzentration erwerben können. Aber wenn wir mit all diesen Kräften an den Menschen herantreten, nehmen wir von seinem astralischen Leib nur wahr die Leere, ein räumliches Nichts, wie ein Loch, ein allseitig geschlossenes Loch, das in den Raum hineingestellt ist (grün). Erst dann, wenn man, wie ich es geschildert habe, zum leeren wachenden Bewußtsein kommt, wenn man also sich in völlig wachem Zustande der Welt so gegenüberstellen kann, daß man nichts vom Sinnlichen wahrnimmt, daß auch das Denken und die Erinnerungen schweigen, man aber doch eine Welt wahrnimmt, dann füllt sich diese Leere aus, und wir wissen, wir haben in dieser Leere das erste Geistige in uns, den astralischen Leib des Menschen.

Ein weiteres Glied der menschlichen Organisation ist das eigentliche Ich (rot). Dieses Ich nehmen wir nur wahr, wenn das leere Bewußtsein weiter und weiter entwickelt wird. Nun ist es beim Träumenden so, daß er abgesondert von sich liegen hat im Bette den physischen Leib und den Ätheroder Bildekräfteleib; abgesondert davon, in der geistigen Welt sind der astralische Leib und das Ich. Aber wir können ja mit dem astralischen Leib und mit dem Ich, wenn wir nur das gewöhnliche Bewußtsein haben, nicht wahrnehmen. Wodurch nehmen wir denn äußere Eindrücke in der gewöhnlichen Welt wahr, die wir zwischen Geburt und Tod durchleben? Dadurch, daß wir

Augen in dem physischen Leibe eingesetzt haben, dadurch, daß wir Ohren in dem physischen Leibe eingesetzt haben. So wie der Mensch heute in der Weltenevolution ist, hat er im gewöhnlichen Leben keine entsprechenden Organe, keine Augen, keine Ohren in dem astralischen Leib oder in dem Ich eingesetzt. Er geht also heraus aus seinem physischen und ätherischen Leib zum Träumen, gerade so, wie wenn er im physischen Leib, in der physischen Welt gar keine Augen und keine Ohren an sich hätte, es also finster und stumm um ihn wäre. Aber es ist doch nicht so, daß immer dieser astralische Leib und dieses Ich ohne Organe, ohne — natürlich sind sie dann seelisch gemeint — Augen und Ohren bleiben müssen. Gerade durch jene Seelentrainierung, von der ich in meinen Büchern gesprochen habe, können in den astralischen Leib und in die Ich-Organisation Organe hineinkommen, Seelenaugen, Seelenohren und so weiter. Dann kann der Mensch durch Trainierung, durch Übungen solches erreichen. Dann tritt eben bei ihm die Möglichkeit ein, durch Initiationsanschauung in die geistige Welt hineinzuschauen. Dann tritt er aus seinem physischen und aus seinem Ätherleib heraus und sieht das Geistige, wie er im physischen und Ätherleib das Physische und auch in einem gewissen Sinne das Ätherische schaut. Das tritt ein bei demjenigen Menschen, der dann die Initiation besitzt.

Beim gewöhnlichen Träumer, wie ist es denn da? Nun, stellen Sie sich einmal ganz lebendig vor, wie es mit dem Einschlafen geht. Physischer Leib (siehe Zeichnung, hell), Ätherleib (orange) bleiben im Bette liegen. Der astralische Leib (grün), die Ich-Organisation (rot) treten heraus. Ich muß natürlich schematisch zeichnen. Jetzt ist in dem Momente, wo dieses stattfindet, im astralischen Leibe noch ein völliges Mitvibrieren mit dem physischen Leibe und mit dem Ätherleibe vorhanden. Sehen Sie, der Astralleib geht heraus. Er hat alles mitgemacht, was Augen, Ohren, was der Wille in der Bewegung im physischen Leib, im Ätherleib vom Morgen bis zum Abend an innerer Tätigkeit ausgeführt haben. Der Astralleib und das Ich haben alles das mitgemacht. Jetzt gehen sie heraus. Da zittert das alles noch nach, da ist das alles noch drinnen. Aber indem die Tageserlebnisse hier (siehe Zeichnung S. 117: Punkte werden eingezeichnet) nachzittern, stoßensie ja an die geistige Welt, die ringsherum ist, überall an, und es entsteht ein chaotisch ungeordnetes Ineinanderwirken zwischen der Tätigkeit der äußeren geistigen Welt und dem, was da im astralischen Leib nachzittert, ein ungeordnetes Chaos. Das ist eine Tautologie; also es entsteht ein Chaos. Und der Mensch ist noch drinnen in alledem, was da entsteht, und wird es gewahr. Es macht auf ihn einen Eindruck, was er sich mitgebracht hat. Es zittert nach. Es wird Traum. Aber daß nicht viel gegenüber der Wirklichkeit damit anzufangen ist, das sehen Sie ja doch ein.

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Abbildung 2
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Wie ist es beim Initiierten? Der Initiierte ist in der Lage, wenn er da (es wird auf die Zeichnung gezeigt) herauskommt, sogleich alles das zu unterdrücken, was an Reminiszenzen, an Nachzittern aus dem physischen Leib und Ätherleib da ist. Also er unterdrückt dasjenige, was aus dem physischen und dem Ätherleib heraus da ist. Außerdem hat er durch die Meditation und Konzentration und durch die Entwickelungdes leeren Bewußtseins die Möglichkeit, Seelenaugen, Seelenohren zu haben. Er nimmt jetzt nicht das, was in ihm vorgeht, wahr, sondern das, was äußerlich in der geistigen Welt vorgeht. Statt der Träume treten Wahrnehmungen der geistigen Welt auf. So daß wir sagen können: Das Traumbewußtsein ist ein chaotisches Gegenbild geistiger Wahrnehmungen.

Nun ist es bei dem Initiaten so, daß, wenn er zunächst auf den ersten Stufen diese inneren astralischen Organe, astralisches Sehen, astralisches Hören ausgebildet hat, daß er dann fortwährend in einer Art Kampf drinnensteht, in einem Kampfe, der darin besteht, gerade diese Reminiszenzen, dieses Nachzittern aus dem physischen und dem Ätherleibe zu unterdrücken. Man muß fortwährend dagegen kämpfen, wenn man in die imaginative Welt, in das Anschauen des Geistigen hineinkommt, daß die Träume sich geltend machen. Da ist ein fortwährendes Ineinanderspielen von dem, was traumhaft werden will, von dem, was einen täuschen will, und von demjenigen, was die Wahrheit der geistigen Welt darstellt.

Diesen Kampf lernt schließlich jeder zu Initiierende kennen. Er lernt kennen, wie in dem Momente, wo er sich erkennend hineinversetzen will in die geistige Welt, immer wieder und wiederum die Nachbilder der physischen Welt auftreten, wie etwas heraufkommt, was wie störende Bilder sich hinstellt vor die reinen Bilder der geistigen Welt. Und nur Geduld, Ausdauer können dasjenige überwinden, was da als ein starker innerer Kampf auftritt. Wenn man leichtsinnig zufrieden ist damit, daß das Bewußtsein mit Geistesbildern ausgefüllt wird, dann wird man sich sehr leicht in eine illusionäre Welt hineinträumen können, statt in die Welt geistiger Wirklichkeit hineinzukommen. Es ist für den wirklich zu Initiierenden eine außerordentlich starke, vernünftige innere Haltung notwendig. Bedenken Sie nur, was das alles erfordert. Aber es muß, wenn über die Wege in die geistige Welt hinein, über die geistige Forschung geredet werden soll, eben auf solche Dinge durchaus aufmerksam gemacht werden.

Es ist auf der einen Seite notwendig, wenn man überhaupt an die geistige Welt herankommen will, wirkliche Begeisterung, wirklichen Enthusiasmus haben zu können für das Hineinkommen in die geistigeWelt. Ein innerliches Schlappsein, ein innerliches Gleichgültigsein, ein innerliches Trägesein verhindert einen daran. Und so ist auf der einen Seite notwendig, daß man eine innere Beweglichkeit hat, eine richtige innere Beweglichkeit, eine innere Aktivität. Das verleitet auf der anderen Seite dazu, ins Phantastische hineinkommen zu können, alles mögliche sich auszuphantasieren. So muß man auf der einen Seite die Anlage haben, die einen in die höchsten Höhen der Phantasie hinaufführen könnte, wenn man sich gehen lassen würde; auf der anderen Seite muß man einen nüchternen Sinn verbinden mit dem, was innere Aktivität, innere Beweglichkeit ist.

Beides muß man haben als Initiat. Läßt man sich nur gehen, so ist es nicht gut. Nimmt man sich philisterhaft durch seinen Intellekt in die Hand und will alles ausdenken, ist es auch wieder nicht gut. Man muß beides harmonisch ineinander verweben können. Man muß sozusagen auf der einen Seite die Anlage haben, ein rechter Träumer werden zu können, und zugleich immer die Möglichkeit, keiner zu werden. Im Status nascendi muß man immer die Möglichkeit in der Seele haben, in alles mögliche Beweglich-Phantasievolle aufzusteigen. Immer wiederum muß man, indem dieser Status eintritt, die Möglichkeit haben, sich ganz in innerer Haltung in der Hand zu haben. Man muß zugleich die Fähigkeit haben, ein phantasievoller Dichter sein zu können, und man muß die Fähigkeit haben, dem nicht nachgeben zu brauchen. Man muß sozusagen in jedem Momente, wo man erkennen will, auch die Möglichkeit haben, ein Drama, ein lyrisches Gedicht, alles mögliche zu schaffen. Aber man muß stoppen können dieses in die Phantasie Gehende und sich halten können bei jenen Kräften, die sonst nur im nüchternsten Leben ihre Bedeutung haben. Dann kommt man nicht in die Phantasie hinein, sondern in die geistige Wirklichkeit.

Auf diese innere Seelenverfassung kommt ungeheuer viel an bei der wirklichen Geistesschau. Daher ist es schon so, daß, wenn man auf der einen Seite den verständnisvollen Blick hinrichtet auf das Traumbewußtsein und es versteht als dasjenige, was chaotische Bilder aus der geistigen Welt heraufbringt, man auf der anderen Seite weiß, daß nun die ganze Kraft der Persönlichkeit hinein muß in diejenige Kraft der Seele, die sonst nur träumt, um geistige Erkenntnis zu haben. Dannerst bekommt man einen Begriff von dem, was es heißt, in die geistige Welt hineinzukommen. Ich sage, das Traumbewußtsein bringt das Geistige herauf. Es könnte scheinbar im Widerspruch stehen mit dem, daß das Traumbewußtsein ja auch Bilder aus dem Leibesleben heraufbringt. Aber der Leib ist nicht bloß leiblich, der Leib ist überall von Geistigkeit durchzogen. Und wenn einer davon träumt, daß eine vorzüglich duftende, Wohlgeschmack versprechende Mahlzeit vor ihm steht, und er eben daran geht — im Traume, meine ich —, diese Mahlzeit zu verzehren, trotzdem er nicht auch nur das Zehntel von dem in der Tasche hat an Geld, was diese Mahlzeit kosten würde, dann ist es so, daß in dem Symbol der Mahlzeit dennoch die wirklichen geistigen astralischen Inhalte der Verdauungsorgane sich im Bilde vor ihn hinstellen. Es ist doch im Traume immer der Geist, wenn es auch der Geist ist, der im Leiblichen sitzt. Der Traum bringt immer Geistiges herauf, aber eben sehr häufig das Geistige, das im Leiblichen sitzt. Das muß man erkennen.

Man muß erkennen, wenn man von Schlangen träumt, daß da die Verdauungsorgane in ihren Windungen sich symbolisieren, oder daß die Blutadern im Kopfe drinnen sich symbolisieren. Man muß in diese Geheimnisse eindringen. Also man kann nur eine Vorstellung bekommen von diesem Subtilen, Intimen, das sich in der Seele einstellen muß, wenn man durch die Initiationswissenschaft geistige Forschung anstellt, wenn man das alles wirklich auch im intimsten Sinne berücksichtigt.

Die Lebensalter als Auffassungsorgane

Der dritte Zustand, den der Mensch heute im gewöhnlichen Leben durchmacht, ist der traumlose Schlafzustand. Machen wir uns wieder klar, wie der Mensch ist im traumlosen Schlaf. Im Bette liegt der physische Leib und der ätherische Leib. Außerhalb des physischen Leibes und ätherischen Leibes ist der astralische Leib und die Ich-Organisation, das Ich. Das Nachzittern, die Reminiszenzen aus dem physischen und ätherischen Leibe haben aufgehört. Der Mensch istbloß in seinem Ich und in seinem astralischen Leibe in der geistigen Welt. Aber er hat keine Organe. Er kann nichts wahrnehmen. Alles ist ringsherum Finsternis. Er schläft. Das ist das Schlafdasein: leben im Ich und im astralischen Leibe, ohne daß man die reiche, die mächtige Welt, die ringsherum ist, wahrnehmen kann. Man stelle sich einen Blinden vor. Alle die Farben, alle die Formen, die Sie ringsherum durch Ihre Augen wahrnehmen, sind für ihn nicht da. Er schläft für Farben und Formen. Man kann nicht überhaupt schlafen, man kann nur für etwas schlafen.

Und jetzt stellen Sie sich einen Menschen vor, der in seinem astralischen Leibe und in seinem Ich da ist, aber in dem gar keine Organe sind. Er ist für alles Geistige schlafend. So ist der Mensch im traumlosen Schlafbewußtsein. Meditationen, Konzentrationen haben den Sinn, geistige Augen und Ohren in diesen astralischen Leib und in diese Ich-Organisation hineinzusetzen, und der Mensch beginnt, dasjenige, was in reichem Maße da ist, zu schauen, wahrzunehmen. Er nimmt geistig wahr. Gerade mit dem nimmt man geistig wahr, was im gewöhnlichen Bewußtsein die Welt verschläft. Das muß man innerlich aufrütteln durch Meditation und Konzentration. Das Unorganisierte, das man sonst in sich trägt, das muß man organisiert machen. Dann schaut man hinein in die geistige Welt. Und dann ist es so, daß man in dieser geistigen Welt so darinnen ist, wie man sonst durch Augen und Ohren in der physischen Welt darinnen ist. Und das ist eben die wirkliche, die reale Initiationserkenntnis. Man kann nicht durch äußere Maßnahmen den Menschen geeignet machen, das Geistige zu schauen. Man kann ihn nur dadurch geeignet machen, daß er sein Inneres wirklich organisiert, das sonst unorganisiert ist.

Nun aber war zu allen Zeiten in der Menschheitsentwickelung das Bestreben da, gewisse Menschen zur Initiation hinzubringen. Dieses Bestreben hat nur eine gewisse Unterbrechung erlitten in der ganz grob materialistischen Zeit vom 15. Jahrhundert bis zu unserer Gegenwart. Da haben die Menschen sozusagen vergessen, was die eigentliche Initiation ist und haben alles dasjenige, was sie wissen wollten, ohne die Initiation erreichen wollen und dadurch allmählich den Glauben bekommen, daß eigentlich nur die physische Welt sie angeht.Aber, was ist diese physische Welt in Wirklichkeit? Man lernt sie ja nicht kennen, wenn man sie nur als physische Welt kennt. Man lernt sie ja nur kennen, wenn man auch ihren Geist, den sie immer in sich trägt, wirklich erkennend auffassen kann. Dazu muß die Menschheit wieder gelangen. Das ist der Sinn des großen Wendepunktes in unserer Zeit, daß uns die Welt das Bild der Zerstörung, des Chaotischwerdens zeigt, daß aber für denjenigen, der einsichtig ist, in diesem Chaotischwerden, in diesem furchtbaren Wüten menschlicher Leidenschaften, die alles verdunkeln und die alles schließlich in die Dekadenz hineinbringen wollen, daß sich in alledem offenbart der Drang von geistigen Mächten, die dahinterstehen, um den Menschen in eine neue Geistigkeit hineinzuführen. Und in dem Hinhorchen auf diese Geistesstimme, die in unser materialistisches Dasein hineintönt, besteht eigentlich die Veranlagung für anthroposophische Geisteswissenschaft.

Ich sagte, zu allen Zeiten war das Bestreben vorhanden, die menschliche Organisation so zu entwickeln, daß sie in die geistige Welt hineinschauen kann. Aber verschiedene Bedingungen waren da. Wenn wir in sehr alte Zeiten der Menschheitsentwickelung zurückgehen, ja noch zurückgehen in solche Zeiten, wie ich sie Ihnen in diesen Tagen als die chaldäischen Zeiten geschildert habe, ja bis zu einem gewissen Grade sogar noch in solche Zeiten, denen Brunetto Latini angehört hat, so finden wir, daß die Menschen nicht so verwachsen waren mit ihrem physischen und Ätherleib wie heute. Heute stecken ja die Menschen ganz gründlich in ihrem physischen und Ätherleib drinnen. Sie müssen drinnenstecken, weil sie ja danach erzogen werden. Wie sollen denn schließlich die Menschen mit Geistern verkehren, wenn sie schon oftmals vor dem Zahnwechsel lesen und schreiben lernen müssen! Lesen und Schreiben, das erst im Laufe der Menschheitsentwickelung aus physischen Bedingungen heraus erfunden worden ist, das können nämlich die Engel nicht, das können die Geister nicht. Und wenn man sein ganzes Menschenwesen einrichtet auf dasjenige, was nur in der physischen Welt erfunden ist, dann hat man es natürlich schwer, herauszukommen aus dem, was physischer und Ätherleib ist.

Unsere Zeit ist in gewissem Sinne stolz darauf, alle Kultur so einzurichten, daß der Mensch nur ja nicht irgendwie etwas erleben kann, wenn er sich trennt von seinem physischen und Ätherleib. Ich will nicht schimpfen über diese Kultur. Ich will sie nicht kritisieren. Sie muß so sein, wie sie ist. Sie mußte heraufkommen. Ich werde auch darüber noch sprechen, was sie bedeutet, aber es ist eben so. Es waren in alten Zeiten der astralische Leib und das Ich auch beim Tagwachen viel, viel selbständiger gegenüber dem physischen Leib und Ätherleib, als sie heute sind. Dafür waren aber auch die Initiierten davon abhängig, daß sie von der Natur aus eine solche Selbständigkeit hatten. Allerdings, in sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung konnte in den Mysterien fast jeder initiiert werden. Man konnte jeden herausgreifen aus der Menschheit. Das war aber nur in sehr alten Zeiten, in den allerältesten Zeiten etwa der urindischen Kultur und der urpersischen Kultur.

Dann kamen die Zeiten, wo man schon darauf angewiesen war, diejenigen Menschen zur Initiation auszuwählen, welche leicht aus ihrem physischen und Ätherleib herauskamen, die eine relativ großeSelbständigkeit hatten für das Ich und für den astralischen Leib. Man war also von gewissen Bedingungen abhängig. Das hinderte nicht, daß man bei jedem sich bemühen konnte, ihn in der Initiation so weit zu bringen, wie er nur irgend gebracht werden konnte. Man tat das auch. Aber der Erfolg, der über ein gewisses Maß hinausging, hing vielfach davon ab, ob der Betreffende leichter oder schwerer in der Selbständigkeit seines Ich und seines astralischen Leibes war. Man war von Naturhaftem im Menschen, von Anlageartigem dennoch abhängig. Das ist deshalb so, weil der Mensch nun einmal in die Welt hereingestellt ist. So muß er auch in einer gewissen Weise von der Welt abhängig sein, solange er zwischen Geburt und Tod lebt.

Nun können Sie die Frage aufwerfen, ob denn der Mensch auch heute für die Initiation solchen Abhängigkeiten unterworfen ist. In gewissem Sinne ist er es. Und weil ich in diesen Vorträgen ganz klar, ganz erschöpfend sprechen möchte über die Wege, die richtig sind und die falsch sind in die geistige Welt hinein, möchte ich auch dieAbhängigkeiten, die heute bestehen für die Initiation, vor Sie hinstellen. Wollen wir uns alles klar vor die Seele stellen.

Sehen Sie, der alte Mensch war mehr von seinen naturhaften Anlagen abhängig, wenn er Initiat wurde. Der heutige Mensch kann eigentlich auch immer an die Initiation herangebracht werden, und es ist schon richtig, daß man immer durch entsprechende Seelentrainierung den astralischen Leib und die Ich-Organisation so gestalten kann, daß sie in die geistige Welt hineinschauen können, geistige Wahrnehmungen machen können. Aber mit Bezug auf die Vollständigkeit, die Vollkommenheit dieser Wahrnehmungen ist man auch heute von etwas abhängig. Da kommt etwas sehr Feines und Intimes in Betracht, und ich bitte Sie, sich nicht gleich ein abschließendes Urteil zu bilden über dasjenige, was ich heute sagen werde, bevor der Inhalt der nächsten Vorträge an Sie herangekommen sein wird. Ich kann das, was ich zu sagen habe, nur nach und nach charakterisieren.

Man ist heute nämlich in der Initiation in einem gewissen Sinne von seinem Lebensalter abhängig. Nehmen Sie einmal an, konkret gesprochen, man sei meinetwillen 37 Jahre alt geworden, wenn die Initiation an einen herantritt. Man habe also das Leben von der Geburt gelebt bis zum 37. Jahre und hat vor, dann weiter zu leben. Jetzt wendet man, in der Regel unter einer Führung oder unter freiem Lernen nach literarischer Anleitung, die Regeln der Meditation, Konzentration oder anderer Seelentrainierung auf sich an. Und man bekommt zunächst dadurch, daß man immer wieder und wieder sich meditativ in einen Gedankengehalt vertieft, die Fähigkeit, zurückzuschauen zunächst in sein Erdenleben. Man bekommt sein Erdenleben wie in einem einheitlichen Tableau vor die Seele hingestellt.

Also man ist 37 Jahre alt geworden. So wie man sonst im Räume hinschaut und sieht da die Menschen der ersten, der zweiten Reihe, dort den Tisch, hinten die Wand, so wie in die Perspektive hineinschauend das Ganze gleichzeitig da ist, so sieht man auf einer gewissen Stufe der Initiation in die Zeit hinein. Es ist, wie wenn der Zeitverlauf räumlich wäre. Man sieht so hinein. Man sieht da: Jetzt bist du 37 Jahre alt geworden; das hast du erlebt mit 36 Jahren, mit 35 Jahren; da geht es weiter bis zur Geburt hin. Jetzt schaut man hinein und hat das ineinem einheitlichen Tableau vor sich. Aber nehmen Sie einmal an, man mache in Wirklichkeit auf einer gewissen Stufe der Initiation diese Rückschau. Da wird man, wenn man 37 Jahre alt geworden ist, zurückschauen können in die Zeit, die man verlebt hat von seiner Geburt bis ungefähr zum 7. Jahre, bis zum Zahnwechsel. Es ist fern. Man schaut dahin. Man wird dann hinschauen können auf die Zeit, die man verlebt hat vom 7. bis 14. Jahre, bis zur Geschlechtsreife. Man kann dann hinschauen auf die Strecke, die man durchlebt hatvom14.bis21. Jahre, und schaut da die Dinge. Dann kann man zurückschauen auf das übrige Leben, das man bis zu seinem 37. Lebensjahre durchlebt.

Man kann nun in, ich möchte sagen, zeitlich-räumlicher Perspektivedas durchschauen. Fügt man nun hinzu zu diesem Hineinschauen in diese Zeit-Raumesperspektive das Bewußtsein, das vom leeren Bewußtsein, vom wachenden leeren Bewußtseinszustand ausgeht, so durchzuckt einen eine gewisse Kraft des Schauens. Man wird inspiriert. Aber sehen Sie, man wird jetzt in der verschiedensten Weise inspiriert. Man merkt: Dasjenige, was man als Leben durchlebt hat zwischen der Geburt und dem 7. Jahre, das inspiriert einen anders, das zaubert einem etwas anderes vor die Seele als dasjenige, was man erlebt hat vom 7. bis zum 14. Jahre und wiederum dasjenige, was man erlebt hat vom 14. bis zum 21. Jahre, und wiederum das Spätere. Jedes solches Lebensalter gibt eine andere Kraft. Man kann in anderes hineinschauen.

Aber man kann ja auch älter werden als 37 Jahre. Man kann, sagenwir, 63, 64 Jahre alt werden. Dann überschaut man auch die späteren Lebensepochen. Da erscheint einem ziemlich einheitlich die Lebensepoche zwischen dem 21. und 42. Lebensjahre. Dann aber gliedert sich die Sache wiederum. Man bekommt deutliche Unterschiede in dem, was man schaut vom 42. bis zum 49 Jahr; in dem, was man schaut vom 49. bis 56. Jahr; und wiederum in dem, was man schaut vom 56. bis zum 63. Jahr. Da schaut man zurück auf deutliche Differenzierungen. Aber das ist man ja selbst; man ist das geistig in seinem Erdenleben. Und wird man für alles das inspiriert, so gibt einem all das, was man da in sich trägt, verschiedenartige Inspirationen. Man trägt seine Kindheit bis zum 7. Jahre in sich, das gibt einem eine andere Inspiration alsdie Kindheit, die man vom 7. bis zum 14. Jahre in sich trägt, und als die Kindheit vom 14. bis zum 21. Jahre. Aber das darf man nicht sagen; was man also als junge Damen- und junge Männerzeit hat, die man vom 14. bis 21. Jahre in sich trägt, das gibt eine andere Inspiration. Dann kommt eine ziemlich andere Inspiration heraus für das, was man zwischen dem 21. und 42. Lebensjahre in sich trägt, und dann wiederum kommen die ziemlich differenzierten Kräfte, die von den höheren Lebensaltern herrühren.

Also nehmen Sie an, man habe sich die Fähigkeit errungen, bildhaft in die eigenen Erlebnisse hineinzuschauen, und dazu sich errungen die Inspiration des leeren Bewußtseins, so daß man wieder ausgelöscht hat das [bildhafte] Bewußtsein und die Kräfte, so daß man auf die Augen nicht mehr hinschaut, aber durch die Augen schaut. Nehmen Sie an, man ist so weit gekommen, das heißt, durch die Inspiration so weit gekommen, daß man nicht mehr seine Lebensepochen mit ihren Tatsachen sieht, sondern durch diese Lebensepochen sieht und hört; einmal durch die Lebensepoche zwischen dem 7. und 14. Jahr, einmal durch die Lebensepoche zwischen dem 49. und 56. Jahr, wie man einmal durch die Welt hört und einmal sieht. Da bedient man sich der Augen, da bedient man sich der Ohren. In der inspirierten Welt bedient man sich desjenigen, was einem Kraft gibt aus dem 7. bis 14. Lebensjahre, oder desjenigen, was einem Kraft gibt aus dem 42. bis 49. Lebensjahre. Da sind die Lebensalter differenzierte Auffassungsorgane geworden. — Also man ist ja in einem gewissen Sinne von seinem Alter heute abhängig. Man kann ganz gut mit 37 Jahren aus der Initiation heraus sprechen, aber man kann anders mit 63 Jahren aus der Initiation heraus sprechen, weil man da andere Organe ausgebildet hat. Die Lebensalter sind Organe. — Und nehmen Sie an, man will schildern nicht aus den Büchern, sondern aus der inspirierten Erkenntnis heraus Persönlichkeiten wie Brunetto Latini, wie Alanus ab Insulis — ich will naheliegende Beispiele wählen, weil diese Aufgaben uns in den letzten Tagen beschäftigt haben —, nehmen Sie an, ich will dieses childern. Versucht man sie zu schildern, wenn man 37 Jahre alt geworden ist, dann hat man von ihnen folgendes erfahren: Sie stehen da in der Geisteswelt. In dem belebten Schlafbewußtsein stehen sie da. Man kann mit ihnen reden — nun, natürlich etwas cum grano salis gesprochen — , wie man mit physischen Menschen redet. — Das ist gewiß richtig, aber das Eigentümliche ist, sie können einem nur klarmachen, wenn sie mit einem in der Sprache des geistigen Lebens verkehren, was sie jetzt gerade in diesem Augenblicke an Weisheit, an innerer Geistigkeit erlangt haben. Und dann kommt man wohl darauf, daß man von ihnen viel, viel erfahren kann. Aber man muß es dann von diesen Geistern auf Treu und Glauben hinnehmen. Man muß es von ihnen hören.

Nun, meine sehr verehrten Anwesenden, man glaubt schon daran,denn es ist ja schließlich keine Kleinigkeit, sagen wir, einem Brunetto Latini in der geistigen Welt gegenüberzustehen. Man hat dann schon die Möglichkeit zu unterscheiden, ob man ein wahnsinniges Traumgebilde, oder ob man eine geistige Wirklichkeit vor sich hat, wenn die nötigen Vorbereitungen dazu gemacht worden sind. Es ist also schon möglich sozusagen etwas zu geben auf das, was einem da durch Mitteilungen zukommt.

Aber nehmen Sie an, man würde mit Brunetto Latini in der geistigenWelt sprechen, wenn ich mich wieder cum grano salis ausdrücke. Sie müssen sich das ja nicht so vorstellen, wie wenn wir da im Saale reden würden, aber man kann es schon so nennen. Nehmen Sie also an, man würde so mit 37 Jahren mit dem Brunetto Latini sprechen. Er würde einem allerlei sagen. Aber dann bekommt man den Drang, man möchte manches genauer wissen, richtiger wissen. Und siehe da, da sagt er einem: Ja, da müßte ich mit dir zurückgehen — wir stehen jetzt im 20. Jahrhundert —, ich müßte mit dir zurückgehen durch das 19., 18. Jahrhundert bis in mein Jahrhundert. Wir müßten den Weg zurückmachen. Wir müßten uns da hinstellen, wo ich gestanden habe, als ich der Lehrer Dantes war. — Ja, dann sagt er einem: Da mußt du noch ein wenig älter werden, wenn du mit mir diesen Weg machen willst, da mußt du noch etwas über das jetzige Lebensalter hinauskommen. Ich kann dir alles sagen. Du kannst alles wissen. Du kannst ein tief Initiierter werden, aber mitkommen kannst du nicht mit mir. Du kannst nicht in Realität durch deinen geistigen Willen den Weg wirklich zurückmachen.

Sehen Sie, da muß man älter geworden sein. Da muß man über das42. Jahr vor allen Dingen herausgekommen sein, eigentlich in das 60. Jahr hineingekommen sein, wenn man ganz ungehindert nun in der geistigen Welt mit dem Betreffenden zurückgehen will.

Das sind die Dinge, die Ihnen zeigen, wie es mit dem Menschenwesen eigentlich im tieferen Sinne liegt, und wie es eine Bedeutung hat, wenn der Mensch alt wird, oder wenn er jung ist. Erst wenn man auf solche Dinge schließlich das Augenmerk hinrichtet, kann man auch begreifen — und ich werde darüber auch noch zu sprechen haben —, warum manche Menschen jung sterben, manche älter werden in diesem oder jenem Erdenleben und so weiter.

Die ineinandergeschobenen Sternensphären

Wir haben gesehen, wie das menschliche Seelenleben sich in die Wahrnehmung der geistigen Welt nach der Seite der Menschenentwikkelung hin erweitern kann. Ich habe ausgeführt, wie sich verändert, sagen wir der Verkehr mit einem Wesen, das als entkörperte Menschenseele in der geistigen Welt ist wie Brunetto Latini; wie sich ändert der Verkehr je nach den Bedingungen des Initiaten, ob man mit den Organen schaut, die sich einem in der Jugend ergeben, oder mit denjenigen, die sich einem im Alter ergeben. Was in dieser Weise vor die Seele hintreten kann als der Ausblick des Menschen in die Erdenwelt und ihre Evolution, das kann ergänzt werden dadurch, daß man nun die Frage aufwirft: Wie erweitert sich nach einer anderen Richtung hin die menschliche Einsicht, das menschliche Bewußtsein? Und ich will eine solche andere Richtung Ihnen heute noch andeuten, um sie dann in den nächsten Tagen weiter auszuführen.

Wenn wir im gewöhnlichen Bewußtsein des Erdenlebens zwischenGeburt und Tod stehen, dann haben wir die Erdenumgebung um uns. Wir hätten nicht mehr die bloße Erdenumgebung um uns, wenn der Traum nicht chaotisch wäre, wenn wir im tiefen traumlosen Schlaf wahrnehmen würden für das gewöhnliche Bewußtsein. Man hat eben da andere Wahrnehmungs- oder Bewußtseinszustände, nicht bloß diegewöhnlichen. Aber man kann das Folgende sich vor Augen stellen. Das gewöhnliche Bewußtsein hat die Erdenwelt um sich. Ich will also das, was die nächste Umgebung der Erde ist — in das Innere der Erde sieht man ja nicht hinein-, so andeuten (siehe Zeichnung S. 130, grün). Das ist also, was man zunächst im gewöhnlichen Bewußtsein vor sich hat. Alles übrige im Weltenall, Sonne, Mond, die anderen Sterne leuchten in diese Sphäre herein. Man sieht sozusagen ihre kosmischen Andeutungen bei Sonne und Mond stärker, bei den übrigen Sternen schwächer. Sie liefern Andeutungen in diese physische Welt herein. Und die Physiker würden ja recht erstaunt sein, wenn sie auf ihre Art — denn auf unsere Art wollen sie es ja nicht — erfahren könnten, wie es da wirklich aussieht, wo der Mond ist, oder wo die Sonne ist. Denn so sieht es nicht aus, wie das in den Handbüchern der Astronomie oder der Astrophysik und dergleichen steht! Es sind ja nur Andeutungen, die man so sieht. Und man macht es ja auch im gewöhnlichen Leben m der Regel nicht so, wenn ein Mensch, den man kennenlernen will, vor einem steht, und man mit ihm reden kann, daß man sagt: Das ist ungenau, was ich da erfahre von dem Menschen; der muß recht weit weggehen, so daß ich ihn kaum sehe, dann werde ich ihn viel genauer kennen; ich will ihn dann beschreiben.

Gewiß, es ist durch die Weltennotwendigkeit herbeigeführt, aberdie Physiker können ja nur die Sterne beschreiben, wenn sie recht weit weg sind. Aber das erweiterte Bewußtsein, das verwandelte Bewußtsein versetzt einen eben in die Sternenwelten selber. Und das erste, was man dabei lernt, ist eigentlich, über diese Sternenwelten ganz anders zu sprechen, als man im gewöhnlichen Leben über sie spricht. Im gewöhnlichen Leben sagt man: Ich stehe hier. Wenn es Nacht ist, sehe ich da drüben den Mond. — Das ist ja richtig. Man muß erst in ein anderes Bewußtsein hineinschlüpfen, wenn man anderes sagt. Das dauert zuweilen oft lang. Aber dann, wenn man in ein anderes Bewußtsein hineinschlüpft und dann etwa folgendes machen kann: hinschauen auf dasjenige, was man durchlebt hat mit dem ersten Bewußtsein, das dem Toten folgen kann, hinschauen auf das, was man durchlebt hat von der Geburt bis zum 7. Lebensjahre, bis zum

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Abbildung 3
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Zahnwechsel, das dann in die Inspiration eingerückt ist, so daß es innerliche Kraft des Schauens geworden ist — dann sieht man eine andere Welt um sich. Die gewöhnliche verblaßt, wird undeutlich, eine andere Welt sieht man um sich.

Diese andere Welt ist diejenige, die man die Mondensphäre nennen kann (Zeichnung, weiß). Aber man sagt jetzt nicht, wenn man in diese Erfahrung hineinkommt: Hier stehe ich, und da wiederum ist der Mond —, sondern man sagt: Ich bin in dem Monde dadrinnen. — Und Mond ist einem alles das, was hier in diesem Kreise, den er beschreibt, beziehungsweise in dieser Kugel liegt. Dasjenige, was Mondumlauf ist, das ist nur die äußerste Grenze des Mondes. Man erlebt das, daß man im Mond darinnen ist. Sehen Sie, so im Mond darinnen sein könnte schon ein Kind mit 8 Jahren, wenn es auf seine ersten 7 Lebensjahre zurückblickte, wenn man es initiieren könnte. Da würde es sogar am leichtesten hineinschauen in diese Mondensphäre, weil es noch nicht durch das folgende Leben beirrt würde. Man kann es natürlich noch nicht initiieren mit 8 Jahren; aber theoretisch ist das durchaus möglich.

So schaut man also, wenn man mit der Kraft desjenigen schaut, was einem die ersten 7 Lebensjahre geben, in diese Mondensphäre hinein. Die Sache wird überhaupt da ganz, ganz anders, als man sie beschreibt mit dem gewöhnlichen Bewußtsein. Ich will Ihnen das durch einen Vergleich klarmachen. Sehen Sie, wenn der Biologe heute den Embryo studiert in der Keimesentwickelung von den ersten Stadien bis später, dann studiert er den Keim in einem gewissen Stadium. Und an einer exzentrisch liegenden, also hier außen liegenden Stelle, da ist eine Verdickung des Materiellen. Da ist ein Einschluß. Da sieht man eine Art von Kern. Aber man kann und darf nicht sagen, obwohl man das ganz deutlich sieht durch das Mikroskop, man darf nicht sagen: Das ist bloß der Keim, bloß der Embryo —, sondern es gehört das andere eben auch dazu. Und so ist es, sehen Sie, beim Mond und auch bei den anderen Sternen. Das, was man da sieht als Mond, ist bloß eine Art von Kern und das ganze hier (weiß schraffiert) gehört zum Monde dazu. Und die Erde ist im Mond da drinnen. Und wenn sich der Keim drehen könnte, dann würde dieser Kern auch hierherumgehen. Der Mond dreht sich. Das ganze Körperchen dreht sich. Daher geht der Mond hier herum.

Die Alten, die von diesen Dingen noch etwas wußten, sprachen daher nicht vom Mond, sondern von der Mondensphäre, und sie sahen in dem, was wir heute Mond nennen, eben nur einen Punkt der äußersten Grenze. Den sieht man jeden Tag woanders. Man sieht dann innerhalb von 28 Tagen die ganze Grenze der Mondensphäre. Die Kraft, hineinzuschauen in das, was da als Mondensphäre bleibt, wenn die Erde verblaßt, diese Kraft erlangt man, wenn die inneren Erlebnisse des Menschen zwischen der Geburt und dem 7. Jahre inspiratorische Kraft werden. Und wenn nun die Erlebnisse der zweiten Lebensepoche, zwischen dem Zahnwechsel und der Geschlechtsreife, inspiratorische Kraft werden, dann erlebt man die Sphäre des Merkur (rot). So daß man also daran die zweite Sphäre erlebt. Das also (weiß) ist aus der Kraft vom Lebensanfang bis zum 7. Lebensjahre; dieses hier (rot) ist aus der Kraft vom 7. bis 14. Lebensjahre.

Wiederum stecken wir ja mit der Erde im Merkur darinnen. Es wird uns dasjenige, was Merkurerlebnisse sind, nur durch das Auge sichtbar, das wir uns anschaffen können, wenn wir bewußt zurückdringen, anschauend zurückdringen in die Erdenerlebnisse zwischen dem 7. und 14. Jahre. Und wenn man dann geschlechtsreif wird, das Lebensalter durchlebt vom 14. bis 21. Lebensjahre, dann lebt man sich hinein in die Venussphäre (gelb). Die Alten waren gar nicht so dumm; sie haben in ihrer traumhaften Erkenntnis über diese Dinge viel gewußt, und sie haben den Planeten, in den man sich hineinlebt, wenn man geschlechtsreif wird, mit einem Namen bezeichnet, der mit dem Liebesleben zusammenhängt, denn das beginnt in dieser Zeit.

Dann weiter, wenn man auf dasjenige bewußt zurückschaut, andeutend zurückschaut, was man zwischen dem 21. und 42. Lebensjahre erlebt, dann weiß man sich darinnen in der Sonnensphäre. Also die einzelnen Lebensalter geben einem, wenn man sie zu inneren Organen umwandelt, die Kraft, das Bewußtsein hinaus in den Kosmos zu erweitern, stückweise zu erweitern. Wiederum ist es nicht so, daß man nicht vor dem 42. Lebensjahre etwas wissen könnte über die Sonnensphäre. Da können es einem aber die Merkurwesen sagen, denn diewissen es schon. Man erfährt es also dann indirekt, sozusagen durch übersinnlichen Unterricht. Um aber im eigenen Bewußtsein etwas zu erleben auf der Sonnensphäre, um hineinzutreten in die Sonnensphäre und in ihr so zu erleben, wie man spazierengeht in Torquay, dazu muß man nicht nur zwischen dem 21. und 42. Lebensjahre leben, sondern muß über das 42. Jahr schon hinaus sein, muß zurückschauen können, denn nur in der Rückschau offenbaren sich die Geheimnisse. Und wiederum, wenn man zurückschauen kann auf das Leben bis zum 49. Lebensjahre, offenbaren sich die Marsgeheimnisse. Kann man zurückschauen auf das Leben bis zum 56. Lebensjahre, offenbaren sich die Jupitergeheimnisse. Und die ganz tief verschleierten, aber ungeheuren Aufschluß gebenden Saturngeheimnisse, diese Geheimnisse, die, wie wir in den nächsten Vorträgen sehen werden, sozusagen das Tiefste des Kosmos verhüllen, die Saturngeheimnisse, sie offenbaren sich, wenn man zurückschaut auf dasjenige, was sich zuträgt vom 56. bis 63. Jahre.

Sie können daraus sehen, meine sehr verehrten Anwesenden, wie der Mensch wirklich eine kleine Welt, ein Mikrokosmos ist. Er hängt zusammen mit demjenigen, was er im gewöhnlichen Bewußtsein der Erde niemals selber gewahr wird; aber er würde nicht das Leben innerlich gestalten, herrichten können, wenn nicht die Mondenkräfte von seiner Geburt bis zum 7. Jahre in ihm wirkten. Wie sie da wirken, das nimmt man später wahr. Er würde nicht dasjenige in sich bewirken können, was er zwischen seinem 7. und 14. Jahre erlebt, wenn nicht die Merkurgeheimnisse in ihm leben würden. Er würde nicht dasjenige in sich bewirken können, was er vom 14. bis 21. Jahre bewirkt, wo also zum Beispiel die gewaltigen produktiven Kunstkräfte in denjenigen Menschen einziehen, wenn sie karmisch bei dem veranlagt sind, er würde das nicht erleben können, wenn er nicht innerlich verbunden wäre mit der Venussphäre:

Und ohne sein Verbundensein mit der Sonnensphäre würde er kein reifes Erfahrungsverständnis für die Welt entwickeln können zwischen dem 21. und 42. Lebensjahre, wo wir aus der Lehrzeit hinauskommen, wo wir in die Gesellenzeit kommen. In alten Zeiten hat man ja auch so etwas ausgeprägt. Man war ein Lehrling bis zum 21. Jahre, wurde dann ein Geselle, ein Meister erst später. Also alles das, was da innerlich vorgehen muß in dem Menschen zwischen dem 21. und 42. Lebensjahre, das hängt zusammen mit dem, was im Sonnendasein, in der Sonnensphäre lebt. So rührt alles dasjenige, was im verwelkenden Dasein zwischen dem 56. und 63. Lebensjahre im Menschen vorgeht, davon her, daß die Saturnsphäre da ist.

Wir stecken darinnen mit der Erde in sich ineinanderschiebenden Sphären. Sieben Sphären sind ineinandergeschoben, und wir wachsen in das Ineinandergeschobene hinein im Laufe des Lebens, hängen so mit ihm zusammen. Unser Leben von der Geburt bis zum Tode wird herausevolviert aus der ursprünglichen Anlage, indem gewissermaßen die Sternensphären uns ziehen von der Geburt bis zum Tode. Wenn wir beim Saturn angekommen sind, dann haben wir alles dasjenige, was die Planetensphäre beziehungsweise die Wesen der Planetensphäre in Gnaden an uns tun können, durchgemacht und bekommen dann, im okkulten Sinne gesprochen, das frei im Weltenall sich bewegende, geschenkte Leben, das zurückschaut auf das planetarische Leben vom Initiatenstandpunkte aus, und das in gewisser Beziehung emanzipiert sein kann von dem, was in früheren Lebensaltern noch Notwendigkeiten sind.

Doch über alle diese Dinge werde ich dann in den nächsten Tagen weitersprechen.




Zuletzt aktualisiert: 16-Aug-2019
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